Brugg-Windisch

Der Schleier lüftet sich – eine Ausstellung über ein Stück Stoff

Christian Bühler von der Fachstelle Religion der FHNW befragt Betül Gökdemir, die seit fünf Jahren das Kopftuch trägt.

Christian Bühler von der Fachstelle Religion der FHNW befragt Betül Gökdemir, die seit fünf Jahren das Kopftuch trägt.

Die Wanderausstellung «Schleier und Entschleierung» macht zurzeit Halt im Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch. In sieben Kapiteln wird die Geschichte des Schleiers aufgezeigt. Platz hat aber auch die Entschleierung.

«Es ist manchmal unverständlich, wie ein Stück Stoff eine aufgeklärte Gesellschaft in Aufruhr bringen kann», sagt Halit Duran vom Verband Aargauer Muslime an der Vernissage. In seiner Rede deutete er die verschiedenen Möglichkeiten und Interpretationsweisen an, die das «Stück Stoff» hervorrufen kann. «Worum geht es bei der Verschleierung? Will man etwas verstecken, Wertvolles verhüllen oder ist es nobles Understatement?»

Beantwortet werden diese Fragen in der Ausstellung von Kuratorin Elisabeth Reichen. In sieben Kapiteln wird unter anderem der historische, religiöse, patriarchalische, politisierte oder natürliche Schleier erklärt. Platz hat auch die Entschleierung, die halbnackte Models auf Werbeplakaten zeigt, mit der Frage: «Ist das die Freiheit der westlichen Frau?» Für Halit Duran ist klar, dass die Erkenntnis der Hintergründe dieser Geschichte helfen kann. Er denke auch, dass Muslime von der Ausstellung lernen können.

Das Kopftuch fällt auf

Die 20-jährige Betül Gökdemir trägt seit fünf Jahren ihr Kopftuch. Sie und Schwester Ingrid Grave vom Dominikaner Orden erzählten von ihren Erfahrungen im Alltag. Für Schwester Ingrid, die an dieser Vernissage in zivil erschien, ist es kein Unterschied, ob sie ihre Tracht trägt oder nicht. «Ich bin ich», sagt sie. «Wenn ich als normale Frau unterwegs bin, sehen mich die Leute nicht. Trage ich in Zürich aber das Ordenskleid, schauen mich die Leute an.»

Betül Gökdemir erzählt von negativen wie positiven Erlebnissen. Bei der Lehrstellensuche schickte sie ihre Bewerbungen zunächst ohne Foto ab. Als dieses verlangt wurde und die junge Frau erwähnte, dass sie Kopftuch trage, brachen die zuvor interessierten Firmen den Kontakt ab – wegen möglicher Probleme mit den Kunden. «Nun mache ich meine Lehre bei einer internationalen Firma», sagt sie lachend.

Ein schwieriger Punkt in ihrem Schulalltag war, als sie in den Schwimmunterricht gehen sollte, zunächst aber nicht wollte. Sie suchte nach einer Lösung und fand sie im Burkini, dem Ganzkörperschwimmanzug. «Man kann nicht immer Nein sagen, sondern muss nach Lösungen suchen», erklärt sie.

Lehrpersonen sind gefordert

Mädchen tragen Kopftücher, sie dürfen teilweise nicht am Schwimmunterricht teilnehmen oder die Weihnachtsrituale sind Eltern muslimischer Kinder ein Dorn im Auge. Die Ausstellung richtet sich vor allem auch an Schulleitungen und Lehrkräfte. Sie sind es, die im Alltag bei interkulturellen Begegnungen gefordert sind. Christian Bühler von der Fachstelle Religion der Fachhochschule Nordwestschweiz hat Schulen im Raum Brugg-Baden angeschrieben. In einem Workshop vom kommenden Mittwoch, 18. März, soll der eigene Umgang mit der Schleierthematik bewusst gemacht werden. Pädagoginnen und Pädagogen werden durch die Ausstellung geführt und mit den kantonalen Richtlinien und Verordnungen vertraut gemacht. «Eine Gruppe, welche die Weiterbildung Deutsch für Fremdsprachige durchläuft, interessiert sich für den Workshop. Ansonsten habe ich noch keine Anmeldungen erhalten», sagt Christian Bühler.

«Schleier und Entschleierung», FHNW, Campusgebäude 6/2. Stock. Die Ausstellung ist bis zum 25. März täglich ausser sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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