Hausen

Der Samichlaus kämpfte ganz in Schwarz und mit heiligem Zorn für sein Hüsli

Der Samichlaus kam zum zweiten Dahlihaus-Dorftreff in Hausen ganz in Schwarz, um den Politikern ins Gewissen zu reden. H.P.W.

Der Samichlaus kam zum zweiten Dahlihaus-Dorftreff in Hausen ganz in Schwarz, um den Politikern ins Gewissen zu reden. H.P.W.

Während Ruth Kälin von der Aktionsgruppe Pro Dahlihaus in Hausen rund 150 Personen zum zweiten Dorftreff unter dem Nussbaum auf dem Vorplatz des Dahlihauses begrüsste, tauchte ein Überraschungsgast auf:

Nicht wie gewohnt im Dezember, sondern schon im Juni erschien der im Dorf bestens bekannte Samichlaus. Er richtete einen flammenden Appell an Gemeinderat und Bevölkerung, das Dahlihaus und das Schuhmacher- respektive Samichlaushüsli nicht sang- und klanglos abzureissen.

Für einmal in schwarzer Kutte

Diesmal kam der Samichlaus ohne Schmutzli und Esel, in schwarzer Kutte anstatt im schönen roten Mantel wie jeweils im Advent, wenn er in seinem Häuschen beim Dahlihaus viele Kinderaugen mit Lebkuchen, Nüssen und Mandarinen zum Strahlen bringt.

Jetzt, wo es lange hell und trocken blieb, erschien er nicht in abgeklärter Gelassenheit, sondern in spürbarer Betroffenheit, ja heiligem Zorn. Ihn wühle die Nachricht auf, erklärte er, dass ein ersatzloser Abbruch des fast 400-jährigen Dahlihauses – des ältesten und in dieser Form letzten Gebäudes in Hausen – in Erwägung gezogen werde.

Den Überraschungsgast beunruhigte auch ein Überrumpelungsversuch an der Gemeindeversammlung am Tag zuvor, bei dem ein Antragsteller bereits für die nächste Dezember-Gemeindeversammlung einen Kredit zum ersatzlosen Abbruch des Dahlihauses und Samichlaushüslis forderte.

«Es darf nicht sein», warnte der Samichlaus mit einem Griff zur mitgebrachten Fitze, «dass eine solche Liegenschaft dem Erdboden gleichgemacht wird, und das ohne vorherige Abklärungen für neue Nutzungslösungen, nach dem Motto: erst abreissen und nachher überlegen, was man tun könnte!»

Wie soll es weitergehen?

Gemeindeammann Eugen Bless hatte am Donnerstag vergangener Woche den Stimmbürgern für die Sommergmeind 2014 eine Vorlage über das Schicksal des Dahlihauses in Aussicht gestellt, aber auch klargemacht, dass der Gemeinderat nicht selber agiere, sondern in erster Linie von der aus Privatpersonen bestehenden Aktionsgruppe Pro Dahlihaus konkrete Nutzungsvorschläge für die Liegenschaft – die der Gemeinde gehört – erwarte.

Am Dorftreff wollte der Samichlaus nun von den Initianten genau wissen, was sie sich unter der künftigen Dahlihaus-Nutzung vorstellten. Beat Peterhans, ehemaliger Gemeinderat, und Architekt Roland Lüscher betonten, die Aktionsgruppe denke nicht an ein museales Anschauungs-, sondern an ein ortsbildgerechtes Nutzungsobjekt mit vielseitiger Verwendung für Veranstaltungslokale, Wohnungen, Büros oder andere Geschäftsräume.

Von einem ersatzlosen Abbruch ohne neue Nutzung hätte die Gemeinde ebenso wenig wie vom baufälligen, leerstehenden heutigen Dahlihaus, betonten sie. Die Herausforderung bestehe darin, einige charaktervolle Merkmale des jetzigen Gebäudes mit modernen Bauteilen und Nutzungsansprüchen zu verbinden – dies sei möglich.

Die Besucher des Dorftreffs konnten wie schon an einer ersten Veranstaltung, Ende April, wieder einen Blick unter das mächtige Walmdach und in die bescheidene Kleinwohnung des einstigen Taglöhners und Dorforiginals Hans Dahli werfen.

Der Anlass bestätigte zudem, welch schöner Ort der Begegnung das Dahlihaus und sein Vorplatz im Dorfkern wären. Die Aargauer Jazzband Joyful bot mit einem Dixieland-Konzert einen Vorgeschmack auf mögliche stimmungsvolle spätere Sommerevents.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1