Pro Bözberg
Der rüde Maschineneinsatz im Wald stört

Der Verein Pro Bözberg baut den Vorstand aus und setzt sich verstärkt für schonende Waldbewirtschaftung ein.

Claudia Meier
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Alex Spichale

Bis vor Bundesgericht kämpfte der Verein Pro Bözberg über zehn Jahre lange gegen einen allfälligen Steinbruch am Homberg. Mit Erfolg, wie sich 2013 zeigte: Die Jura Cement Fabriken in Wildegg verzichteten auf die geplanten Probebohrungen und damit auch auf den ins Auge gefassten Gesteinsabbau im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführten Gebiet beim Bözberg.

Einige Leute glaubten danach, der Vereinszweck sei mit der Verhinderung des Steinbruchs erfüllt und verabschiedeten sich von Pro Bözberg. Dass die Arbeit aber noch lange nicht ausgeht, machte Präsident Otto H. Suhner an der 14. Mitgliederversammlung am Mittwochabend in der Turnhalle Effingen deutlich. Nach dem Grundsatz «Bleib dran, auch wenn es anders kommt, als geplant!» will sich der Vereinsvorstand weiterhin für eine schonende Waldbewirtschaftung und den sichersten Standort für das Atommüll-Endlager einsetzen.

Festgarnitur für die Bruderhöhle

Der Effinger Gemeindeammann Andreas Thommen schöpfte in seiner Grussbotschaft aus dem Vollen und strich die Vorzüge des zuständigen Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg hervor, der mit den üblichen Forstarbeiten etwa 50 Prozent seines Umsatzes erzielt. Die weiteren Standbeine umfassen die Landschaftspflege, Unterhaltsarbeiten sowie Produkte aus Holz. Die vor zwei Jahren gegründete Natur- und Umweltkommission setzt sich für Amphibien-Feuchtgebiete sowie die Sanierung der Bruderhöhle ein. «Leider haben wir für die Höhle noch keine Baubewilligung vom Kanton», sagte Thommen. Nächste Woche wird dazu eine Besprechung vor Ort stattfinden. Gerechnet wird mit Sanierungskosten von 60 000 Franken. Die bisher eingegangenen Spenden decken über einen Drittel davon ab. Pro Bözberg steuert eine neue Festgarnitur bei.

«Vielleicht sind wir bei der Waldbewirtschaftung nicht gleicher Meinung», entgegnete Otto H. Suhner. Der Verein störe sich an Forstarbeiten mit rüdem Maschineneinsatz. «Wer, wenn nicht unser Verein, soll sich dagegen wehren, dass im Wald solche Pisten angelegt werden?», fragte Suhner die knapp 50 Anwesenden.

Einsprache gegen Probebohrungen

Beim Thema Bau eines Tiefenlagers für den Atommüll betonte der Präsident, dass hier keine Eile geboten sei. Er sprach sich dafür aus, die riesigen Geldsummen besser für die Forschung von neuen Technologien auszugeben als in «Maulwurf-Übungen» wie seismische Messungen oder Probebohrungen zu investieren. Suhner zeigte sich überzeugt, dass in den nächsten 30 bis 40 Jahren aus dem heutigen Atommüll neue Energie gewonnen werden kann.

«Pro Bözberg sollte Einsprache gegen die geplanten Probebohrungen machen», forderte ein Mitglied. Suhner entgegnete: «Wir diskutieren das jedes Jahr im Vorstand und sind grundsätzlich gegen das Sankt-Florians-Prinzip.» Pro Bözberg habe sich diesbezüglich auch mit dem Bürgerforum «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib) abgesprochen. «Kaib hat hier eine andere Rolle. Die sollen die Einsprache machen.»

Kaib-Präsident Max Chopard stellt nachträglich gegenüber der az zwei Punkte klar: «Erstens gibt es bis heute keine Absprache zwischen den Vereinen Kaib und Pro Bözberg.» Auf den 11. April sei einzig ein Treffen zu einem informellen Austausch zwischen den drei Organisationen Pro Linn, Pro Bözberg und Kaib vereinbart. Zweitens: «Im Gegensatz zu Pro Bözberg ist Kaib als Verein bis heute nicht einspracheberechtigt.» Im Verzeichnis der beschwerdeberechtigten Organisationen im Kanton Aargau ist der Verein Pro Bözberg aufgeführt.

Dieser hat derzeit 1879 Mitglieder und verfügt über 44 800 Franken. Mehrmals pro Jahr finden Exkursionen oder Referate statt. Alle bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wieder gewählt. Neu dabei ist Max Stähli von Bözberg.

Zum Schluss erzählte der in Schinznach-Dorf wohnhafte ehemalige Lehrer und Ex-Chefredaktor vom «General-Anzeiger», Peter Belart, einige Anekdoten von Ausflügen auf den Brugger Hausberg Bözberg.

Das ist die zweite Version des Artikels. Der Text wurde am 8. April um 16.40 Uhr überarbeitet.

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