Villnachern

Der Rettungsschwimmer im Surfski: «Ich brauche ein Ziel vor Augen»

Der 32-jährige Manuel Zöllig trainiert mit dem Surfski auf der Aare in Villnachern. Sein Hobby hilft ihm abzuschalten. (Villnachern, 19.August 2019)

Der 32-jährige Manuel Zöllig trainiert mit dem Surfski auf der Aare in Villnachern. Sein Hobby hilft ihm abzuschalten. (Villnachern, 19.August 2019)

Der ehemalige Villnacherer Rettungsschwimmer Manuel Zöllig trainiert regelmässig in seinem Surfski. Am Stadtfest ist er OK-Präsident der «Baywatch Bar».

Auf der Aareinsel ist es ruhig. Der Himmel zeigt sich wolkenverhangen und grau, während Manuel Zöllig seinen Surfski vom Autodach lädt. Rund zweimal die Woche trainiert der Villnacherer auf der Aare in der Nähe des Axpo-Kraftwerks, zurzeit auch etwas öfter. Er wohnt nur etwa zehn Minuten von der Einstiegsstelle entfernt und hat so die Möglichkeit, innert kurzer Zeit auf dem Wasser zu sein.

Dies sei allerdings nicht der Grund gewesen, weshalb er seinen Wohnort gewählt habe. Vielmehr sei es eine gute, praktische Gelegenheit gewesen, als er eine Wohnung auf dem Land gesucht habe. Zufall, dass er hier gelandet sei, sagt der 32-Jährige.

Manuel Zöllig macht einen bodenständigen Eindruck, scheint pragmatisch und gradlinig. Einer, der weiss, wie man anpackt. Als er den Surfski unter dem Arm zum Fluss trägt, wirkt das Boot ganz handlich. Faktisch ist es 18 Kilogramm schwer und 5 Meter 20 lang. Nächstes Jahr will sich Zöllig ein neues Modell kaufen, einen Long-Distance-Surfski, der länger, schneller und leichter ist.

Die Sportart fordert gutes Gleichgewicht

Den Surfski lernte Zöllig beim Rettungsschwimmen kennen, da es sich um eine Teildisziplin bei den Wettkämpfen handelt. Im Gegensatz zum Kajak sitzt der Sportler nicht im Boot, sondern obenauf. Die Sportart sei aber vor allem am Anfang etwas schwierig zu lernen, da das Boot wacklig auf dem Wasser liege. Das Gleichgewicht kommt mit der Übung. Dass man den Surfski immer wieder neu besteigt, gehört einfach dazu.

Genau das ist auch die Besonderheit: Da das Sportgerät ursprünglich im Meer eingesetzt wurde, ist Flexibilität unabdingbar. Bei einer hohen Welle müssen die Füsse schnell gelöst werden, sodass der Sportler unter das Boot gleiten und sich mit dem Surfski vor dem Wasser schützen kann.

Der ehemalige Rettungsschwimmer Manuel Zöllig aus Villnachern auf seinem Surfski

Und so sieht das aus: Der ehemalige Manuel Zöllig in seinem Surfski.

Zöllig findet es aber auch in der Schweiz sehr spannend, mit dem Surfski unterwegs zu sein. Durch die Aareschlucht zum Beispiel. Oder auf seiner Trainingsstrecke zwischen Holderbank/Veltheim und Villnachern. Hier zu trainieren sei mega schön, sagt er. Und zusätzlich hält ihn die Sportart fit. Denn die Muskeln der Arme, Schultern und Beine werden aktiv genutzt, weshalb auch in Australien viele Rettungsschwimmer damit trainieren.

Nach dem Rücktritt vom Leistungssport gehts weiter

Zöllig wirkt ruhig und besonnen, nur seine Hände sind ständig in Bewegung. Während des Gesprächs dreht er ein Ästchen in den Fingern und zieht langsam die Rinde in Streifen ab. Es entsteht ein kleiner Holzwedel.

Der Aargauer betreibt die Sportart seit etwa zehn Jahren. Er mag es, allein auf dem Wasser und dabei mitten in der Natur zu sein, den Kopf abzuschalten. Gleichzeitig schätzt er, dass er durch Surfski mit dem Rettungsschwimmen in Verbindung bleibt. Denn nach der Weltmeisterschaft letztes Jahr in Australien hat Zöllig dem Leistungssport den Rücken gekehrt. Einer seiner grössten Erfolge ist der Weltrekord in der Disziplin Linethrow, den er seit 2010 gemeinsam mit seinem Teampartner Pascal Stöckli hält.

«Nun ist es Zeit, dass die Jungen übernehmen», sagt der dreifache Weltmeister. Nach 15 Jahren sei es für ihn genug gewesen. Aber der Wettkämpfer in ihm geht dadurch nicht verloren. Noch immer misst er sich gern mit seinen Kollegen. Daher hat er sich ein neues Ziel gesetzt: Nächstes Jahr möchte er mit dem Surfski am Marathon Paddle im Vierwaldstättersee teilnehmen.

Der Villnacherer braucht Herausforderung. Auch beruflich suchte der gelernte Elektromonteur nach einer Veränderung. Heute ist er Mitarbeiter der Eidgenössische Zollverwaltung, die Abwechslung dort gefällt ihm. Zudem kann er längere Pausen, die durch die Schichtarbeit entstehen, gut fürs Training nutzen.

Zöllig wird es nicht langweilig. Zusammen mit Daniel Fleuti organisierte er die «Tuesday Night Surfski Race Series 2019». Die Abendrennen fanden in verschiedenen Schweizer Gewässern statt, sodass alle einmal von der Nähe profitieren konnten. 50 Athletinnen und Athleten aus der ganzen Schweiz haben daran teilgenommen.

Auch beim Wettkampf in Villnachern war das Interesse der Bevölkerung gross. Surfski ist eine Trendsportart, sie bietet sich zum Beispiel für Kanufahrende an, die etwas anderes probieren möchten. Die Sportgeräte können an verschiedenen Orten wie am Thuner-, Greifen- oder Greyerzersee gemietet und ausprobiert werden. Zöllig empfiehlt auf jeden Fall das Tragen von Schwimmwesten.

Vielseitiges Engagement: zum Beispiel am Stadtfest

Der Sportler ist aktuell OK-Präsident der «Baywatch Bar», die die SLRG Sektion Baden-Brugg am Stadtfest betreibt. Zöllig vergleicht die Organisation mit einem Wettkampf: «Auch dort arbeitest du eineinhalb Jahre darauf hin und freust dich, wenn der Anlass endlich stattfindet.»

Die Bar überrascht mit einem ungewöhnlichen Konzept: Es gibt Raclette am Strand. «Wir wollten zwei Dinge zusammenbringen, die die Leute mögen. Raclette essen viele gern und auch den Strand lieben viele. So entstand die Idee.» Zudem staunten die Festbesucherinnen und -besucher am Wochenende nicht schlecht, als sie mitten in der Stadt Brugg 15 Tonnen Sand entdeckten. «Es ist ein riesiger Sandkasten», meint Zöllig schmunzelnd. Abgetragen wird er nach dem Fest von einem leistungsstarken Sauger. Gegen den vorübergehenden Strand in Brugg hatte die Stadt nichts einzuwenden.

Für die Vorbereitungen rund um das Stadtfest hat sich Zöllig freigenommen. Nach dem Gespräch an der Aare verabschiedet er sich, um zurück nach Brugg zu fahren: Die Getränke für die Bar werden geliefert.

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