Erwachsene finden sie interessant, Kinder sind von ihr begeistert – und das nicht nur wegen ihrer goldenen Farbe. Sie hat einen grossen Trichter sowie Ventilklappen und: Sie ist derart voluminös und kurvenreich, dass jede Diät bei ihr versagen würde. Man kann auf sie «fliegen», vielmehr: Man kann sich so sehr in sie verlieben, dass man nur noch eines wünscht: mit ihr zusammen sein – ein Leben lang.

Für den vierjährigen Buben Cornelius Jacobeit aus Lörrach war der Konzertbesuch mit seiner Mutter ein Schlüsselerlebnis. «Da habe ich erstmals eine Tuba gesehen», sagt der heute 27-Jährige, der an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) Tuba studiert.

Form und Klang faszinierten

Was hat ihn bei der Erstbegegnung mit dem tiefsten aller Blechblasinstrumente fasziniert? «Die Form und der Klang.» Weil die Tuba kein Leichtgewicht ist, sondern zehn Kilogramm auf die Waage bringt, war sie für den Vierjährigen noch zu schwer. Also begann Cornelius Jacobeit mit sechs vorerst Tenorhorn zu spielen, bevor er später zur Tuba wechselte und Orchesterluft schnupperte: zum Beispiel im Jugend Sinfonie Orchester Zürich. Mit diesem absolvierte er eine Japan-Tournee, worauf für ihn feststand: «Ich will Tubist werden. Dabei», fügt er lächelnd hinzu, «wollte ich doch Medizin studieren.» Aber ein Tubist passt eben sehr gut zu Eltern, die Musiker sind.

Dass Cornelius Jacobeit in Zürich studiert, hat mit seinem Lehrer, dem Niederländer Anne Jelle Visser, zu tun. «Als ich nach dem Vorkurs mein Studium in Zürich aufnahm, waren wir nur zu viert; mittlerweile sind wir 15 Studierende.» Das sagt vor allem etwas über die exzellenten Qualitäten des Pädagogen aus.

Ein «In»-Instrument ist die Tuba deswegen nicht. Solistisch kann man mit ihr weit weniger glänzen als mit der Violine oder dem Klavier, weshalb Cornelius Jacobeit betont: «Ein Tubist ist in erster Linie ein Orchestermusiker.» Als solcher sitzt er, immer ein bisschen isoliert wirkend, ziemlich weit entfernt vom Dirigenten auf dem Podium. Für Cornelius Jacobeit «ist das toll: Im Orchester sitzt niemand hinter mir». Anders als die Streicher oder Holzbläser muss ein Tubist also nie kräftige Paukenschläge oder Blechbläser-Klänge von hinten erwarten. Nicht nur dieser Umstand macht seine Stellung einzigartig. Im Orchester sitzt in der Regel nur ein Tubist – krank werden liegt da kaum drin. Dementsprechend sind Tubisten-Stellen rar.

Bis zur Pensionierung

Cornelius Jacobeit will nach Abschluss eines «Master Music Performance Orchester» bei Anne Jelle Visser im Studiengang «Master Specialized Performance Solist» sein Studium noch während eines Jahres fortsetzen. Doch er ist bereits auf der Suche nach einer Anstellung. Zeige sich ein Orchester interessiert, absolviere man zunächst ein Probejahr, erzählt er. «Verläuft dieses erfolgreich, bleibt man in der Regel bis zur Pensionierung.» Der junge Musiker lacht: Wer denkt schon mit 27 so weit in die Zukunft? Ein Tubist.

Cornelius Jacobeit ist aber auch fest in der Gegenwart verankert. Will heissen: Er spielt etwa als Zuzüger im Theater Orchester Biel Solothurn (Tobs), im Sinfonieorchester Nota Bene aus Zürich und seit 2009 auch im Siggenthaler Jugendorchester (SJO) unter Marc Urech. Für einmal wird der Tubist nun nicht im, sondern vor diesem Klangkörper sitzen – als Solist in Jörg Dudas Tubakonzert, das in der Schweiz erstmals gespielt wird.

Er braucht einen langen Atem

Die vorsichtige Frage, wie dieses Werk denn klinge, entlockt Jacobeit ein amüsiertes: «Sehr schön. Es ist tänzerisch und auf keinen Fall so atonal wie manche der heutigen Tubakonzerte.» Tänzerisch ist das Stichwort: Genauso und dazu «ganz leicht» müsse die Tuba klingen, betont der Musiker: «Dieses Instrument hat einen Tonumfang von sechs Oktaven, was im Vergleich zu anderen Blechblasinstrumenten viel ist. Will man es spielen, muss man seinen Atem sehr gut einteilen können.»

Einen langen Atem braucht es vor allem für die zeitlich überlangen Wagner-Opern, die für Tubisten eine wahre Freude sind. In «Rheingold» hat Cornelius Jacobeit schon mitgewirkt, «aber der ‹Ring› – das wäre ein Traum.»