Unterwindisch
Der Renovations-Künstler: Er spürt den Geist der Häuser

Lange schlummerte der Handwerker in Robert Kühnis, heute ist er bekannt für seine Renovationsarbeiten an alten Häusern. Sein neustes Werk: Das Brogli-Haus

Janine Müller
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Mit viel Gespür renoviert Robert Kühnis alte Häuser und holt deren Schönheit wieder hervor. Hier sitzt er auf einer alten Treppe, die Frau Brogli früher benutzt hat.
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Der Schriftzug «Schifflände» sticht wieder hervor.
Alte Holzbalken geben dem Haus seinen Charme.
Die unterste Wohnung wurde hell und freundlich.
Mit viel Gespür renoviert Robert Kühnis alte Häuser und holt deren Schönheit wieder hervor.

Mit viel Gespür renoviert Robert Kühnis alte Häuser und holt deren Schönheit wieder hervor. Hier sitzt er auf einer alten Treppe, die Frau Brogli früher benutzt hat.

Sandra Ardizzone

Eine Holztreppe, die Stufen noch mit Schutzfolien versehen, führt den Besucher in den obersten Stock des Hauses an der Ländestrasse 9 in Unterwindisch. Als Geländer dienen ein Paddel und ein Stachel – ein subtiler Hinweis auf die Flösser, die früher in der Nähe der «Schifflände» die Reuss rauf und runter fuhren. In der Luft liegt der Geruch von Leim, Lösungsmitteln und Holzöl. Auf dem Dachboden rumort es. Ein Mann rutscht auf den Knien auf dem Parkettboden herum. Er trägt Jeanshosen, einen grauen Pullover, die Mütze ist ins Gesicht geschoben, die Haare stehen wirr vom Kopf ab. Der Mann blickt hoch und die blauen Augen strahlen.

Robert Kühnis (69) mag es, wenn Besuch vorbei kommt, der sich für seine Arbeit interessiert. «Ich verlege gerade den Eichen-Parkettboden», erklärt er. «In Fischgräte-Optik.» Handwerken ist seine Leidenschaft, das Renovieren von alten Häusern auch. Während andere die maroden Häuser abreissen und dem Erdboden gleich machen würden, versucht er, zu erhalten und sanft zu renovieren. Er spürt den Geist von alten Häusern. Dafür wäre er beinahe ausgewandert, nach Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland, wo er gerne Schlösser restauriert hätte. Doch am Ende wurde dann doch nichts daraus.

Den Charme bewahren

Er scheut keinen Aufwand, um die maroden Häuser heutigen Standards anzupassen und trotzdem deren Charme zu bewahren. Dafür ist der Windischer heute bekannt. Er, der früher Rektor der Neuen Kantonsschule Aarau war, im Windischer Einwohner- und Gemeinderat Einsitz nahm und nur zwischendurch die Zeit fand, alte Möbel zu restaurieren.

Doch der Handwerker schlummerte immer in ihm. Bereits als Kind war er häufig in einer Schreinerei in Würenlingen anzutreffen. Später, während seines Studiums, arbeitete er immer auf dem Bau, als Maurer, als Plattenleger. Im Alter von 57 Jahren entschied er sich, seinen Job an den Nagel zu hängen und stattdessen wieder Werkzeuge in die Hände zu nehmen.

Nach den erfolgreichen Renovationen des Fahrguts, des Mühlehaus-Schopfs und des Häusermann-Hauses nahm sich Robert Kühnis die «Schifflände», auch Brogli-Haus genannt, vor. In seiner kleinen Dokumentation zu den Renovationsarbeiten schreibt Robert Kühnis: «Die umfangreichen Bauaufnahmen haben ergeben, dass das Haus sowohl im äusseren Erscheinungsbild wie in seiner inneren Nutzungsaufteilung viel ‹spiritus locus›, Geist des Ortes, beibehalten hat. Einige ungünstige bauliche Veränderungen können im Rahmen einer Renovation wieder behoben werden. Unter diesen Rahmenbedingungen drängt sich ein Projekt Erhaltung und Renovation des Hauses im bestehenden Kubus auf.»

Die Ziele der Renovationsarbeiten im Brogli-Haus: Das Haus soll vollumfänglich erhalten und seine ursprüngliche Schönheit zurückerhalten, isolationstechnisch wird der Minergie-Standard angestrebt, zeitgemässer Wohnkomfort sowie Mietzinsen, die für mittlere Einkommen erschwinglich sind.

Möglichst keine Pläne

Das ist Robert Kühnis gelungen. Entstanden sind im Brogli-Haus vier Wohnungen. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss, eine 3,5-Zimmer-Wohnung in den Anbauten, eine 3,5-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss sowie eine 3,5-Zimmer-Wohnung im Dachstock. Die mittlere Wohnung ist bereits vermietet, die Familie eingezogen. In den anderen Wohnungen wird noch geschuftet. Ganz nach dem Konzept der «Bauhütte». «Für die Handwerker gibt es so wenige Pläne wie möglich», sagt Robert Kühnis. «Es hat jeder die Gelegenheit, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und Ideen einzubringen.»

Kreativ ist auch Robert Kühnis. So gelingt es ihm immer wieder, Raritäten aus anderen alten Häusern und Villen aus der ganzen Schweiz aufzutreiben und diese gekonnt in sein Renovationsprojekt zu integrieren. Dafür verbringt er viele, viele Stunden auf dem Bau. Wie viele genau, damit rückt er nicht heraus. Jedenfalls hört er tagsüber zum Arbeiten Schlager («die Werkzeuge machen schon genug Krach und Bumm Bumm») und nachts klassische Musik.

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