Brugg
Der Heimgarten baut das Angebot aus

Die soziale Institution will neu mit dem Verkauf von frischen Produkten einen Mehrwert schaffen.

Manuel Funk
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Die Küchenverantwortliche Ramona Bausch präsentiert die neuen Produkte, die sie zusammen mit dem Koch Stefan Hösli und den Mitarbeiterinnen der geschützten Arbeitsplätze herstellt und die im «WärchRych» ab dem 6.Mai verkauft werden.MFU

Die Küchenverantwortliche Ramona Bausch präsentiert die neuen Produkte, die sie zusammen mit dem Koch Stefan Hösli und den Mitarbeiterinnen der geschützten Arbeitsplätze herstellt und die im «WärchRych» ab dem 6.Mai verkauft werden.MFU

Liebevoll stricken die Frauen Accessoires, verzieren Grusskarten oder gestalten Geschenkartikel. Stolz zeigt eine Beschäftigte ihr Mobile aus Herzen. Sie ist eine von rund 45 Klientinnen des Heimgartens in Brugg. Das «Haus für Frauen», wie sich der Heimgarten auch nennt, ist eine soziale Institution, die sich ausschliesslich an Frauen richtet, die eine psychische Beeinträchtigung aufweisen.

Der Heimgarten bietet Wohn-, Beschäftigungs- und Arbeitsplätze an. Die im Werkatelier des Wohnheims hergestellten Geschenkartikel werden im «WärchRych», dem eigenen Laden in der Altstadt, verkauft. Die Frauen haben durch die Herstellung von Produkten eine Beschäftigung und damit eine Ablenkung zum harschen Alltagsleben.

Vier verschiedene Wohnformen

Das Wohnheim des Heimgartens an der Jurastrasse bietet Frauen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren ein Leben in einer Grossgruppe an. 15 Einzelzimmer stehen hier zur Verfügung. «Das Wohnheim ist für Frauen geeignet, die auf Vollbetreuung angewiesen sind und sich der 24-Stunden-Anwesenheit der Betreuungspersonen sicher sein können», sagt Barbara Vontobel, Institutionsleiterin seit 18 Jahren. Den Heimgarten zeichne auch das differenzierte Wohnen aus. Neben dem Wohnheim mit 24-Stunden-Betreuung gibt es noch drei weitere Wohnmöglichkeiten, welche die Frauen nutzen können.

Das erweiterte Wohnen bietet eine Wohnung, die ans Wohnheim angrenzt und der das Nachtpikett zur Verfügung steht. «So können Frauen den Schritt aus dem Wohnheim wagen und sich trotzdem sicher sein, dass das Betreuungspersonal gleich nebenan ist», weiss Vontobel. Die anderen zwei Formen sind die Aussenwohngruppen, bei denen zwei bis vier Frauen in einer Mietwohnung in Brugg leben, und das Wohnen mit Teilbetreuung. Bei diesem Projekt werden die Selbstständigkeit und der Schritt zurück ins normale Leben gefördert. Die Therapien und ärztlichen Behandlungen aller Frauen erfolgen aber extern und unabhängig vom Heimgarten.

Auf hohe Auslastung angewiesen

Die 30 Beschäftigungsstellen und die 10 geschützten Arbeitsplätze sollen den Frauen eine Stütze im Alltag sein. Die oft unter starken psychischen Krankheitsschüben leidenden Frauen sind nicht immer einfach zu betreuen. «Einerseits braucht das Betreuungspersonal eine hohe Fachkompetenz, andererseits aber auch eine grosse Belastungsresistenz», so Vontobel.

«Aktuell stehen in allen Angeboten –sowohl beim Wohnen als auch bei der Tagesstruktur – freie Plätze zur Verfügung. Die Balance zwischen Personalbestand und der Auslastung ist nicht immer vorhanden. Deshalb war die Bilanz im letzten Jahr negativ», fährt Vontobel fort. Tatsächlich war das Betriebsergebnis rund 34 000 Franken im Minus. Ein Jahr zuvor war man noch 12 000 Franken im Plus. Dafür gibt es Gründe.

Die UN-Behindertenrechtskonvention verlangt nach einer Wahlfreiheit der Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen mit Beeinträchtigung, wie es gesunde Menschen auch haben. Um diese zu gewährleisten, muss ein Überangebot der Plätze vorhanden sein. «Das erzeugt Druck. Wenn wir sowohl ein Überangebot schaffen müssen als auch eine möglichst hohe Auslastung erreichen sollen, ist es Jahr für Jahr eine grosse Herausforderung, einen positiven Abschluss zu erwirtschaften.» Das Ziel einer sogenannten Non-Profit-Organisation sei nicht, einen Gewinn zu erwirtschaften, sondern kostendeckend abzuschliessen. Dies sei eine Aufgabe, die von vielen, kaum zu beeinflussenden Faktoren abhängig sei, ist sich Vontobel sicher.

Neue Produkte zum Muttertag

Die Bewohnerinnen des Heimgartens kommen meist über die Psychiatrische Klinik in Königsfelden nach Brugg. «Seit es in Königsfelden keine Langzeitaufenthalte mehr gibt, haben wir vermehrt Frauen mit einer akuten psychischen Beeinträchtigung, die nicht mehr vollständig therapiert werden können.» Der Fokus liegt deshalb auf der Betreuung und der Eingliederung in einen unterstützten Alltag.

Aktuell fokussieren sich Vontobel und ihr Team aber auf ein neues Projekt mit dem Namen «Mehrwert». Im «WärchRych» werden ab dem 6. Mai neu frische Geschenkartikel hergestellt. Neben süssem Sirup und ganz speziellen Salzmischungen werden Backmischungen und viele andere frische Produkte angeboten. Damit erhofft sich der Heimgarten wieder grössere Laufkundschaft in der Altstadt und höhere Gewinne, um die Kosten zu decken. Die nachhaltig verpackten Produkte sollen bereits am Muttertag für strahlende Gesichter sorgen. Denn der Name soll Programm sein – ein Mehrwert.

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