«Noch 10 Zentimeter Neuschnee, dann wäre die Loipe wieder super», sagt ein Gast beim Verlassen des Gasthofs Bären auf der Bözberg-Passhöhe. Draussen weht eine zügige Bise. Die Schneedecke ist in den letzten Tagen markant dünner geworden. Erich Steffen sitzt bei einer Tasse Kaffee am Tisch und nickt.

Der 60-Jährige betreut seit rund 14 Jahren die Langlauf-Loipen auf dem Bözberg ehrenamtlich. Die Loipe startet hinter dem Gasthof Bären und führt über Felder und durch Wälder zur Sennhütte und wieder zurück auf den Bözberg. Gesamtlänge 12 Kilometer. «Ich bin ein leidenschaftlicher Langläufer und das seit 25 Jahren», sagt der Mönthaler, der dieses Jahr zum 18. Mal am Engadiner Skimarathon teilnehmen wird.

Bären-Wirtin bezahlt Benzin

Steffen hat diese Aufgabe von seinem Vorgänger übernommen. Angefangen hat alles mit dem Wunsch, selber Schneetöff zu fahren. Das gefiel dem gelernten Werkzeugmacher. Diesen Winter hat er mit seinem fahrbaren Untersatz bereits sechsmal die Loipen zur Sennhütte gespurt. «Ich hoffe schon, dass ich die Loipen für die Langläufer bald nochmals neu ziehen kann», so Steffen. Bei guten Bedingungen zieht er eine weitere Spur bis zu den ersten Häusern des Ortsteils Oberbözberg.

Der Schneetöff mit dem 2-Takt-Motor hat schon 22 Jahre auf dem Buckel. Der Benzinverbrauch ist mit 50 Liter auf 127 Kilometer hoch. Steffen ist dankbar, dass Bären-Wirtin Maria Wirz die Kosten für den Treibstoff und das Einspritzöl übernimmt. In den letzten Jahren wurden die Raupen des Schneetöffs ziemlich in Mitleidenschaft gezogen und sollten dringend ersetzt werden. Da sich nirgends mehr Ersatzteile für dieses Modell finden lassen, prüft Steffen die Anschaffung eines Occasion-Schneetöffs und hofft auf Unterstützung. Er räumt zudem ein: «Mit dem Einsatz eines 4-Takt-Motors könnte ich den Benzinverbrauch reduzieren.»

Wenn der Mönthaler die Loipe zieht, begegnet er manchmal den Langläufern, hält an und plaudert mit ihnen. «Das sind immer positive Erlebnisse», sagt Steffen. Viele kommen aus der Region Baden, aber auch aus Möriken-Wildegg, Remigen oder sogar aus dem süddeutschen Raum. Bei der Sennhütte hat es ein «Loipen-Kässeli», das gemäss Steffen auch benutzt wird.

Tierfotograf aus Leidenschaft

Der Loipen-Verantwortliche ist ein Naturliebhaber und immer unterwegs. Sei es beim Spazieren mit seinen beiden Golden-Retriever-Hunden, beim Holzen, auf dem Mountainbike oder auf seiner privaten 1,5 Kilometer langen Langlauf-Loipe hinter seinem Haus in Mönthal. Manchmal wird er von seiner Frau begleitet. Praktisch immer dabei ist seine Fotokamera.

Vor sieben Jahren hat Steffen seine Leidenschaft für die Tierfotografie entdeckt. Unzählige Stunden hat er seither damit verbracht, Gämse, Rehe, Füchse und andere Tiere vor die Linse zu kriegen. Als Schichtarbeiter kann Steffen auch regelmässig tagsüber in die Natur gehen. Die Gämse am Geissberg und Rotberg haben es ihm besonders angetan. «Ich kann sie stundenlang beim Klettern und Spielen beobachten. Neugeborene Gämse können von der ersten Stunde an herumspringen. Das ist faszinierend.»

Seit letztem Jahr fotografiert Steffen Rehkitze. Zum Aufspüren der Tiere hat er sich ein Gerät angeschafft, das über Infrarot-Sensoren die jungen Tiere in der Wiese orten kann. In Zusammenarbeit mit den Landwirten will der Mönthaler die Rehkitze auch vor dem qualvollen Tod durch die Mähmaschinen schützen. «Leider kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Rehkitze tun mir Leid», sagt Steffen, der übrigens auch ab und zu als Treiber auf die Jagd geht. Er freut sich aber leise für jedes Reh, das der Flinte des Jägers entwischen kann.

Sein absoluter Lieblingsort ist beim Aussichtsturm auf dem Geissberg. Die Aussicht in die Alpen gefällt ihm besonders. Seine Ferien verbringt der Mönthaler regelmässig in den Bergen und – wen wunderts – fotografiert im Wallis oder im Berner Oberland Murmeltiere, auf dem Niederhorn Steinböcke und im Engadin Eichhörnchen. «Ich bin nicht nur wegen der Tiere in der Natur», sagt Steffen. «Ich tanke da auch Energie.»

Weitere Infos: www.boezbergloipen.ch