Brugg

Der Posaunist ist auch ein Klangtüftler

Orchesterprobe für das Konzert «Klangwelten» des Orchestervereins Brugg und der Musikwerkstatt Brugg-Windisch

Orchesterprobe für das Konzert «Klangwelten» des Orchestervereins Brugg und der Musikwerkstatt Brugg-Windisch

Der Orchesterverein Brugg und die Musikwerkstatt Brugg-Windisch spannen für ein Konzert zusammen. Dabei wird Rolf Urechs Raumklang I und II uraufgeführt.

«Gehen wir in die Küche, da ist es ruhiger», sagt Rolf Urech. Der Vorschlag ist ungewöhnlich, schliesslich wird an diesem Abend im Rathaussaal kein Menü gekocht, sondern Musik gespielt. Und diese ist für Urech ein Fass ohne Boden. Kommt der Windischer Posaunist und Komponist auf sie zu sprechen, sprudelt es nur so. Endlos könnte Urech über Musik sprechen, doch draussen - vor der Küchentüre - erinnert ihn das Stimmen der Instrumente daran, dass die Probe des Orchestervereins Brugg unter Markus Joho beginnt.

Ist er da nicht dringend gefragt? Urech lächelt: «Nein. Zuerst ist mein Bruder Marc an der Reihe.» Dieser ist Klarinettist, Dirigent des Siggenthaler Jugendorchesters und mit seinem Bruder Rolf Gründer der Musikwerkstatt Brugg-Windisch. Dass sich Musikwerkstatt und Orchesterverein Brugg jetzt begegnen, hat mit dem 15. Geburtstag der Musikwerkstatt zu tun. Gemeinsam tüftelten die beiden Partner das Programm «Klangwelten» aus, für das Rolf Urech Raumklang I + II komponiert hat: «Das ist zeitgenössische Musik, die das Publikum jedoch nicht abschrecken soll», sagt er.

Wie ein Frischekick

Beide Werke unterscheiden sich nicht nur im Musikalischen, sondern auch in der Darstellungs-Weise. Die Reformierte Stadtkirche wird nämlich zur Bühne. In Raumklang I werden sich die zehn Profibläser der Musikwerkstatt in einem Kreis um das Publikum positionieren; in Raumklang II wiederum wird jeder der Musiker in verschiedene Richtungen spielen. «Und das», so Urech, «führt zu unterschiedlichsten Klangfarben.»

Urech hält inne und lauscht. Was von aussen an seine Ohren dringt, stimmt ihn sichtlich vergnügt. Bruder Marc kniet sich derart lustvoll in Webers hochvirtuoses Concertino, dass man spontan ausrufen möchte: «Das ist ein Frischekick».

Zurück in die Küche. Da verweist Urech auf besondere Umstände. Normalerweise weist der überwiegend mit Amateuren besetzte Orchesterverein Streicher auf - jetzt gesellen sich zehn Bläserprofis hinzu, die in der Musikwerkstatt unterrichten. Rolf Urech freut sich, dass sich diese Profis auch einmal als Orchestermusiker und Solisten präsentieren können. Urech selbst wird ein von ihm orchestriertes Werk für Posaune von Vladislav Blazhevich spielen.

Tu-Tu-Tu: Urech zwinkert mit den Augen. «Ja, ja, die Posaune - von manchen nur als Guggenmusik-Utensil gesehen. Leider.» Schon folgt ein flammendes Plädoyer für ein Instrument, das ihn fasziniert: «Dieses Rohr, das man verschieden lang machen kann, hat sich praktisch nie geändert. Unglaublich.» Jetzt öffnet Rolf Urech die Türe, geht hinaus und schält seine Posaune aus dem Etui.

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