Windisch
Der Gemeinderat von Windisch kämpft weiter um das Rekrutierungszentrum

Der Regierungsrat will das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau verlegen. Doch der Gemeinderat von Windisch ist nicht einverstanden damit. Die Räumlichkeiten und die 33 Vollzeitstellen seien wichtig für die Region, so Ammann Heidi Ammon.

Michael Hunziker
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Pro Woche werden hier zweimal 120 Stellungspflichtige aus achtKantonen für die Armee rekrutiert.

Pro Woche werden hier zweimal 120 Stellungspflichtige aus achtKantonen für die Armee rekrutiert.

Walter Schwager

Der Aargauer Regierungsrat ist überzeugt: Es macht Sinn, das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau zu verlegen (separater Text). Anders sieht es der Gemeinderat Windisch.

Er bezeichnet die Ausführungen «aus der vertraglichen Perspektive betrachtet» zwar als nachvollziehbar, denn der Kanton habe mit dem Bund einen Vertrag für die Nutzung des Kasernenareals in Aarau, der erst 2030 auslaufe. Aber ob die Nutzung für militärische Zwecke an dieser Vorzugslage sinnvoll sei, darf laut Gemeinderat Windisch durchaus bezweifelt werden.

Aarau ist kostengünstiger

Der Regierungsrat erachtet die Verlegung des Rekrutierungszentrums von Windisch nach Aarau als sinnvoll. In der Kaserne Aarau sei ein Betrieb kostengünstiger möglich, hält der Regierungsrat in seiner Antwort auf eine Interpellation fest, die Franziska Graf (SP, Aarau) mit Grossrätinnen und Grossräten aus fünf Parteien eingereicht hatte (az vom 22. Februar).

Als Grund genannt wird unter anderem das militärische Verpflegungszentrum in Aarau, «was eine sehr preiswerte Verpflegung der Stellungspflichtigen ermöglicht». Damit nicht genug: «Der Kanton Aargau muss damit rechnen, dass er das Rekrutierungszentrum im Fall einer Ablehnung des neuen Standorts in Aarau ganz verliert.» Der Regierungsrat anerkennt aber für die Gemeinde Windisch «eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung, die man nicht ignorieren kann». (mhu)

«Sorgfältiger Umgang mit Ressourcen ist aus Windischer Sicht sehr bedeutsam», stellt Gemeindeammann Heidi Ammon fest. Und: «Grundsätzlich sind zukünftig militärische Anlagen an der Peripherie der Agglomerationen anzusiedeln. Den neusten Trends der Raumplanung folgend, sind Verdichtungen nach innen eine Stossrichtung des Bundes. In diesem Sinne haben wir grösstes Verständnis für die Anliegen der Stadt Aarau.»

Wertvolle Arbeitsplätze

Für den Regierungsrat seien die 33 Vollzeitstellen in Windisch – verglichen mit kantonal 440 Stellen – vernachlässigbar. «Für die Gemeinde sind diese Arbeitsplätze hingegen sehr wertvoll, da sie aus einem speziellen, ergänzenden Berufssegment kommen», fährt Heidi Ammon fort.

Überdies sei die Nutzung einzelner Räumlichkeiten für die Nachbarschaft und die weitere Region – Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie, Turnhallen – während der betriebsfreien Zeit nicht unwichtig. «Für Hunderte von Stellungspflichtigen, die das Rekrutierungszentrum besuchen, wird Windisch zum Begriff.»

Anders gesagt: Mit dem Wegzug des Rekrutierungszentrums werde eine neue Nutzung mit möglichst wenig Zubringerdiensten und möglichst wenig Umbauten schwierig – ein herber Rückschlag für die Entwicklung von Unterwindisch, ist Heidi Ammon überzeugt. Bereits geplante Projekte, wie die Parkierung «Heinrich III», seien gefährdet. «Dies stellt eine echte Herausforderung für die Gemeinde wie auch den Investor dar.»

In Kontakt für nachhaltige Lösung

Kurz: «Das Zentrum ist im Quartier sehr gut verankert, offen für Besucher, gut an den öffentlichen Verkehr angebunden, und es weist eine hervorragende Infrastruktur in op Zustand aus», hält Heidi Ammon fest.

Wie immer der Entscheid des Eidgenössischen Departements Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) ausfalle: «Wir werden mit allen Beteiligten in Kontakt bleiben, um doch noch eine für Windisch nachhaltige und befriedigende Situation zu erreichen», so Heidi Ammon.