Brugg
Der Röstigraben soll als Kulturerbe der Schweiz geschützt werden

Die neu eröffnete Sonderausstellung im Vindonissa Museum beschäftigt sich bis zum 27. September 2015 mit den kulturellen Grenzen in der Schweiz. Das Museum möchte, dass der Röstigraben als immaterielles Kulturerbe der Unesco aufgenommen wird.

Vera Frey
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Die neue Sonderausstellung im Vindonissa Museum zeigt, wie der Röstigraben entstanden ist.

Die neue Sonderausstellung im Vindonissa Museum zeigt, wie der Röstigraben entstanden ist.

zvg / Kanton Aargau, Béla Polyvá

«Der Röstigraben ist für uns Tatsache. Punkt», so Kantonsarchäologe Georg Matter zum Ausgangspunkt für die Ausstellung. Diese wurde in grossen Teilen von Museumsleiter Laurent Flutsch vom Musée Romain de Lausanne-Vidy übernommen. So sei immerhin bei der Zusammenarbeit der römischen Museen für einmal kein Graben erkennbar, so Flutsch, der selbst bei der Vernissage am Donnerstagabend anwesend war. Er gestaltete die Ausstellung in Lausanne in witziger Weise und vor allem mit einer welschen Sicht auf das Thema.

Die «Minderheitenrolle», die dadurch entstand, konnte Chantal Odiet, die die Ausstellung in Brugg leitet, nicht genau so übernehmen. Das Herzstück der Ausstellung ist aber in Brugg wie in Lausanne dasselbe: Die historische Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Kulturgrenzen in der Schweiz haben schliesslich eine grosse Tradition.

«Kultur» heisst im Archäologischen Zusammenhang das erlernte Verhalten, das sich in verschiedenen Bereichen wie der Bauweise, Verzierungen auf Gefässen und bei Bräuchen zeigt. Auf Karten und anhand von Objekten wie Tongefässen, Schmuck und Grabbeigaben werden die durch solche Unterschiede entstehenden «Grenzen» aufgezeigt.

Eine «sprachliche Fehlgeburt»

Die Sprachgrenze, die wir heute vor allem mit dem Begriff «Röstigraben» verbinden, kam erst in der Zeit der Römer hinzu. Die Rösti noch viel später – schliesslich kam die Kartoffel erst im 16. Jahrhundert in die Schweiz. Der Begriff sei sowieso eine «sprachliche Fehlgeburt», wie es im Vorwort zum Buch «Rideau de Rösti», welches als Katalog zur Ausstellung veröffentlicht wurde, treffend geschrieben ist.

Schliesslich sei die Rösti ein Beispiel dafür, dass der kulturelle Austausch in der Schweiz durchaus funktioniert – auch wenn die beliebte Kartoffelspeise in der deutschen Schweiz mit Butter, in der lateinischen aber mit Öl zubereitet wird.

Die Ausstellung soll mit ihrer Sicht auf die Geschichte und damit auf die Tradition der Unterschiede in der Schweiz «dem Besucher deutlich machen, dass die Vergangenheit dazu beiträgt, die Gegenwart besser zu verstehen», so Georg Matter.

Geschichte hält Schweiz zusammen

Und auch Claude Longchamp, der als Wahl- und Abstimmungsanalytiker für die Medien der SRG SSR Idée Suisse seit 1987 als Experte für dieses Thema bezeichnet werden kann, betonte die Gemeinsamkeiten der Schweizer trotz oder gerade wegen den Unterschieden: «Die Geschichte hält uns als Schweiz zusammen. Wir sind auch etwas stolz, trotz den Unterschieden eine Einheit zu sein.» Schliesslich seien alle Schweizer schlussendlich Minderheiten – die Deutschschweizer in Deutschland und Österreich, die Tessiner in Italien und die Welschen in Frankreich. «Nur zusammen sind wir wichtig», so die Zusammenfassung von Longchamp.

Genau aus diesem Grund bestrebt das Museum nun auch die Aufnahme des «Röstigrabens» als immaterielles Kulturerbe der Unesco.

Sonderausstellung «Röstigräben – Was die Schweiz zusammenhält» im Vindonissa Museum Brugg, Dienstag bis Freitag sowie Sonntag von 13 bis 17 Uhr.