Lupfig

Der Süssmost-König bleibt seinen Nachfolgern als Knecht erhalten

50000 Liter Süssmost produziert Obstbauer Heinz Leutwyler jährlich und er merkt, wenn von 1000 Äpfel nur eine faul war – Ende Jahr übergibt Leutwyler den Hof den Nachfolgern. Er ist froh, dass diese den Hof in seinem Sinne weiterführen.

Welche Apfelsorten in welchem Verhältnis zu seinem Goldmedaillen-Süssmost verarbeitet werden, dazu schweigt sich Heinz Leutwyler aus Lupfig mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht aus. Das Rezept hat er denn auch nur gerade einer Familie verraten – seinen Nachfolgern.

Bis Ende Jahr zeichnet Leutwyler auf dem Loorhof noch für alles verantwortlich, am 21. Dezember übergibt er seinen Hof offiziell der Familie Suter aus Birmenstorf. Er wird sich nach seiner Pensionierung jedoch nicht gänzlich aus dem Obstbaugeschäft zurückziehen – für eine Weile bleibt er der Familie Suter als Knecht erhalten.

Die Mosterei sei eine intensive Arbeit, bei der jede Hand gebraucht werde. Er freue sich deshalb darauf, auch in der nächsten und übernächsten Saison mit von der Partie zu sein – jedoch frei von jeglicher Verantwortung.

Vom Chauffeur zum Obstbauer

«Vor 28 Jahren habe ich mit der Mosterei begonnen», erzählt der Obstbauer aus Leidenschaft. Aber bereits vor dieser Zeit betrieb er eine kleine Obstanlage sozusagen als Hobby – neben seiner Tätigkeit als Chauffeur eines Reiseunternehmens.

Als dann der Loorhof vor 28 Jahren zum Kauf stand, schlug Leutwyler zu. Er machte aus dem Milchwirtschafts-Hof einen Obstbaubetrieb mit Direktvermarktung. Mit Erfolg. Seine Äpfel sind begehrt und sein Süssmost holte sieben Goldmedaillen vom Aargauer Obstverband in Folge und einmal Silber bei der Schweizer Ausscheidung.

Dass sein Most von hoher Qualität ist, dafür bürgt Leutwyler persönlich. «Bei mir werden nur Äpfel verwendet, die nicht angefault sind.» Bevor die Äpfel von dem Harass auf der Siebbandpresse landen, werden sie nochmals genau unter die Lupe genommen.

«Ich merke das, wenn auf 100 Äpfel einer faul war», betont der Obstbauer. Schon bei der Ernte legt er grossen Wert auf ein behutsames Pflücken, bei dem er Hilfe von zwölf Personen hat. Nur tadelloses Obst gelangt in den Verkauf.

Täglich frisch ab Presse

Auf dem Loorhof wird täglich Süssmost gemacht. Die frisch gepflückten Äpfel werden sortiert, gewaschen und landen dann auf der Siebbandpresse. Der Saft wird in Flaschen abgefüllt. Seine Haltbarkeit ist vergleichbar mit der der Milch.

Ende Saison wird sämtliches Obst, das bis zur Verarbeitung in riesigen Kühllagern verstaut war, zu Most verarbeitet, der dann allerdings pasteurisiert wird. «In dieser Form ist er gut zwei Jahre haltbar.» Rund 80 Prozent seines Absatzes erzielt Leutwyler mit dem Hofladen, die restlichen 20 Prozent generiert er durch Lieferungen an den Grosshandel.

Seit April bekommt Leutwyler tatkräftige Unterstützung von Andreas Suter, der ab Dezember zusammen mit seinen Eltern den Loorhof betreiben wird. Erfahrung in der Obstwirtschaft hat die Familie Suter bereits, trotzdem holt sich Sohn Andreas vom Süssmost-König noch Tipps für die Obstpflege und -verarbeitung.

«Er macht das gut. Ich bin froh, dass ich meinen Betrieb an eine Familie übergeben kann, die den Hof in meinem Sinn weiterführt.» So bleibt denn Leutwyler endlich Zeit, um zu reisen oder einfach einmal nichts zu tun. Eines wird ihn dabei stets begleiten – Äpfel. Ganz nach dem Motto: «One apple a day, keeps the doctor away.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1