«Ich tanze, ich tanze, die Rose im Blut. Bin frei, bin ein Mensch, bin schön und bin weise, und gut – ich tanze . . .»

Dieser Ausschnitt aus dem Gedicht «Befreite Frauen» von der Klosterfrau Silja Walter bringt deutlich zum Ausdruck, wie sehr diese den Tanz mochte. Er stand im Zentrum ihres Schaffens. Die Werke der Klosterfrau hat nun Choreografin Brigitta Luisa Merki als Inspirationsquelle für «Bolero. Tanz der Feuertaube», der neusten Produktion von Tanz & Kunst Königsfelden genutzt.

Zur Premiere vom Freitagabend waren entsprechend auch Vertreterinnen der Benediktinerinnen aus dem Kloster Fahr geladen. Diese leben sonst innerhalb der Klostermauern. Priorin Irene Gassmann, die Vorsteherin des Klosters, und Schwester Ruth Tresch folgten aber der Einladung. Es ist das erste Mal, dass die beiden eine Produktion von Tanz & Kunst Königsfelden miterleben. «Das liegt bei uns sonst nicht drin», sagte die Priorin mit einem Lächeln.

Stolz in Klostergemeinschaft

Beim Premieren-Apéro in der Klosterscheune nippten sie an einem Glas Wein, plauderten mit den Gästen, unter anderem auch mit Regierungsrat Urs Hofmann. Dieser erzählte in seiner Ansprache, dass er als Kantischüler die Bekanntschaft mit Silja Walter machte. «Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass eine Klosterfrau solche Gedichte schreiben kann», sagte er. Seine Wahrnehmung habe damals einen Bruch erlitten. Das habe er bis heute nicht vergessen.

Priorin Irene Gassmann und Schwester Ruth Tresch zeigten sich stolz darüber, dass das Erbe einer der Vertreterinnen ihrer Klostergemeinschaft als Inspirationsquelle diente. «Es gibt so viel Musikalisches in ihren Texten», schwärmte Priorin Irene Gassmann. «Es freut mich sehr, dass das Publikum nun Silja Walter kennen lernt.» Dass ihre Werke aus den 1980er-Jahren nun für ein Kulturprojekt genutzt werden, sei Beweis dafür, dass ihre Texte zeitlos seien.

Gespannt machten sich die Klosterfrauen nach dem Apéro und den Ansprachen auf in die Klosterkirche. Nach der Aufführung zeigte sich pure Begeisterung bei den beiden Frauen. «Es ist einfach gewaltig», sagte Priorin Irene Gassmann. «Diese Tänze, diese Musik, das hat einen richtig gefesselt.» Und ihre Begleiterin, Schwester Ruth Tresch, ergänzte lachend: «Das waren Spanier, die getanzt haben. Das hat man gut gemerkt.»

«Ich tanze, ich tanze, den Stern im Haar, bin endlich ein Mensch, bin schön und bin leise und wunderbar getragen von Gott. Ich tanze . . .»