Vor gut einem Jahr gingen die Wogen hoch in der Reformierten Kirchgemeinde Umiken. Pfarrerin Christina Winkler schaffte mit 294 Nein- zu 262 Ja-Stimmen die Wiederwahl nicht mehr. Die zweifache Mutter hatte sich ohne Unterstützung durch die Kirchenpflege für die Wiederwahl zur Verfügung gestellt. Kurz nach der Abwahl wurde Winkler krankgeschrieben. Ab Januar leitete ein Stellvertreter die Kirchgemeinde.

Am 1. September hat Wolfgang von Ungern-Sternberg als neuer Pfarrer seine Tätigkeit in der Kirchgemeinde Umiken aufgenommen, zu der auch die Dörfer Villnachern und Riniken gehören. Der 44-Jährige ist im August mit seiner Frau und den drei Kindern vom Zürcher Oberland nach Umiken gezogen. Am Sonntag, 8. November findet nach dem Gottesdienst ab zirka 10.30 Uhr in der Kirche Umiken die Versammlung der reformierten Kirchgemeinde Umiken statt.

Unter anderem geht es um die provisorische Wahl von Pfarrer Wolfgang von Ungern-Sternberg und um die Wahl von zwei neuen Kirchgenpflegemitgliedern für den Rest der Amtsperiode 2015–18. Die Kirchenpflege und die Pfarrwahlkommission schlagen Wolfgang von Ungern-Sternberg zur provisorischen Wahl für zwei Jahre vor. Warum provisorisch? Interimspräsident Hans Peter Schlatter sagt dazu: «Auf Anraten der Landeskirche. Sollte es Uneinigkeiten geben, oder der Pfarrer hat sich etwas anderes vorgestellt, muss er nicht bis Ende Amtsperiode ausharren.» Der neue Pfarrer hatte nämlich zuvor noch nie alleine eine Kirchgemeinde geführt, weil er sein Studium erst im Juni 2015 abschloss.

Nun kommt also Artikel 72, Absatz 3, der Kirchenordnung zum Zug. Darin steht: «Zur Erteilung einer definitiven Wählbarkeit ist eine der Ordination folgende zweijährige Tätigkeit als Pfarrer beziehungsweise stellvertretender Pfarrer Voraussetzung.» Andernfalls werde eine provisorische Wählbarkeit für zwei Jahre erteilt.

Wolfgang von Ungern-Sternberg sieht der Wahl – auch wenn sie provisorisch ist – gelassen entgegen: «Wir sind als Familie daran, hier in Umiken Wurzeln zu schlagen.» Er habe sich auf ein längeres Engagement in der Kirchgemeinde Umiken eingestellt. Als Pfarrer hat er viele sympathische Leute kennen gelernt. Auch die Kinder konnten schon einige Kontakte knüpfen.

Wird Wolfgang von Ungern-Sternberg zum Pfarrer gewählt, so soll am Sonntag, 24. Januar der Installationsgottesdienst stattfinden und von der Musikgesellschaft Riniken umrahmt werden.

Kurator käme teuer zu stehen

Thomas Hochuli aus Umiken und René Wüst aus Riniken treten per Ende Jahr aus der Kirchenpflege aus. Gemäss Statuten müssten – ohne Pfarrer – je drei Personenaus Umiken, Villnachern und Riniken in der Behörde vertreten sein. Das ist aber schon lange nicht mehr der Fall: Von Villnachern ist niemand dabei und auch der Posten des Präsidenten ist seit über einem Jahr vakant.

Für die Ersatzwahlen in einer Woche sind noch keine Kandidaten oder Kandidatinnen bekannt. «Im schlimmsten Fall sind wir ab Neujahr nur noch zwei Riniker und drei Umiker», so Interimspräsident Schlatter. Der 66-Jährige wartet schon lange darauf, dass er seinen Posten ebenfalls – im Idealfall an eine jüngere Person – weitergeben kann. «Niemand will heute diese ‹dankbaren› Ämter mehr besetzen», stellt Schlatter fest. In seiner Stimme schwingt Frustration mit. Falls die beiden Vakanzen nicht besetzt werden können und es zu einem weiteren Rücktritt kommt, brauche die reformierte Kirchgemeinde Umiken einen Kurator, so Schlatter weiter. Das sei mit grossen Kosten in der Grössenordnung von rund 65 000 Franken pro Jahr verbunden.