«Ausgerechnet im November zählen wir wesentlich mehr Besucher als im Juni», sagt Marianne Barth, die im Dampfschiff für die Sparte Musik zuständig ist.

Um den trüben Monat so richtig schön aufzuhellen, verfielen Marianne Barth sowie Mirjam Roth und Rolf Bueler auf folgende Idee: ein spartenübergreifendes Kulturprojekt, das lediglich im November im Dampfschiff zu sehen ist. Also gründete das Trio – dem ungeliebten Monat entsprechend – den Verein «graue zone», um damit nicht etwa dem kriminellen, sondern dem meteorologischen Grauen Farbe entgegenzusetzen.

Das gabs im Dampfschiff noch nie

Ein Projekt wie das jetzige, das am kommenden Sonntag mit der Vernissage einer Fotoausstellung startet, hat es im Dampfschiff noch nie gegeben.

Anderweitig hat sich die Kulturinstitution – zusammen mit dem Odeon – bei den jährlich stattfindenden «Grenzgängen» allerdings schon spartenübergreifend engagiert. Was zeichnet das neue Projekt aus? «Das reguläre Programm des Dampfschiffs wird im nächsten Monat mit Musik, Foto und Film ergänzt», erläutert Marianne Barth.

Um beim ersten Anlass am 27. Oktober anzufangen. Kathrin Siebenhaar und Jacqueline Weiss präsentieren ihre Fotografien und Aufnahmen mit Camera Obscuras. Die «schwarz-weissen, da selbstverständlich dem tristen November Rechnung tragenden Fotos», so Barth, «werden in einem eigens dafür vorgesehenen Bereich in Szene gesetzt».

Man braucht keine Prophetin zu sein, um in Siebenhaar/Weiss’-Vorhaben Hitpotenzial zu wittern: Bereits am diesjährigen Brugger Stadtfest hatte eine Camera Obscura die Besucherinnen und Besucher im Sturm erobert.

Nicht nur den 27. Oktober, auch den 1. November sowie die nachfolgenden Tage müssen sich Kulturfans merken. Dann heisst es: Film ab für die Videojukebox. Was ist das denn? Marianne Barth zeigt Verständnis für die Verwunderung ihres Gegenübers. «Das ist ganz einfach», sagt sie lachend. «Die Videojukebox funktioniert exakt gleich wie die Musikjukebox. Man wirft eine Münze ein – und schon sieht man einen Film, der einige wenige Minuten dauert.»

Im Dampfschiff müssen für den schwarz-weissen Spass 20 Rappen aufgeworfen werden, um sich die Miniwerke des King of Trash reinzuziehen. Hinter diesem Namen verbirgt sich Andreas Hofmann, Mitinitiant des Kulturbetriebes Royal Baden.

Am Ende gibts farbige Musik

Foto und Film – fehlt nur noch die Musik. Keine Bange, für den 30. November hat sich das «graue-zone»-Team etwas Spezielles ausgedacht: ein Konzert der Aeronauten aus Schaffhausen; das Vorprogramm bestreitet die Winterthurer-Band Cheekbones. «Ich habe die Aeronauten einst auf der Strasse erlebt», sagt Marianne Barth. «Mich hat ihre farbige Musik – ein Mix aus Pop, Garagenrock, Punkt und Soul – sogleich fasziniert. Als wir das Konzept für die ‹graue zone› erarbeiteten, stand für mich fest – die Aeronauten würde ich liebend gerne im grauen November dabeihaben.»

Und das wohl nicht nur der Musik, sondern auch der fantasievollen Texte wegen. Diese sind humorvoll und leben von überraschenden sowie pathetischen Wendungen, was ein Medientext so auf den Punkt bringt: «Seit 20 Jahren sind die Aeronauten die Band der glücklich vereinten Widersprüche und des eindeutigen Sammelsuriums. Ihre Konzerte sind Events nachdenklicher Hysterie und ausser Querflöte, haben sie schon jedes Instrument ausprobiert.

«graue zone» 27. Oktober, 17 Uhr: Vernissage Fotoausstellung. Ab 1. November: Film ab für Videojukebox.
30. November, 21 Uhr: Aeronauten und Cheekbones. Beide Konzerte werden filmisch hinterlegt.