Brugg
Der Heimgarten sichert das Überleben der Kinderkleiderbörse

Der Kinderkleiderbörse drohte die definitive Schliessung – doch nun ist die Nachfolge geregelt.

Désirée Ottiger
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Der Heimgarten übernimmt die Kinderkleiderbörse, von links: Manuela Smit vom jetzigen Team, Marlene Erni, die zum aktuellen Team gehört und auch im zukünftigen Team mithelfen wird, sowie Marlis Mösch, die künftige Leiterin des «ChinderRychs».DOT

Der Heimgarten übernimmt die Kinderkleiderbörse, von links: Manuela Smit vom jetzigen Team, Marlene Erni, die zum aktuellen Team gehört und auch im zukünftigen Team mithelfen wird, sowie Marlis Mösch, die künftige Leiterin des «ChinderRychs».DOT

Désirée Ottiger

Es sah aus, als würde die Kinderkleiderbörse nach 25 Jahren aus der Brugger Altstadt verschwinden. Doch nun steht fest, dass der Heimgarten Brugg die Börse weiterführen wird. Der Heimgarten bietet Frauen mit psychosozialen Schwierigkeiten einen dauerhaften oder vorübergehenden Wohn- und Beschäftigungsraum. Zur Institution gehören 36 Wohnplätze, 22 Beschäftigungsplätze sowie vier geschützte Arbeitsplätze. Bisher sind diese Beschäftigungs- und Arbeitsplätze ausschliesslich im Werkatelier und im «WärchRych», wo die Klientinnen des Heimgartens Dekorations- und Geschenkartikel herstellen und verkaufen.

Damit der Heimgarten mehr Arbeitsstellen bieten kann, braucht er zuerst die Zustimmung des Kantons. So wird es beim Heimgarten in naher Zukunft gleich viele Arbeitsstellen geben wie bisher, doch mit der Kinderkleiderbörse kommt eine neue Herausforderung für die Frauen hinzu. Der Heimgarten wird das Konzept des bisherigen Börsenteams weitgehend beibehalten, und auch die Öffnungszeiten von 9 bis 11 Uhr werden voraussichtlich bestehen bleiben.

Ändern wird aber der Name, von Kinderkleiderbörse Brugg zu «ChinderRych», passend zum gleich nebenan liegenden «WärchRych». Dass sich beide Geschäfte an der Hauptstrasse 48 befinden, war mit ein Grund, weshalb der Heimgarten sich zur Übernahme der Börse entschlossen hat. So kann die Leiterin des «WärchRychs», Marlis Mösch, auch gleich die Leitung des «ChinderRychs» übernehmen. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe, vor allem darauf, dass sie und die Frauen dann noch mehr Kundenkontakt haben. Bei ihrer neuen Arbeit erhält sie auch Unterstützung von zwei Frauen des bisherigen Börsenteams.

Zuversicht ist gross

Barbara Vontobel, Leiterin des Heimgartens, ist optimistisch, dass das «ChinderRych» die gleiche Erfolgsgeschichte erleben wird wie das «WärchRych». Dies, obwohl das jetzige Börsenteam aufgrund finanzieller Engpässe und zunehmender Konkurrenz aufhört. Doch wie sollen die Umsätze gesteigert werden? Neu werden von den verkauften Kleidern und Spielsachen nur noch 40 Prozent an den Kunden zurückgehen und 60 Prozent des Geldes fliessen in die Kasse des «ChinderRychs». Bisher ging die Hälfte des Geldes an den Kunden und die andere Hälfte an die Kinderkleiderbörse selbst.

Befürchtungen, dass auch der Heimgarten nicht genügend Umsatz macht mit der Börse, hat Heimleiterin Barbara Vontobel keine, dazu sei sie viel zu optimistisch, sagt sie. Trotzdem fügt sie an: «Ich hoffe, in einem Jahr nicht am selben Ort zu stehen wie die bisherigen Besitzer.»

Start ist am 1. Mai

Zurzeit nimmt die Kinderkleiderbörse keine neue Ware mehr an. Am 4. März ist der letzte reguläre Verkaufstag mit dem aktuellen Börsenteam. Schon jetzt können Kleider bis Grösse 176, Schuhe bis Grösse 43, Spielsachen, Bücher und weitere Gegenstände für Kinder im «WärchRych» abgegeben werden. Ab dem 1. Mai hat die Börse unter dem neuen Namen «ChinderRych» und mit den neuen Betreibern wieder offen. Man werde sanft einsteigen, sagt Barbara Vontobel. Schliesslich konnte das Projekt nicht gross geplant werden, weil die Übernahme relativ überstürzt vonstattenging. «Aber dieser Chance konnten wir einfach nicht widerstehen», erklärt sie.

Risiko wurde zu gross

Nach 25 Jahren entschied das aktuelle Team der Kinderkleiderbörse Brugg, das Geschäft zu schliessen. Dies wegen der stetig rückläufigen Umsatzzahlen. Lokalmiete, Versicherungen und Nebenkosten waren nur noch knapp zu tragen und das Risiko wurde den vier Betreiberinnen zu gross. Da sie keinen Verein und keine Stiftung sind, haftet das Börsenteam bei finanziellen Schwierigkeiten privat. (DOT)

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