Ob als Stimmenzähler oder als Vizepräsident: Toni Burger wirkt im Gemeindeparlament oft ernst. Konzentriert, engagiert und pflichtbewusst meistert der CVP-Politiker seine Aufgaben. Toni Burger ist nicht der Mann der lauten Töne, sondern ein stiller Schaffer sowie ein guter Beobachter. Und er hat einen grossen Wunsch. Doch dazu später.

Dass Burger bis Ende 2017 als höchster Windischer amtet, verdankt er – genau genommen – der SVP. Sie war es nämlich, die für die letzten zwei Jahre den Vizepräsidenten und für die kommenden zwei Jahre den Einwohnerratspräsidenten hätte stellen können.

Allerdings goutierte der Einwohnerrat im Januar 2014 die Kandidatur von Philipp Ammon nicht – dem Sohn von SVP-Gemeindeammann Heidi Ammon. Es gab Bedenken, wegen möglicher Interessenskonflikte. Die CVP sprang deshalb mit Toni Burger in die Bresche.

Der in Lengnau aufgewachsene 62-Jährige kann sich noch gut erinnern, wie er sich bereits als Bezirksschüler für die Politik zu interessieren begann. Auf dem Schulweg nach Endingen, den er zusammen mit seinen Kollegen per Velo zurücklegte, wurden während dem Prager Frühling Ende August 1968 intensive Diskussionen zum Thema Freiheit geführt. Am Familientisch ging es hingegen selten um Politik. Burgers Vater war zwar CVP-Mitglied, hatte aber kein Amt inne.

Nach der Schule absolvierte Toni Burger ab 1970 eine kaufmännische Lehre auf der Gemeindeverwaltung Obersiggenthal und war anschliessend während fünf Jahren auf dem Steueramt tätig.

Später stand er dem Steueramt Böttstein vor, das er aufbauen konnte. 1980 wechselte er in leitender Funktion zum Steueramt Windisch. Er nahm zusammen mit seiner Frau in der Gemeinde Wohnsitz und trat später der CVP bei.

Als Verwaltungsangestellter war er ein regelmässiger Gast an den Einwohnerratssitzungen und gab bei Fragen Auskunft, selber politisieren durfte er aber nicht – noch nicht.

«Windisch hatte noch nie Geld»

Mit der Annahme einer neuen beruflichen Herausforderung 2007 als stellvertretender Leiter des Steueramts in Baden wurde der Weg für den Einstieg in die aktive Politik in Windisch frei.

«Ich wollte den Horizont erweitern», sagt Toni Burger. Baden sei viel internationaler als Windisch. In seiner Funktion hat er ausschliesslich mit natürlichen Personen – darunter auch Expats – zu tun. Burger leitet ein Team mit sechs Angestellten.

Vor sechs Jahren schaffte der derzeit höchste Windischer den Sprung in den Einwohnerrat. Die CVP bildet mit fünf Mitgliedern aktuell die zweitkleinste Fraktion im Gemeindeparlament.

Nur die EVP hat einen Sitz weniger. 2012 kandidierte der heute 62-Jährige auch für den Grossen Rat. «Die Ortspartei Windisch der CVP ist eine kleine Partei, der es an Nachwuchs fehlt», sagt Burger. Seine Motivation ist, im Sinne des Volkes etwas zum Wohl der Gemeinde beizutragen. Dafür investiert er gerne einen Teil seiner Freizeit.

Als ehemaliger Steueramtsvorsteher kennt er die Sorgen von Windisch. «Es war nie eine Gemeinde, die Geld hatte», sagt der Einwohnerratspräsident. So ist er beispielsweise überzeugt, dass man aus heutiger Sicht das Freibad Heumatten nicht mehr bauen würde, weil es ständig rote Zahlen schreibt.

Apropos rote Zahlen: Seit einem Jahr vertritt Toni Burger die Gemeinde Windisch als politischer Vertreter im Förderverein Campussaal. «Es wird immer ein Defizit geben», sagt der Steuerexperte. Es gelte jedoch, einen breit abgestützten, vernünftigen Weg zu finden, mit diesen roten Zahlen umzugehen.

Seit der Wahl des parteilosen Matthias Treier im vergangenen November als Ersatz für Heinz Wipfli ist die CVP nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Für sein neues Amt als Einwohnerratspräsident spiele das keine Rolle, sagt Burger.

