Kulturelle Vereinigungen beklagen oft die fehlenden Finanzen oder sie suchen verzweifelt nach Menschen, die sich für die Geschicke der Vereinigung und deren Zukunft einsetzen. Nicht so der EOV, der unter seinem Dach 193 Liebhaberorchester aus der ganzen Schweiz (darunter 40 Jugendorchester) vereinigt. Kernaktivität ist eine reich bestückte Bibliothek mit Orchesterwerken, die den Mitgliedern zur Verfügung steht. Aber auch nationale und internationale Projekte prägen das Verbandsleben.

Im Vorstand sitzen junge und ältere Musikfreunde, die sich mit viel Geschick für das Gedeihen des Verbandes engagieren. So konnte denn die diesjährige Delegiertenversammlung in Kurzzeit und in absoluter Harmonie über die Bühne des Campussaales gehen. Die Delegierten würdigten alle Vorschläge des Vorstands, der EOV steht auf finanziell gesunder Basis und plant äusserst attraktive Aktivitäten. Präsident Johannes Reinhard könnte sich also nur bedanken und durfte bereits zur grossen Jubiläumsfeier vom 22. September 2018 in Aarau einladen.

Die ersten 70 Jahre waren schwierig

 Der Orchesterverein Brugg wurde 1817 gegründet – und lebt nach wie vor, und wie. Das war nicht immer so. EOV-Präsident Johannes Reinhard zitiert in der Jubiläumsschrift aus alten Akten und moniert, die ersten 70 Jahre hätten auch von „Unstimmigkeiten, mangelndem Einsatz und Mitgliederschwund“ gelitten. Tempi passati. Im Orchester, das seit 2003 vom Brugger Markus Joho erfolgreich geleitet wird, machen rund 40 Streicherinnen und Streicher  mit, die auch auf die wertvollen Dienste und Impulse von Konzertmeisterin Sonja Jungblut zählen dürfen.

 Das Jubiläumskonzert im Campussaal in Brugg-Windisch, das dem Thema "Tanz" gewidmet war, war für alle Beteiligten Novität und Herausforderung zugleich. Zum Orchester stiessen die fünf Musiker der Aargauer Band „Sugar and the Josephine’s“. Leadsängerin Marion Weik freute sich über diese Zusammenarbeit, für die Band, die seit zwölf Jahren zusammen spielt, sei das Zusammengehen mit einem klassischen Orchester eine tolle Premiere. Auf dem Programm standen denn Bearbeitungen von Stücken, deren Schöpfer der Band sehr viel bedeuten: Duke Ellington, Hildegard Knef, Marilyn Monroe.

Das Experiment gelang, dem Orchester machte das Ganze sichtlich Spass, den Gästen aus der Welt des Jazz und dem grossen Publikum auch. Mit technischer Präzision, Lust, Verve und rhythmischer Sicherheit ergänzte das Orchester das Programm mit Klezmer, einem Gemeinschaftswerk von Glasunow, Liadow und Sokolov, mit Latin und Tango.