Windisch
Der Mund ersetzte die fehlenden Instrumente

Am ersten Abend von «TischMusiKurve» brachten Lui Rosa und seine Freunde die Füsse zum Wippen.

Erina Allmendinger
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Fünf Männer, eine Gitarre, einen Bass, verschiedene Trommeln, einige Kleininstrumente und eine Menge Musikgefühl - mehr braucht es anscheinend nicht, um Livemusik vom Feinsten zu produzieren. Von aussen strahlte das Restaurant Kurve eine ruhige, herbstliche Stimmung aus. Doch schon beim kleinsten Öffnen der Tür war klar, dass im Innern andere Winde wehen. Südliche Rhythmen brachten Schultern zum Wackeln, Köpfe zum Nicken und Füsse zum Wippen. «Ich habe so etwas schon mal gemacht und es kam gut an», erzählt Lui Rosa, italienischer Musiker und Veranstalter.

Am Ende schmerzen die Finger

«Ich wollte mal etwas anderes machen als gewöhnliche Konzerte», sagt er. Gewöhnlich ist die Veranstaltung sicher nicht. Ganz spontan entstehen hier die Lieder: «Du machst ein bisschen das, du ein bisschen das.» Es sieht ganz einfach aus. Fehlende Instrumente, wie zum Beispiel eine Trompete, werden einfach mit dem Mund nachgemacht. So entsteht das eine oder andere passable Solo.

Obwohl alle Instrumente akkustisch waren, war die Musik unüberhörbar. «Ich bin heute Abend in ein kleines Fettnäpfchen getreten», erzählt Lui Rosa. «Ich habe meine gesamte Minimalanlage mitgebracht. Doch die Angestellten der Kurve hatten sich das etwas anders vorgestellt. So haben wir sie zurück ins Auto gebracht. Jetzt tun uns die Finger ein bisschen weh vom Spielen.»

Selber mitzumachen braucht Mut

Den Gesichtern der Gäste ist anzusehen, dass nicht alle wussten, was sie an diesem Abend erwartete. Und doch erreichte die Musik alle Ohren. «Einigen gefiel die Idee, beim Essen Musik zu hören besser, anderen war es vielleicht ein bisschen zu laut gleich neben unserem Tisch», sagt Lui Rosa. Eine Familie, die sich zuerst neben den Musikertisch gesetzt hatte, entschied, doch lieber in den etwas ruhigeren Teil zu sitzen.

Zur Veranstaltungsreihe

Jeden zweiten Sonntag zwischen 17 und 22 Uhr werden Musiker und Musikliebhaber im Restaurant Kurve zu Tisch gebeten. Das Ziel ist gemeinsames Musizieren, Singen und Lachen. Der Veranstalter Lui Rosa und seine Musikerkollegen stellen die Instrumente zur Verfügung. Man kann aber auch sein eigenes mitbringen. Natürlich kann man die Musik auch beim Essen geniessen, ohne mitzumachen. Das Mitmachen ist gratis und spontan. (ERA)

Insgesamt betrachtet kam die Musik aber sehr gut an. Selber mitzumachen kam jedoch für niemanden in Frage. «Als die Musiker eine Pause machten, fragten mich die Gäste, ob die Musik nun schon vorbei sei. Als ich ihnen vorschlug, sie könnten doch selber etwas Musik machen, bis die Musiker zurück sind, hiess die Antwort: Nein, nein...», erzählt Richi Wohlmuth, Kellner in der Kurve und auch bekannt als «El Presidente».