Brugg
Der Natur helfen, sich selbst zu helfen

Die Landschaftskommission pflegt seit 2004 die Natur an speziellen Orten in der Region. Nun hat sie zum zweiten Mal zu einem Rundgang durch ausgewählte Orte eingeladen, an deren Beispiel anschaulich zu sehen ist, wie sie ihre Aufgabe wahrnimmt.

Marc Reinhard
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Auf diesem Abschnitt ist der Werdgraben momentan trocken

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Ihre erste Sitzung hielt die Landschaftskommission 2004 ab, ein eigentliches Pflichtenheft gibt es seit 2006. Ihre Aufgabe definiert die Bau- und Nutzungsordnung: «Der Stadtrat setzt zu seiner Unterstützung für die Betreuung der Naturschutzzonen und Schutzobjekte eine Kommission ein». Hier steht auch, um welche massgeblichen Orte es geht.

Zum zweiten Mal seither hat nun die fünfköpfige Kommission zu einem Rundgang durch ausgewählte Orte eingeladen, an deren Beispiel anschaulich zu sehen ist, wie sie ihre Aufgabe wahrnimmt. «Primär geht es um die Pflege und den Unterhalt der Schutzobjekte, die konkrete Arbeit in der Natur», eröffnete Christoph Brun den Anlass vor Pressevertretern, Gästen und Funktionären aus Naturschutzkreisen. Brun hat als Vertreter des Stadtrats Einsitz in der Kommission. «Wichtig ist uns aber auch die Öffentlichkeitsarbeit und der Kontakt zur Bevölkerung». Die Arbeit und der Erfolg dieses Gremiums sei erfreulich, ergänzte Brun und wandt insbesondere den zahlreichen Akteuren wie dem Natur- und Vogelschutzverein oder den beteiligten Behördenstellen ein Kränzchen.

Totholz und Asthaufen nützen

Eine der «Pflegeorte» ist der lichte Wald unterhalb des Stäbliplatzes am Bruggerberg. Um Lebensraum für Reptilien und Amphibien zu schaffen, wurde hier der Baumbestand zusätzlich ausgelichtet und die darunterliegende Strauchschicht reduziert. Ruedi Harisberger weiss als Förster, warum: «Diese Tiere mögen es, sich zu verkriechen. Deshalb haben wir Äste zu Haufen aufgeschichtet und einzelne Stämme als Totholz liegen gelassen.»

Tatsächlich: Unter einem solchen Asthaufen fand Martin Brügger, Naturschützer und Mitglied der Landschaftskommission, prompt eine junge Natter: Ein «lebender Beweis» für die Wirksamkeit der Landschaftspflege.

Auch seltene Vögel profitieren

Ein weiteres Beispiel ist der Werdgraben in Umiken, der mit dem Gemeindezusammenschluss zu Brugg auf die Inventarliste der Landschaftskommission gekommen ist. Gleichzeitig ist die Kommission um Michel Kindler erweitert worden, der sich in der Natur des neuen Brugger Ortsteils Umiken bestens auskennt. «Der Werdgraben ist eigentlich die Fortsetzung des ‹Giessens›, ein kleiner schilfbestandener Bach, der je nach Witterung mehr oder weniger Wasser führt und abschnittsweise auch ganz austrocknet.» Darin leben nebst Molchen, Fröschen und Wasserinsekten auch selten gewordene Vögel wie Techrohrsänger oder Neuntöter. Der Bachlauf wird freigehalten, der angrenzende Waldrand teils ausgelichtet und das Schilf regelmässig geschnitten.

«An solchen Orten können wir der Natur helfen, sich selbst zu helfen» sagte Martin Brügger am Pionierstandort Altenburg und schloss die Führung mit einem Blick auf die Tümpel, die das Bauamt alleine mit Bodenverdichtenden Maschinen geschaffen hat. Die Teiche sind schon reich bewohnt. Man hofft aber, dass zusätzlich seltene «Gäste» wie die Kreuzkröte wieder Einzug halten. Auch der Natur- und Vogelschutzverein ist hier regelmässig aktiv.

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