Die matt-schwarzbraune Fassade verleiht dem markanten Bau mit den grosszügigen Fenstern eine edle Note.

Dass hier an der Industriestrasse in Lupfig ein Spezialist für hochwertige Laden- und Inneneinrichtungen sein Domizil hat, ist schon im Eingangsbereich zu spüren – und zu sehen: Die Raumaufteilung mit den schräg angeordneten Elementen ist durchdacht, die Farben sind stimmig und sorgfältig aufeinander abgestimmt.

Kein Detail wurde dem Zufall überlassen, weder bei der Oberfläche mit dem kunstvollen Diamant-Muster noch beim stilvollen Tisch aus Massivholz im Sitzungszimmer, weder bei den Schwarz-Weiss-Fotografien an der Wand noch beim Fenster, das einen Blick gewährt in die laufende Produktion – oder beim Töggelikasten, der in einem mit Kunstrasen überzogenen Kubus beim Personalbereich untergebracht ist.

Bestens gelaunt kommt Marco Killer aus seinem Büro. Er ist Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Killer Interior AG – also der Hausherr. Seine Begeisterung über den Neubau kommt deutlich zum Ausdruck bei einem Rundgang an diesem sommerlich-sonnigen Vormittag: über die moderne, klare Architektur, das spannende Spiel mit Licht und Farben, die technischen Raffinessen. Sein Unternehmen betreut namhafte Retail-Kunden. Es sei ihm deshalb wichtig gewesen, etwas Schönes zu gestalten, das einen gewissen Charme, eine gewisse Ausstrahlung habe – kurz: Einen Neubau, in dem man sich sofort wohlfühle, sagt Killer.

Der Strom kommt vom Dach

Er führt den Besuch durch das blaue Treppenhaus mit dem ebenfalls blauen Lift – «wir wollten einen Akzent setzen» – auf das Dach mit den 1428 Solarpaneelen der neusten Generation. Die Gesamtproduktion der Photovoltaikanlage beträgt laut Killer 400 000 kWh. Dies entspreche dem Strombedarf von rund 100 Einfamilienhäusern.

Produziert wird der Strom für das eigene Unternehmen, der Rest wird ins Netz eingespeist. Zum Heizen und Kühlen kommt ein ausgeklügeltes System zum Einsatz. Verwendet wird die Abwärme aus der Produktion, die mit einer Wärmepumpe auf das benötigte Temperaturniveau gebracht wird. Die dabei entstehende Kälte wird ebenfalls im Gebäude genutzt. Bei Bedarf kann – sind einmal nicht genügend Wärme beziehungsweise Kälte vorhanden in den Kreisläufen – auf das Grundwasser als zusätzlicher Energieträger zurückgegriffen werden.

Das zweite Obergeschoss im Bürogebäude befindet sich im Rohbau, kann dereinst vermietet werden. Ein weiteres Stockwerk tiefer sind die Büros zu finden: grosse, offene Räume, die mit Glastrennwänden unterteilt sind, dazwischen kleinere Boxen als Besprechungszimmer und Rückzugsorte. Die Arbeitsplätze und die Raumaufteilung können an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden.

Wert gelegt hat Killer auf eine angenehme Raumakustik sowie auf eine flexible LED-Beleuchtung. Hier hat Atdhetar Elshani seinen Arbeitsplatz. Als Projektleiter war er für den Neubau zuständig und begleitete sowohl die Bauarbeiten als auch den Umzug. Vom alten Firmenstandort Turgi spreche heute kaum noch jemand, stellt er mit einem Lachen fest. «Wir haben uns schnell eingelebt und heimisch gefühlt. Hier haben wir Platz und Reserven für die künftige Entwicklung.»

Die Firma hatte Platzprobleme

In Turgi stiess das Familienunternehmen – damals noch unter dem Namen Killer Ladenbau AG – mehr und mehr an räumliche Grenzen. Geprüft wurden eine Auslagerung von einzelnen Abteilungen, eine Erweiterung oder ein Neubau.

Ein Ausbau des alten Gebäudes mitten im Wohnquartier wurde schliesslich als nicht sinnvoll erachtet. Das passende, rund 13 000 Quadratmeter grosse Grundstück für ein neues Büro- und Produktionsgebäude konnte dann in nur rund 10 Kilometern Entfernung im Industriegebiet in Lupfig gefunden werden – verkehrsmässig günstig gelegen in der Nähe des Autobahnanschlusses.

