Fasnacht Brugg
Der neue Dani ist eine Wundertüte

Die Brugger Schnitzelbänkler haben erstmals externe Unterstützung erhalten: aus Baden. Mit viel Klamauk erheitern sie das Publikum in der Värslischmitte.

Claudia Meier, Janine Müller
Merken
Drucken
Teilen

Alle haben sie ihr Fett abgekommen: der US-Präsident Donald Trump, die Aargauer Regierungsrätin Franziska Roth, die letztjährigen Brugger Stadtammann-Kandidaten Titus Meier und Barbara Horlacher, aber auch die Postauto AG mit ihrem Finanzskandal. Das beweist, dass die Schnitzelbankgruppen nicht nur das vergangene Jahr satirisch Revue passieren lassen, sondern es auch schaffen, Aktualität einfliessen zu lassen.

Am Donnerstagabend haben der Cabarrettich, der Retro-Futurischt, die Oschterzäpfe und die Wüehlmüüs mit träfen Sprüchen das Publikum in der Värslischmitte im Salzhaus sowie im Keller «s Latärnli» der Rrätz-Clique zum Lachen gebracht. Und weil mit den 3 vo Brugg, den Rollator Grosis und den Galgevögel drei in Brugg bewährte Schnitzelbankgruppen nicht auftraten, sahen sich die Organisatoren gezwungen, mit Ultimo Giro eine Badener Schnitzelbankgruppe einzufliegen.

Ein Fakt, der von den teilnehmenden Schnitzelbänklern sogleich in den einen oder anderen Vers verwandelt wurde. Und auch sonst sparten sie nicht mit bitterbösen Sprüchen und nachdenklich-lustigen Värsli. Die AZ präsentiert Ihnen nachfolgend einen Auszug der besten Schnitzelbänke.

Sorgte mit ihrem musikalisch imposanten Auftritt für ausgelassene Stimmung im Brugger Salzhaus Die Guggenmusik Opus C Voll aus Riniken, die ihr 35-Jahr-Jubiläum feiert.
13 Bilder
Guggenmusik Opus C Voll
Greift in seinen Värsli gerne regionale Geschichten auf: De Retro-Futurischt.
Bringen einen Hauch von Basler Fasnacht ins Salzhaus in Brugg Die Rrätz-Clique.
Weil die Brugger zu wenig eigene Gruppen hatten, wurde Ultimo Giro aus Baden eingeflogen.
Weil die Brugger zu wenig eigene Gruppen hatten, wurde Ultimo Giro aus Baden eingeflogen.
Rrätz Clique mit Waggis-Larve.
Ein Trommler der Rrätz Clique mit Waggis-Larve.
Schnitzelbankgruppen treten an der Brugger Fasnacht auch im Latärnli der Rrätz-Cliqie auf, das stimmungsvoll dekoriert ist.
Laternendekoration im Latärnli
D’Wüehlmüüs zum WEF «Dä vieli Schnee, das isch famos. Aber leider kei Lawine in Davos.»
Der Oschterzapfe singt auch über den umstrittenen Fussgängerstreifen beim Campus.
Der Cabarettich spricht zur Trauergemeinde.

Sorgte mit ihrem musikalisch imposanten Auftritt für ausgelassene Stimmung im Brugger Salzhaus Die Guggenmusik Opus C Voll aus Riniken, die ihr 35-Jahr-Jubiläum feiert.

Janine Müller

Cabarettich

Mit einer Handorgel und zum Teil singend war der Cabarettich unterwegs. Als Redner vor einer Trauergemeinde thematisierte er unter anderem die Post-Filialen-Schliessungen, «No Billag», die Krankenkassenpflicht an der Himmelspforte und den Umzug von Regierungsrätin Franziska Roth von Brugg nach Rothrist, der «für die Katze» war. Zum 2019 anstehenden Grossanlass meinte der Cabarettich: «Ich hoffe, das Stadtfest wird fröhlicher als das Motto ‹verfärbt›.»

De Retro-Futurischt

In den letzten Monaten sorgte vor allem eine Stadtpartei mehrmals für Schlagzeilen:
D’FDP Brugg isch würkli z’bedure:
Zersch muess de Titus bös undedure.
Denn het er als Stadtrot ned afo welle –
Und bim ER-Vize händs nümm chönne zelle . . .

So fasste der Schnitzelbänkler die regierungsrätliche Zügelaktion zusammen:
Eis Johr g’regiert – sie het’s nonig erlickt,
het en Huufe Lüt i d’Wüeschti gschickt.
Vo Brugg goht sie wägg, isch jetz z’Rothrist:
Das passt doch guet – Roth ehnder trischt .

Ausserdem gab Reto Wettsteins Ressortwechsel vom Sozialen zum Bau sowie seine Rolle als Präsident des Gemeindeverbands Soziale Dienstleistungen Region Brugg, zu dem der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst gehört, zu reden:
Windisch het Müeh mit em K-E-S-D:
D’Regierig wott drus, s’Parlamänt seit «nee!».
Au z’Brugg hindertloot das Gerangel Spuure:
De Reto seit «Tschüss, ich go go muure . . .!»

Ob Hausen, Windisch oder Brugg: Jede Gemeinde hat ihre Problemchen und eigene Lösungsansätze mit alten Liegenschaften:
Bim Dahlihuus weiss Huuse ned witer,
z’Windisch gohts em Bossarthuus schitter.
Brugg löst s’Problem bim Kupperhuus
mit «Trachsel Railway», die chöme druus . . .

