Auf dem Schreibtisch am Fenster steht eine etwa 40 Zentimeter hohe Bronzeplastik. Sie zeigt Menschen, die, sich an den Händen haltend, aus einem Felsblock herauszutreten scheinen. Thomas Lüscher stellt die Skulptur auf den massiven Holztisch, der so aussergewöhnlich ist wie alles im Haus, das er zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern bewohnt.

«Das ist der Entwurf für eine Arbeit für einen internationalen Wettbewerb, den eine kanadische Provinz ausgeschrieben hat», sagt er. «Ich habe mich in der Hoffnung beworben, derjenige zu sein, der aus Europa ausgewählt wird. In den nächsten Wochen werde ich Bescheid erhalten.»

Einfach Freude an Holzskulpturen

Von Haus aus ist Thomas Lüscher Holzbildhauer. Nicht etwa deswegen weil er aus Holziken stammt. «Ich habe schon als Kind gerne Manöggeli aus Holz geschnitzt», erklärt er.«Das ging so lange, bis mir die Mutter das Messer wegnahm, nachdem ich mich geschnitten hatte. Ich durfte dann aber zusammen mit meiner Mutter einen Schnitzerkurs besuchen.» Nach einer Schreinerlehre absolvierte Thomas Lüscher die Schnitzlerschule in Brienz.

Inzwischen arbeitet er seit mehr als 20 Jahren als selbstständiger Holzbildhauer. «Ich habe eigentlich nie das Ziel gehabt, künstlerisch zu arbeiten», meint er. «Ich mache einfach gerne Holzskulpturen, und so ist es immer mehr geworden.»

Material ist nicht ausschlaggebend

Thomas Lüscher arbeitet aber inzwischen längst nicht mehr ausschliesslich mit Holz, sondern auch mit andern Materialien – vor allem mit Bronze. «Bronzeplastiken machen heute mehr als die Hälfte meiner Arbeiten aus», stellt er fest. « Ich habe das eigentlich erst realisiert, als ich nach einem Namen für meine Website gesucht habe.» Die Website trägt denn auch den Namen www.holz-bronze.ch

«Das Material ist für mich aber nicht ausschlaggebend», betont Thomas Lüscher. «Letztlich ist die Wirkung einer Skulptur oder einer Plastik entscheidend. Oft ist die Wahl des Materials technisch bedingt. Ich liebe es auch, mit den beiden Materialien zu spielen, sie in Kombination einzusetzen.»

In den Werken von Thomas Lüscher spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine wichtige Rolle. «Oft sind das ganz simple Sachen», erklärt er. «Zum Beispiel die Art und Weise, wie Kinder aufeinander zugehen.»

«Ein spezielles Leben»

Er führe ein spezielles Leben, stellt der Künstler fest. «Ich bin sehr viel unterwegs. Eigentlich fast schade, denn hier habe ich eine so schöne Werkstatt. Ich arbeite eher wenig im Auftrag von Kunden, sondern meist frei. Ich besuche Symposien und Events.»

So wird er dieses Jahr – um nur einige Stationen zu nennen – an internationalen Bildhauersymposien in Sur En im Engadin, in Davos, in Laas im Vintschgau im Südtirol aber auch im Ostseebad Zinnowitz teilnehmen.

Um seine Plastiken und Skulpturen zu sehen, muss man aber nicht unbedingt so weit reisen.Vom 28. März bis 6 April zeigt Thomas Lüscher in einer Ausstellung der Ernst-Wildi-Rohr-Stiftung in Hausen bei Brugg seine neuen Werke.

Umzug in die Kirche

«Die Ausstellung in Hausen, ist für mich vielleicht auch ein Stück Übergang», stellt Thomas Lüscher fest. «Wir wollen von der Gemeinde Thalheim weg nach Staffelbach ziehen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir in Thalheim bleiben würden. Ich habe dann aber erfahren, dass in Staffelbach die ehemalige evangelisch-methodistische Kirche frei wird. Als meine Tochter von unserer Absicht erfuhr, die Kirche zu kaufen, hat sie mich bloss angeschaut. Und ich dachte, dass sie jetzt denkt: Die Alten spinnen.»