Windisch
Der Spitzgraben liefert Spitzenfunde aus der Zeit der Römer

Dort, wo dereinst der Neubau der Erwachsenenpsychiatrie geplant ist, finden derzeit Ausgrabungen statt. An einer Führung konnten die Besucher erste Fundstücke aus der Nähe begutachten – so etwa 40 Münzen und verschiedene Werkzeuge.

Edgar Zimmermann
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Kopie von Grabungen in Königsfelden
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Zu den Spitzenfunden gehören der Hautschaber (oben), der Doppelphallus, der Öllampen-Aufhänger und der Spielwürfel.
Grabungsleiter Andy Lawrence stellt den an Fundmaterial reichen Spitzgraben vor.
Mit grossem Interesse konnten die Teilnehmer römische Fundstücke in die Hand nehmen.
Mit grossem Interesse durften die Teilnehmer die Fundstücke in die Hand nehmen.
Diese Inschrift befand sich auf einer Amphore und nenne deren Inhalt sowie einen Namen.
Grabungsleiter Andy Lawrence beschrieb mittels Illustrationen die Zustände auf diesem Grabungsgelände zur Römer- und zur Klinikzeit.

Kopie von Grabungen in Königsfelden

Edgar Zimmermann

Nördlich des unter Denkmalschutz stehenden Hauptgebäudes ist ein Neubau für die Erwachsenenpsychiatrie Königsfelden geplant. Der Standort befindet sich angrenzend ans Legionslager im Gebiet der Wehrgräben wie auch ausserhalb des mittelalterlichen Klosterareals.

Wie Grabungsleiter Andy Lawrence an der gutbesuchten öffentlichen Führung erklärte, stiess man bei den Ausgrabungen zunächst auf Fundamente, die zu früheren, vor Jahrzehnten abgebrochenen Klinikbauten gehört hatten. Unter und neben diesen Mauern kamen römische Überreste zum Vorschein.

Auswertung ist noch im Gang

Besonders ergiebig bezüglich Fundmaterial und Erkenntnissen war der äusserste von drei Spitzgräben. Dieser war vermutlich um 77/78 von Legionären aufgefüllt worden: mit Siedlungs- und Schlachtabfällen. «Dieses Material gibt uns einen Querschnitt und Einblick in das Alltagsleben der Legion», so Lawrence. Noch ist die Auswertung im Gang; so sind auch Erdproben entnommen worden.

Die Grabungen, die im November beendet werden, führten zur Annahme, dass sich hier jenseits der Befestigung keine zivile Besiedlung befand. Anhand vieler Illustrationen gab der Grabungsleiter einen interessanten Überblick über Veränderungen und Entwicklungen auf diesem Areal.

Pferdegeschirr und Hautschaber

Thomas Lippe von der Fundverwaltung der Kantonsarchäologie stellte eine grössere Zahl von Funden aus dem erwähnten Spitzgraben vor, so als Spitzenfunde unter anderem einen Hautschaber (Strigilis), ein Badeutensil, einen Riemenverteiler, an welchem die Lederriemen des Pferdegeschirrs befestigt waren, ein Doppelphallus-Symbol, das möglicherweise ebenfalls von einem Pferdegeschirr stammte und als Glücksbringer diente, ein Spielwürfel, einen Haken zum Aufhängen einer Öllampe.

Gefunden wurden gegen 40 Münzen, darunter schöne Vespasian- und Neromünzen, ein Ziegelfragment mit dem Stempel der 21. Legion, ein bemaltes Mörtelstück, Keramik- und Geschirrfragmente, ein Stück einer Amphore mit Namens- und Inhaltsangabe. Mit Freude liessen es sich die Teilnehmer nicht nehmen, die Funde selber in die Hand zu nehmen und zu begutachten.

Hohe römische Mauern

Eine andere Windischer Grabungsstätte gab dieses Jahr andere Funde frei. Beim Motocenter Urech an der Zürcherstrasse stiess das Team der Kantonsarchäologie auf hohe, gut erhaltene römische Steinbauten, Feuerstellen und einen tiefen gemauerten Schacht. Offenbar waren diese Bauten nach dem Abzug der Legionäre weiterhin benutzt worden. Die Funktion ist aber noch unklar. Im kommenden Jahr wird sich hier eine weitere Grabungskampagne anschliessen, die, so hofft man, zu genaueren Erkenntnissen führen wird.