D Wüehlmüüs

Diese Schnitzelbankgruppe trat mit kleinen Helgen auf und fand sogar eine Parallele zwischen Grossbritannien und Brugg:
Mir finde das jo nid so guet,
dass dr Prinz Harry en Amerikaneri hürote tuet.
Drum finde s mir vo Brugg au schad,
dass die nid Windisch wähle, sondern Schinznach-Bad.

Eine weitere brisante Parallele entdeckten diese Wüehlmüüs zwischen der Bezirkshauptstadt und Postauto:
Neuerdings schwer in dr Krise
isch s Poschtauto, der gelbe Riese.
Die tüen das Gäld jo nid versuffe,
sie lege s eifach uf e Huffe.
Mir Wüehlmüüs wänd kei Missgunst schüüre,
aber Brugg macht das au mit de Stüüre.

Nach der verlorenen Stadtammann-Wahl hielt die Gruppe ein paar Tipps für Politiker Titus Meier bereit:
E junge Maa lauft s Städtli y.
Är luegt e chli verstrublet dri.
E Frau blybt stoh, seit: Gott uf Ärde,
hesch du welle Amme wärde?
Du muesch jetz jo nid z vill studiere,
in 20 Johr chasch nomol probiere.

Nicht immer tröstend, aber dennoch einen Versuch wert ist es, wenn man ab und zu ein paar Jahre zurückblickt und einen Vergleich mit dem Nachbarland wagt:
In Dütschland isch es e bitzli schwierig,
die händ immer no kei neui Regierig.
Mir sind z Brugg viel schlächter dra,
mir händ scho sit Johre kei Regierig gha.
Die neue Frau Stadtammann Barbara Horlacher überraschte die Wähler nicht nur mit ihrem Slogan, sondern lieferte die Grundlage für das Fasnachtssujet «Wundertüte»:
Mir sind wäge däm Plakat echli konsterniert.
Der neue Dani hett uns ziemlech irritiert.
Bis denn sind mer nämlig dr Meinig gsi,
das müess e Wärbig vom Fielmann si.

Mer händ scho gmeint eusi Värs sind parat,
do chunnt dr Jürg au no mit eme Brülle-Plakat.

Mir hätte besser läse selle.
«Dr neui Dani» – die händ doch klone welle!
Mir händ halleluja gsunge,
denn das isch Gott sei Dank nit glunge.

Die Motto in dr Stadt Brugg gänd z dänke.
E «Wundertüte» chasch ame Schuelchind schänke.
Mit «Steampunk» hadere mir alli au,
denn was das isch, weiss eh kei Sau.
Nur «verfärbt» isch für mich e klari Sach,
so seht s bi uns us, wenn ich d Wösch mach.

D Oschterzäpfe

Genau genommen waren es keine Zäpfen mehr, sondern ein einzelner Zapfen, der dem Publikum die Welt überraschend umfassend erklärte:
Bis im Johr 2030 will Dütschland – läck wie gschiid,
De Choleusstig fertig ha – es wird au langsam Ziit.
Air Berlin und Boris Becker werded konsultiert,
well die händ ihre Choleusstieg scho realisiert.

Von Deutschland schaffte er den Sprung zurück auf die Veränderungen vor der Haustüre respektive im Brugger Stadtzentrum:
Min Nochber het scho meh als 20zig Johr die gliichi Jagge,
im Usverchauf, Anno 94, chönne sech ergattre,
er brucht en Noii & fluechet luut – de Grund esch för die Gschicht,
ovs, oh verdammte Seich – de Vögele het dicht.
Er wott no schnell in Swisscom-Shop, doch glingt ehm das au ned,
well de Swisscom-Shop, au dee esch nömme deet,
Denn wott er wäg de Jagge noh in Walser Sport, de Tscholi,
& suecht denn us Verzwiflig . . . am Schluss no de Jelmoli.

Am 4. März findet die letzte Abstimmung zur Fusion zwischen Brugg und Schinznach-Bad statt. Interessant ist da die Position des ehemaligen SP-Grossrats Valentin Trentin:
Im Gmeindrat Schinznach-Bad do hockt en Brugger – jede kennt ihn,
& de wott fusioniere dasch plötzlech s’beschte – meint de Trentin.
D’Argumänt sind 180 Grad andersch gsii – de esch doch chindisch,
won er do z’Brugg het opponiert gäg d’Fusion mit Windisch.

Anfang März wählen die Brugger auch noch das fünfte Stadtratsmitglied. Die Kandidatur von Jürg Baur war ebenfalls ein Thema:
Er hockt i jedem OK, tuet uf allne Bühne tanze,
er goht a jede Apero, het trotzdem no ken Ranze,
tuet schinbar nömme schnitzelbänkle, doch im Stadtrat macht er Sinn,
vom Feeling her an ich so s’Gfühl, de Jörg hockt scho lang deet drinn.

Auch darüber stimmen wir demnächst ab:
Es schlot de Constantin de Fringer fascht k.o.,
das hämmer alli gseh – das esch im Fernseh choo,
stell der mol vor, du muesch uf das verzichte,
ganz ohni Billag wörd denn niemert dröber prichte.

Die magere Beteiligung an den Schnitzelbänken beschäftigten den Oschterzapfen:
Wenn’s do so wiiter goht & Schnitzelbanke fehle,
tuet sech bald niemert meh do uf’die Bühni quäle,
ehr müend jetzt neui Lüt uf d’Salzhus-Bühni bringe,
sosch mues ich 5x cho ond 5x s’gliche singe.