Aber in der Fraktion werde es schwieriger und man werde den direkten Draht zum Gemeinderat vermissen. Die Fraktion hofft, dass sich der FDP-nahe Matthias Treier bereit erklären kann, an den Fraktionssitzungen die Traktanden nicht nur bei der FDP, sondern auch bei der CVP vorzustellen.

An der letzten Budgetsitzung sorgte die CVP für Aufsehen: Sie stellte zuerst einen Rückweisungsantrag und danach zahlreiche Änderungsanträge. Ein Vorgehen, das man eher der SVP zuschreiben würde. Selbst als Vizepräsident unterstützte Burger mit der Stimmabgabe seine Fraktion tatkräftig.

«Als Partei wollten wir damit ein Zeichen setzen. Wir sind überzeugt, dass das Sparpotenzial im Budget 2016 nicht ausgeschöpft ist.» Mit den anderen Fraktionen war nichts abgesprochen, was Burger aus heutiger Sicht einen Nachteil nennt. Denn: Alle CVP-Anträge wurden in der Folge abgelehnt.

Kann er sich ein solches Abstimmungsverhalten auch als Einwohnerratspräsident vorstellen? «Ja», sagt Burger, ohne zu zögern. «Ich werde meine Stimme weiterhin abgeben.

Wir befürchten nämlich, dass der Gemeinderat mit dem nächsten Budget und der bevorstehenden Schulraumplanung eine Steuerfusserhöhung vorschlagen wird.» Der Politiker ist sich bewusst, dass er sich bei der Sitzungsleitung an die strikten Richtlinien halten muss und nicht viel Persönliches einbringen kann.

«Ich will die Leute sprechen lassen, muss aber auch schauen, dass es nicht in Diskussionen endet.» Dann ergänzt er mit einem Lächeln: «Und wir werden weiterhin Mineral- und nicht Hahnenwasser trinken, weil es in der Handhabung viel einfacher ist.»

«Brugg steht öfters auf Bremse»

Wie sieht Toni Burger das Verhältnis zur Stadt Brugg? Werden die beiden Gemeinden je fusionieren? «Wenn der Anstoss dazu nicht aus der Bevölkerung oder von den Einwohnerräten kommt, wird nichts passieren.

In den nächsten fünf Jahren dürfte sich diesbezüglich kaum etwas ändern.» Der Einwohnerratspräsident begrüsst die regionale Zusammenarbeit bei Themen wie Ortsplanungsrevision, Verkehr, Spitex oder sozialen Dienstleistungen.

Grundsätzlich stellt er fest, dass die Gemeinde Windisch vorwärtskommen will und die Stadt Brugg öfters auf die Bremse steht, weil die Kostenfrage dominiert. «Wir müssen nicht auf Brugg warten, sondern selber schauen, dass wir attraktiver werden.» Austauschen will sich Burger während seiner Präsidialzeit mit dem Einwohnerrat Brugg und auch der Kontakt zur CVP-Fraktion in Brugg soll intensiviert werden.

Im Turnverein und Kreisturnverband engagiert sich Burger seit über 40 Jahren. Aktuell koordiniert er die Leiter der Volleyball-Gruppe in der Männerriege und die Senioren-Abteilung Frauen/Männer beim Verband.

Im Quartierverein Mitteldorf ist er mangels Vorstandsmitglieder Aktuar und Vizepräsident in Personalunion. Und wenn er seine Batterien nicht beim Reisen oder Wandern aufladen kann, geniesst er auf der Terrasse der modernen Eigentumswohnung beim Südtor, die er vor zehn Jahren mit Ehefrau Walburga und Katze Jacky bezog, die Ruhe und die Aussicht.

Klare Worte bei Antrittsrede

Das Volksfest «2000 Jahre Vindonissa» von 1986 hat Toni Burger noch in bester Erinnerung. Sein grosser Wunsch ist, dass sich engagierte Windischer finden lassen, die sich vornehmen, in ein paar Jahren wieder ein grosses Fest für Leute von nah und fern auf die Beine zu stellen.

«Die Gemeinde hat viele neue Einwohner und ich vermisse das Zusammengehörigkeitsgefühl», begründet er sein Anliegen. Mit einem Volksfest könnte dieser Zusammenhalt stärker werden, ist der CVP-Politiker überzeugt.

Dieses Herzensanliegen wird er auch in seiner Antrittsrede am 20. Januar im Einwohnerrat vorbringen. Neben ihm sitzt während den nächsten zwei Jahren übrigens Vizepräsident Dave Roth von der SP. Wer weiss, vielleicht lässt er sich ja von Burgers Anliegen anstecken.