Hottwil
Der Profiregisseur David Imhoof ist begeistert vom Theater Hottwil

David Imhoof studiert mit den Hottwiler Amateurdarstellern das Stück «Der nackte Wahnsinn» ein: «Wir reden von Amateuren, nicht von Laien». Der Regisseur ist der Sohn von Markus Imhoof, welcher die Erfolgdoku «More Than Honey» produziert hat.

Susanne Hörth (Text und Foto)
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Für das Foto lehnt sich Regisseur David Imhoof zurück, nicht aber beim Einstudieren des Hottwiler Theaterstücks.

Für das Foto lehnt sich Regisseur David Imhoof zurück, nicht aber beim Einstudieren des Hottwiler Theaterstücks.

Susanne Hörth

Die Anfrage der Theaterleute Hottwil, ob er bei deren neuen Produktion die Regie übernehmen wolle, löste bei David Imhoof Neugier und Interesse aus. Keineswegs aber Skepsis, ob die Zusammenarbeit mit einem Laientheater funktionieren könnte.

«Wir reden von Amateuren, nicht von Laien», macht der in Siglistorf aufgewachsene Profiregisseur, die Wertschätzung gegenüber kleinen Theatervereinen deutlich. «Das Amateurhafte hat etwas sehr Spannendes. Ich schaue gerne zu. Sehe die Mechanismen; erlebe, wie etwas entsteht.» Eine vorgefasste Meinung gegenüber Vereinen hat er nicht: «Vereine sind die Stütze unserer Gesellschaft.»

Imhoof ist erstaunt, wie viele Theatervereine es alleine im Aargau gibt. Einer davon sind eben die Theaterleute Hottwil. Sie und ihre hochstehenden Bühnenproduktionen geniessen über die Dorf- und Bezirksgrenzen hinweg einen ausgezeichneten Ruf. Dem wollen sie auch mit dem neuen Stück, das am 28. März Premiere feiert, gerecht werden. Die Erwartungen sind gross, sowohl beim Theaterteam, dem Publikum und ganz besonders auch beim Regisseur.

Dass sich das kleine Theater einen Profiregisseur leisten kann, ist etwas Aussergewöhnliches. Manuel Hörth, für das Marketing im Verein zuständig, erklärt, dass die zusätzlichen Gelder in der Vereinskasse nicht zuletzt dem Grosserfolg des Freilichttheaters «s Marei» zu verdanken sind. 2012 hatten die beiden Theatervereine Gansingen und Hottwil zusammengespannt und das Freilichtspektakel in den Steinbruch Röt gebracht.

Von der Hottwiler Stückwahl «Der nackte Wahnsinn» von Michael Frayn ist David Imhoof begeistert. Gemeinsam mit den Darstellern hat er das Stück in eine Mundartfassung gebracht. Begeistert zeigt sich der Regisseur auch vom Bühnenbild. Hier haben die Bühnenbauer David Vögele, Frank Leber und Simon Deppeler eine Meisterleistung vollbracht.

Jeder Zentimeter der kleinen Turnhallenbühne wurde für den zweistöckigen Bau beansprucht. «Für die Einstudierung des Stückes war es wichtig, dass das Bühnenbild bereitsteht», so David Imhoof. Er weiss, dass er den Darstellern sehr viel abverlangt, das sehr schnelle Stück mit den langen Dialogen äusserst anspruchsvoll ist.

Der Aufwand wird noch grösser

Er betont immer wieder die grosse Professionalität aller am Stück Beteiligten, spürt, dass alle das hohe Niveau der bisherigen Inszenierungen halten und pflegen wollen. Entsprechend gross ist die Motivation und das Engagement aller.

Seit November wird geprobt, gebaut, Requisiten beschafft und vieles mehr. Dafür müssen mindestens zwei freie Abende pro Wochen investiert werden. Es liegen auch bereits mehrere Probeweekends hinter dem Theaterteam. Regisseur Imhoof weist darauf hin, dass der Zeitaufwand, je näher die Premiere kommt, noch grösser wird. Auch für ihn.

Fragt man David Imhoof, was ihn bisher bei seinem Engagement mit den Hottwiler Theaterleuten am meisten geärgert hat, so muss er nicht lange überlegen: «Nichts. Die hohe Qualität hier ist immer wieder spürbar.» Dann fügt er aber doch noch ein Kritikpunkt an: «Der lange Weg.

Zum ersten Mal wünsche ich mir, ein Auto zu besitzen.» Von Zürich fährt er nach Brugg mit der Bahn, dann geht es mit dem Postauto über die Hügel ins ländliche Hottwil. Hier angekommen, zählt aber nur noch die spannende Theateraufgabe.

Fällt der Name Imhoof, wird auch immer wieder der Zusammenhang zu Markus Imhoof hergestellt. Dessen «More than Honey» gehört seit der Premiere 2012 zu den erfolgreichsten Schweizer Dokumentarfilmen. David Imhoof ist stolz auf seinen Vater. «Ich habe aber nicht das Gefühl, mit ihm verglichen zu werden.»

Er macht seine eigenen Sachen, spielt auf der Bühne, dreht Filme, führt Regie. «Selbstverständlich werde ich da sein», geht er auf die Frage ein, ob er an der Premiere von «Der nackte Wahnsinn» anwesend sein wird. Er weiss schon jetzt, dass er dabei genauso aufgeregt sein wird wie die Darsteller auf der Bühne.