Thalheim
Der Holzwurm setzt der Kirchenorgel zu: 150 Stunden Arbeit für den Orgelbauer

Auch eine Orgel braucht regelmässigen Service. Dieser ist aufwendig und findet nur alle 20 bis 30 Jahre statt. Jede Pfeife muss geputzt und neu gestimmt werden.

Karin Pfister (Text und Foto)
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Stephan Wioland hat in der Kirche Thalheim für die Revision die ganze Orgel auseinandergenommen.

Stephan Wioland hat in der Kirche Thalheim für die Revision die ganze Orgel auseinandergenommen.

Karin Pfister

Orgelbauer denken in andern Zeitdimensionen: Mit ihren knapp 70 Jahren sei die Orgel in der Kirche in Thalheim eine «moderne» Orgel, so der Orgelbauer Stephan Wioland, der die Revision durchführt. Gebaut wurde die Orgel 1948 von der Firma Kuhn in Männedorf, welche auch für die momentanen Arbeiten verantwortlich ist. Nachdem bereits 1984 eine Revision stattfand – damals mussten die Windladen, das Herzstück jeder Orgel – saniert werden, sei es jetzt wieder an der Zeit gewesen für einen erneuten Orgelservice.

Neben der normalen Verschmutzung, die an den Pfeifen gut zu sehen ist, ist diesmal vor allem der Holzwurm ein Problem. Dieser hat es sich in den Holzpfeifen behaglich gemacht. «Sehr schlimm ist es noch nicht, aber wir mussten jetzt etwas unternehmen, bevor noch mehr kaputt geht. Wenn es zu viele Wurmlöcher hat, kann sich durch Windverlust auch das Klangbild verändern. Stephan Wioland hat die ganze Orgel auseinandergenommen. Jede Pfeife wird einzeln gereinigt und neu intoniert. Einen Grossteil der Arbeit macht das Wiederzusammensetzen beziehungsweise das Wiederherstellen des Klangbilds (Intonation) aus.

Revision kostet 20 000 Franken

Nicht nur die einzelnen Pfeifen müssen gestimmt werden, sondern auch alle Register aufeinander. «Alle Töne müssen aufeinander abgestimmt werden. Aber auch Lautstärke und Charakter der ganzen Pfeifenreihen, den Registern, sollen zueinander passen.» Diese Arbeit erfordert viel Konzentration, Ruhe und ein gutes Ohr.

Die gesamte Revision der Orgel kostet rund 20 000 Franken. Bei der Thalner Orgel handelt es sich um eine sogenannte mechanische Schleifwindladenorgel, und mit ihren 574 Pfeifen ist sie eine kleine Orgel. Zum Vergleich: Die Orgel der Stadtkirche Aarau hat über 3500 Pfeifen. Stephan Wioland: «Eine Orgel muss zur Kirche passen. Dieses Instrument ist zwar klein, aber von guter Qualität.» Orgelbauer würden übrigens sehr ungern Teile einer Orgel auswechseln. Lieber werde saniert, wann immer es geht, um das individuelle Klangbild, das jede Orgel hat, nicht zu verändern.

Älteste Kuhn-Orgel in Veltheim

Rund 150 Stunden arbeitet Stephan Wioland in der Kirche Thalheim. Bis Ende des Monats soll die Orgel wieder in neuem Glanz und Klang erstrahlen und erklingen. Die Lebensdauer einer Orgel beträgt laut Wioland mindestens 100 Jahre; einige halten bedeutend länger, wie das Beispiel Veltheim zeigt.

Gegründet wurde die Firma Kuhn 1864 von Johann Nepomuk Kuhn, der aus dem Süddeutschen für eine Montagearbeit in die Schweiz gekommen war und dem es so gut gefiel, dass er blieb und seine eigene Orgelbauer-Firma gründete. In der reformierten Kirche in der Gemeinde Veltheim kann man die älteste noch erhaltene Kuhn-Orgel bewundern, die aus dem Jahre 1871 stammt und die immer noch in Betrieb ist.