Mitte März 2016 fand im Beisein von rund 130 Gästen der Spatenstich statt. Das komplexe Bauvorhaben hatte einen sportlichen Zeitplan. Beispielsweise mussten um die 20 000 Kubikmeter Aushub mit rund 1700 Lastwagenfahrten abgeführt werden.

Für das Ausgiessen der Bodenplatte und der Kellerwände wurden rund 12 000 Tonnen Beton benötigt. Spektakulär waren die Anlieferung und die Montage der 35 Tonnen schweren und bis 25 Meter langen Betonelemente für die Decke in der Produktionshalle.

Nach wenigen Tagen lief Betrieb

Der Umzug eines ganzen Unternehmens – nach über 80 Jahren in Turgi notabene – war eine logistische Herausforderung. Infrage kam nur der Dezember, wenn die Retail-Branche im Weihnachtsgeschäft ist und weniger Aufträge anfallen.

Erforderlich war eine akribische Planung, der Ablauf und die Zuständigkeiten waren exakt geregelt. Es wurde eine Inventarliste erstellt, nicht mehr Gebrauchtes aussortiert, alles andere sauber verpackt. Jedes einzelne Paket wurde beschriftet und versehen mit einer präzisen Positionsangabe für den neuen Standort – damit kein Durcheinander entsteht.

Die meisten Maschinen wie das CNC-Bearbeitungszentrum und die Plattensäge wurden neu angeschafft, die grösste, die gezügelt wurde, war die Kantenleimanlage. Nach einem Unterbruch von weniger als einer Woche lief die Produktion bereits am neuen Standort. Im grossflächigen, 4 Meter hohen Untergeschoss wurde das gesamte Lager zusammengeführt.

Die Details haben Zeit

Sie hätten grossen Respekt gehabt vor dem Bau und dem Umzug, geben Killer und Elshani unumwunden zu. Schliesslich sei es besser gelaufen als gedacht, das Vorhaben habe speditiv und reibungslos abgewickelt werden können, Probleme seien nur wenige aufgetaucht. Eines sei ein Stromausfall just zum Produktionsstart gewesen, der durch einen Wasserschaden ausgelöst wurde.

Mittlerweile ist der Innenausbau bis auf ein paar Kleinigkeiten abgeschlossen. «Für die Finessen nehmen wir uns bewusst Zeit», erklärt Killer. Denn mit den ersten Erfahrungen könnten bei Bedarf auch Optimierungen vorgenommen werden.

Es habe sich herausgestellt, macht Elshani ein Beispiel, dass für die Mitarbeitenden womöglich zwei zusätzliche Mikrowellen benötigt werden, weil es sonst zu Engpässen kommt in der Mittagspause. Bis Mitte Juni sollen sämtliche Details stimmen. Dann will das Unternehmen bei der offiziellen Einweihung die Türen des modernen Büro- und Produktionsgebäudes für die geladenen Gäste öffnen.

Mit offenen Armen empfangen

Der neue Firmenstandort habe einiges ausgelöst, sei eine Inspirationsquelle, die Mitarbeitenden seien motiviert, freut sich Killer. «Das gibt eine ungemeine innere Kraft und wird auch gegen aussen wahrgenommen.»

Ihm war ebenfalls stets das gute Einvernehmen wichtig mit Nachbarn sowie Verwaltung und Behörden. Es sei von Beginn weg das Gespräch gesucht und laufend über das Projekt informiert worden. Steine in den Weg gelegt wurde dem Unternehmer nicht. «Wir wurden mit offenen Armen empfangen.»

Die Investition sei auch ein Bekenntnis für den Standort Schweiz, fügt Killer an. «Wir glauben an die Zukunft und wollen hierbleiben», hält er fest. Um erfolgreich in der Schweiz produzieren zu können, müsse man effizient sein, über schlanke Strukturen und optimale Arbeitsabläufe verfügen. Diese würden deshalb immer wieder auch hinterfragt. Als weitere Stichworte nennt er Qualität, Termin, Preis und Verfügbarkeit.

Als innovatives Unternehmen habe die Killer Interior AG das Ziel, gesund zu wachsen, ergänzt Killer. Angestrebt werde weiter eine gesunde Finanzstruktur und eine gute Ertragskraft. Die Ressourcen und Möglichkeiten, fasst Killer zusammen, seien vorhanden, die Perspektiven gut.