Seit rund 140 Jahren fahren Züge durch den SBB-Bözbergtunnel – auch solche, die Camions durch die Alpen transportieren. Weil diese immer grösser werden und heute zum Teil eine Eckhöhe von vier Metern aufweisen, muss ein neuer Tunnel gebaut werden. Die Detailpläne liegen noch bis zum 18. August in Bözberg, Effingen, Holderbank, Möriken-Wildegg, Schinznach, Schinznach-Bad und Zeihen auf. Der neue Bözbergtunnel ist das grösste Teilprojekt des 4-Meter-Korridors, mit dem der Bundesrat die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene fördern will.

Für den neuen Tunnel, der rund 2,7 Kilometer lang ist und 2020 eröffnet werden soll, sind 350 Millionen Franken veranschlagt. Der heutige, zweispurige und nicht 4-Meter-taugliche Bözbergtunnel wird künftig als Dienst- und Rettungsstollen genutzt. Verschiedene Notausgänge führen über fünf Querverbindungen vom neuen zum alten Tunnel.

Inbetriebnahme in sechs Jahren

Das nördliche Portal des neuen Bözbergtunnels liegt bei Effingen – das südliche bei Schinznach-Dorf. An beiden Orten wird ein Installationsplatz erstellt. Der Hauptvortrieb des neuen Tunnels erfolgt mit einer Tunnelbohrmaschine ab dem Portal Schinznach-Dorf. Geplanter Baustart ist Januar 2016 für den Voreinschnitt am Südportal, die Inbetriebnahme ist 2020 vorgesehen. Der Umbau des alten Bözbergtunnels zum Dienst- und Rettungsstollen erfolgt bis 2021.

Doch warum wird ein neuer Tunnel gebaut, statt den bestehenden zu erweitern oder die Gleise darin tiefer zu legen? Projektleiter Thomas Zieger erklärt: «Auf dieser viel befahrenen Strecke muss immer mindestens ein Gleis offengehalten werden. Deshalb würde eine Erweiterung des bestehenden Tunnels deutlich länger dauern als ein Neubau, und die Kosten wären nicht tiefer», sagt Zieger.

Weil der neue Tunnel neben dem alten verläuft, sind von den Gesteinsschichten her keine Überraschungen zu erwarten. «Eine spezielle Herausforderung ist der sogenannte Gipskeuper, das ist eine Gesteinsformation, die bei Wasserkontakt aufquillt», führt der Projektleiter aus. Zudem gibt es beim Tunnelportal in Schinznach eine rund 410 Meter lange Thermenschutzzone. «In diesem Bereich werden die Tunnelwände hinter der Bohrmaschine möglichst rasch abgedichtet und verkleidet», sagt Zieger. Insgesamt entstehen beim Neubau des Bözbergtunnels, wo zu Spitzenzeiten gegen 200 Arbeiter im Einsatz stehen werden, rund 520 000 Kubikmeter Ausbruchmaterial.

Steinbruch Oberegg als Deponie

Dieses wird per Förderband zum Tunnelausgang Schinznach und von dort ebenfalls per Förderband zur Kiesgrube der Firma Amsler transportiert. Dort wird das Material auf einem 3 Hektaren grossen Gelände zwischengelagert und sortiert: Rund 200 000 Kubikmeter können im Tunnelbauprojekt oder bei anderen Vorhaben wiederverwendet werden.

300 000 Kubikmeter unverschmutztes Ausbruchmaterial werden abgeführt und im Steinbruch Oberegg in Auenstein deponiert. «Dies geschieht dosiert über einen Zeitraum von fünf Jahren», sagt Zieger, der 2017 mit der grössten Menge Ausbruchmaterial rechnet. Abtransportiert wird das Gestein mit Lastwagen zum Jura-Cement-Werk in Wildegg, von dort geht es per Förderband in den Steinbruch.

«Wir rechnen mit rund 200 Lastwagenfahrten von Montag bis Samstag«, sagt Thomas Zieger. Um die Anwohner in Schinznach so wenig wie möglich zu belasten, ist eine neue Umfahrungsstrasse vorgesehen, an deren Kosten sich die SBB beteiligen. «Auf dieser Strasse wird auch die Materialanlieferung erfolgen», erklärt der Projektleiter.

Gemeinde für Bahntransport

Schon im Vorfeld der Planauflage, die noch bis 18. August dauert, wurden die betroffenen Gemeinden, Anwohner und Grundeigentümer informiert. «Am Bahnhof Schinznach haben wir ausserdem einen Infocontainer aufgestellt, wo sich Interessierte die Projektunterlagen anschauen können», sagt Zieger. Urs Leuthard, Gemeindeammann von Schinznach, begrüsst das Projekt für den neuen Bözbergtunnel grundsätzlich. «Wir hätten uns aber gewünscht, dass die SBB das Ausbruchmaterial per Bahn abtransportieren», hält Leuthard fest.

Mit dem aktuellen Vorschlag für den Abtransport des Materials per Lastwagen, der auch mit den SBB-Verantwortlichen besprochen wurde, könne die Gemeinde leben. Dennoch will Schinznach die Projektunterlagen genau prüfen. «Wir verlangen, dass die Bauarbeiten so stattfinden, dass sie für unsere Gemeinde erträglich sind», hält Urs Leuthard fest.