In der Jugendarbeit im Eigenamt geht es drunter und drüber. Jugendarbeiter J. (Name der Redaktion bekannt) ist nicht mehr länger als Geschäftsführer der Stiftung Pro Jugend tätig. Der Geschäftsführer und Jugendbeauftragte wurde auf Ende April 2016 entlassen. Doch es kommt noch dicker: Im Mai wurde er vom Stiftungsrat der Stiftung Pro Jugend wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Betrug angezeigt. Das Verfahren ist im Gang, für J. gilt die Unschuldsvermutung.

Weil J. für die az bezüglich eines anderen Themas plötzlich per E-Mail nicht mehr erreichbar war, wurde J. telefonisch kontaktiert. Er gab daraufhin zu, dass er nicht mehr für die Stiftung Pro Jugend tätig ist und eine Anzeige gegen ihn läuft. Details gab er keine bekannt, er wies auf das laufende Verfahren hin.

Die Stiftung Pro Jugend gab dann erst auf Nachfrage der az eine Medienmitteilung heraus, die offenbar zuvor schon an die betroffenen Gemeinden ging. In der Mitteilung heisst es: «Im Dezember vermutete der Stiftungsrat erste Ungereimtheiten in der Geschäftsbesorgung.»
Die Stiftung schreibt lediglich von einer «mitarbeitenden Person». Wie die az aber weiss, handelt es sich dabei um den Geschäftsführer und Jugendarbeiter J. Der Stiftungsrat fährt in der Medienmitteilung fort: «Entsprechende Kontrollen haben dann ergeben, dass eine mitarbeitende Person während der hektischen Aufbauphase ihre Kompetenzen deutlich überschritten hat und mit den vorhandenen finanziellen Mitteln sorglos umgegangen wurde. In der Folge entstand für die Stiftung ein finanzieller Engpass.» Auf Nachfrage spricht Stiftungs-Präsidentin Brigitte Jäggi von rund 250 000 Franken Schaden, die entstanden sind.

Bauarbeiten waren nicht bewilligt

Das Geld hat J. offenbar vor allem in die Sanierung und den Umbau der Liegenschaft an der Wydenstrasse 32 in Birr, die als Treffpunkt der Generationen gedacht ist, gesteckt. Gemäss Aussagen von Brigitte Jäggi waren die Bauarbeiten vom Stiftungsrat nicht bewilligt. «Der Geschäftsführer informierte immer erst im Nachhinein und nur auf gezielte Nachfrage hin.» Auch habe der Geschäftsführer zum Teil Aufträge schon vergeben (Mai 2015), bevor die Stiftung gegründet war (Juni 2015). Als Beispiel nennt Jäggi die neu eingebaute Küche. «Diese wurde vom Geschäftsführer zuerst als Occasionsküche und später als Ausstellungsküche deklariert.»

Die Finanzen wurden über lange Zeit vom Stiftungsrat nicht kontrolliert. «Die Aufbauphase war hektisch, das Vertrauen zum Geschäftsführer und Jugendbeauftragten sehr hoch. Kontrollen wurden auf Vertrauensbasis durchgeführt. Diese Kombination aus Zeitmangel und grossem Vertrauen wurde voll ausgenützt», sagt Brigitte Jäggi. Auf Nachfrage, wer denn für die Finanzen zuständig ist, sagt Jäggi: «Gemäss Stiftungsreglement in erster Linie der Geschäftsführer.»

Konsequenzen hat die Strafanzeige auch bezüglich des zweiten Arbeitsplatzes von J. Bei der reformierten Kirchgemeinde Birr, wo er zu 50 Prozent angestellt ist, ist er seit Anfang Februar vollumfänglich krankgeschrieben. «Als Kirchenpflege haben wir uns nach der Bekanntgabe der Vorfälle in der Stiftung ebenfalls Gedanken hinsichtlich weiterem Anstellungsverhältnis gemacht», sagt Christian Bächtold, Präsident der Kirchenpflege.

«Nach intensiver Abwägung aller Möglichkeiten und Rahmenbedingungen entschieden wir, dass eine weitere Anstellung nicht mehr möglich ist, weshalb nach einer Sperrfrist von 90 Tagen das Arbeitsverhältnis mit ihm unter Wahrung der gesetzlichen Vorschriften aufgelöst wurde.»

Im gegenseitigen Einvernehmen Ende April habe man eine Aufhebungsvereinbarung unterzeichnet, worin für beide Seiten die Rahmenbedingungen festgehalten sind. «Wir haben den Jugendarbeiter freigestellt, er erhält von uns bis Ende August 2016 seinen Lohn», ergänzt Bächtold. Unregelmässigkeiten im eigenen Betrieb habe man nicht festgestellt. «Die Jugendarbeiter-Funktion bei uns lässt sich nicht mit einer Geschäftsführung in der Stiftung vergleichen.

Das Pflichtenheft für unsere Jugendarbeit ist klar beschrieben, Budget und Rechnungskontrolle liegt in der Verantwortung der Kirchenpflege», so Bächtold.
Jugendarbeiter J. weist die Vorwürfe zurück. «Ich bin sehr auf die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft gespannt», sagt er. Zu den Vorwürfen möchte er keine Stellung nehmen.

Es sei Sache der Staatsanwaltschaft, zu klären, inwiefern die Anschuldigungen überhaupt stimmen. «In den Begegnungen und Gesprächen mit der Bevölkerung kam eher ein tiefes Bedauern und vor allem Unverständnis gegenüber dem Vorgehen des Stiftungsrats zum Ausdruck», führt er aus. Mit vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen habe er nach wie vor sehr guten Kontakt. «Es tut mir gut, zu spüren, dass ich aus der Bevölkerung viel Sympathie und Rückhalt geniessen darf.»