37 Jahre lang hat Ernst Bopp die Niederschläge in Effingen gemessen. «Umschlossen war das Ganze mit einem metallenen Gefäss. Oben konnte durch einen Trichter das Regenwasser hineinlaufen. Die Kanten des Trichters waren abgeschliffen, damit die Messung präzise wird. Das Wasser lief durch den Trichter in ein bauchiges Metallgefäss, dessen Inhalt nachher in einem gläsernen Messzylinder exakt eruiert werden konnte. Die Gefässöffnung war sehr klein, damit möglichst wenig Wasser verdunsten konnte», so genau beschreibt er seinen Regenmesser.

1978 hatte er Kontakt mit der Meteorologischen Zentralanstalt in Zürich – heute Meteo Schweiz – aufgenommen. «Ich habe gefragt, ob ich für sie eine Messstation in Effingen betreiben könne», sagt der ehemalige Sekundarschullehrer. Aus der offiziellen Messstation in Effingen wurde nichts, aber zu dieser Zeit rüstete die Meteorologische Zentralanstalt ihre Regenmesser um: Die bisherigen mechanischen wurden durch elektronische ersetzt und Bopp wurde angeboten, ob er einen nicht mehr benötigten Regenmesser wolle. So startete er seine Messungen auf privater Basis.

«Wenn es regnet, kann die Menge nicht einfach geschätzt werden, das ist sehr schwierig. Mich hat es aber interessiert, ich wollte wissen, ob es nun 10 oder 30 Millimeter Regen sind», sagt der Pensionär, der von 1978 bis 1990 für die EVP im Grossen Rat des Kantons Aargau sass. Ein Messbecherchen, das viele Leute im Garten stehen haben, ist Bopp zu ungenau. «Mit dem Regenmesser von der Meteorologischen Zentralanstalt konnte ich wissenschaftliche Messungen vornehmen, denn die Meteorologen haben dieses Instrument bis dahin auch benutzt», sagt der ehemalige Lehrer, dem aus seinem Berufsleben vor allem die Kinder fehlen. Darum hilft er heute in Sommerlagern der Sonntagsschule Bözen mit.

37 volle Agenden

Von 1978 bis 2014 schrieb er täglich die Regenmenge in seine extra dafür vorgesehene Agenda. «1978 hatte ich die geschenkte Agenda von meiner Stammbank schon für anderes gebraucht und so holte ich mir kurzerhand in einer anderen Bank nochmals eine», erzählt der bald 80-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln. Bis Mitte der 1980er-Jahre führte er seine Aufzeichnungen säuberlich von Hand. 37 volle Agenden waren das Resultat. Dann aber begann er, einen Computer zu nutzen. «Auch in der Schule habe ich schon damals einen PC eingesetzt», sagt Bopp nicht ohne Stolz.

Heute liegt ihm eine genaue Tabelle vor, mit der er die Regenmenge aus 444 Monaten nachvollziehen kann. So fiel in Effingen im Jahr 1999 mit 128,78 Zentimeter am meisten und 2003 mit 64,53 Zentimeter am wenigsten Regen im gemessenen Zeitraum. Bopp interessiert sich auch für die Veränderungen: «In den letzten Jahren habe ich die Höchstwerte im Juli und August gemessen, aber über die fast 40 Jahre lagen sie eher im Juni», erklärt der ehemalige Lehrer. Neben dem Regen interessiert ihn auch der Schnee. «Ich habe die Schneetage gezählt. Für meine Messungen galt ein Tag als Schneetag, wenn der Boden mehrheitlich bedeckt war. Ein Schneetag muss zuerst definiert werden», erklärt Bopp ganz in wissenschaftlicher Manier. 1989 gab es keinen einzigen Schneetag zu notieren, während er 2005 davon 57 festhielt. «In Effingen wohnten wir an einem Südhang, da schmolz der Schnee schneller als an anderen Stellen, aber für meine Messungen galt dieser Standort», sagt er.

Keine Messstation in Windisch

Beendet hat Bopp seine Messungen, weil er zusammen mit seiner Frau letztes Jahr aus seinem 9-Zimmer-Haus in Effingen aus- und in eine Wohnung in Windisch eingezogen ist, wo es im Jahresdurchschnitt etwa 20 Zentimeter mehr regnet. «Der Umzug war eine reine Vernunftsentscheidung. Das grosse Haus, der grosse Garten, das Schwimmbecken und die 17 Aren Umschwung brachten einfach zu viel Arbeit für meine Frau und mich», sagt Bopp ein wenig wehmütig. Hinzu kommt, dass sein geeichter Messbecher kurz vor dem Umzug kaputt gegangen ist: «Ich könnte einen neuen machen, das wäre kein grosses Problem. Aber hier in Windisch habe ich keinen geeigneten Platz, um den Regenmesser aufzustellen», sagt Bopp. Er hat sich schon bei der Gemeinde informiert, ob es in Windisch eine Messstation gibt, aber laut den Behörden gebe es keine. Und doch lässt ihn der Regen nicht los: «In Effingen konnte ich mit den Jahren abschätzen, ob es viel geregnet hat oder nicht. Wenn es unter meiner kleinen Tanne nass war, wusste ich, dass es mehr als 10 Millimeter waren und wenn der Boden unter der grossen Tanne nass war, mussten es über 20 sein.»

Auch in Windisch sucht er nach solchen Zeichen: «Wenn die Fassade gegenüber ganz nass ist, weiss ich, dass es heftig geregnet hat, aber wenn nur einzelne Flecken feucht sind, hat es nur einen kleinen Schauer gegeben.»