Brugg
Der Rutenzug ist Geschichte: Das war das Jugendfest 2013

Musik in den Gassen, farbige Haarprachten und Freude von gross bis klein – das Jugendfest Brugg war auch dieses Jahr ein grosser Event. Die az-Redaktoren blicken zurück.

Elisabeth Feller, Michael Hunziker und Claudia Meier
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Aller Anfang ist schwer. Nachdem die Kanonierer ihr Pulver bei der Tagwache auf dem Hexenplatz verschossen hatten, erklärte der Brugger Stadtammann Daniel Moser mit müdem Blick: «Das waren jetzt elf Böllerschüsse für die elf Bezirke in Brugg.» Grössenwahn oder frühmorgendliche Träumerei?

Rutenzugfans haben ihre Lieblingsplätze. Meistens sind diese schon lange vor dem ersten Trommelwirbel besetzt.

Zum Beispiel von jenen zwei gestandenen Bruggerinnen, die «seit 20 Jahren immer an derselben Stelle in der Altstadt stehen». Welch ein Stehvermögen!

Bewohner von Häusern in der Altstadt haben es gut: Sie haben Logenplätze. Von oben ist der Blick auf die Protagonisten des Rutenzuges sowie auf die Zaungäste wunderbar. In manchen Festbesuchern keimt da auch schon mal ein Neidchen auf.

Blicken sie nach oben, sehen sie nämlich, wie komfortabel die Logen ausgestattet sind: mit Sitzkissen und Kaffeekannen.

Begeisternde Rede an der Morgenfeier

Obgleich der Rutenzug festen Regeln folgt, gibt es Spielraum. Etwa im Hinblick auf Schuhe, Hüte, Frisuren und Haarfarben. Die Schüler der Abschlussklasse hatten tief in den Farbtopf gegriffen.

Dank Giftgrün, Königsblau und Herzrot-Gelb glichen ihre Köpfe Leuchtkörpern. Wäre Brugg, mangels Strom, in finsterste Nacht verfallen – diese Teilnehmer hätte man nicht verpasst.

Liebe auf den ersten Blick war es, als die Journalistin im Rutenzug die Bözberger Schulkinder mit ihrem offenen Wagen entdeckte. Oben stand die Linner Linde im Miniformat. Die Journalistin war entzückt, wollte das Bäumchen sofort klauen, besann sich dann aber auf ihre Erziehung.

Doch sie träumt weiter von der kleinen Linde. Liebend gerne würde sie diese als Gefährtin des einsamen Gummibaums im az-Büro sehen.

«Das isch vill besser gsii als letscht Joor.» Was denn? «He d’Red.» Morgenfeier-Profis waren begeistert über den diesjährigen Redner, Bürgermeister Werner Guhl aus Rottweil, der Brugger Partnerstadt.

Weshalb war die Rede denn so gut? «Er hät d’Chind und die Grosse eifach so guet chöne näh.»

Und noch einmal Werner Guhl: Am Behördenzobig in der Mehrzweckhalle des Waffenplatzes bezeichnete Stadtammann Daniel Moser den Jugendfestredner als «Star des Tages». Der Bürgermeister habe mit seiner Ansprache die Erwartungen übertroffen.

Nur das «Bruggerlied» müsse er noch etwas üben, fügte Moser mit einem schelmischen Lachen an – und überreichte dem Gast aus Deutschland die brandneue CD «Rutenzug Brugg».

Am Behördenzobig waren wichtige Vertreter aus der ganzen Region anwesend. Speziell willkommen hiess Stadtammann Moser die Gäste aus Bözberg. Zu Wurst und Brot eingeladen worden sei per Brief, stellte Moser fest, um mit einem Augenzwinkern anzufügen:

«Bei uns geht die Post ab, in Bözberg kommt sie offensichtlich an.» Der Gemeinderat vom Bözberg genoss den Auftritt sichtlich. Bereits vor dem Mittagessen gaben sich die männlichen Behördenmitglieder selbstsicher. Ihnen könne in Begleitung einer Linnerin nichts passieren. Gemeint war Vizeammann Carmen Stahel.