Windisch
Der Gemeinderat nimmt Stellung zur umstrittenen Standortmarketing-Studie

Im Bemühen, das Standortmarketing zu fördern und die Gemeinde weiterzubringen, haben die Behörden eine Studie in Auftrag gegeben. Zumindest deren Präsentation ist missraten und hat die Gemüter erhitzt. Jetzt findet der Gemeinderat deutliche Worte.

Marc Reinhard
Merken
Drucken
Teilen
Studie hin oder her: Standortmarketing bleibt wichtig für Windisch.ZVG

Studie hin oder her: Standortmarketing bleibt wichtig für Windisch.ZVG

«Wir werden den meisten Empfehlungen in dieser Schrift nicht folgen. Die ganze Sache, insbesondere die Präsentation, aber auch inhaltliche Aspekte, sind verunglückt», sagt Hanspeter Scheiwiler. Einiges sei auch schlichtweg falsch aufgefasst worden. Er könne die negativen Emotionen verstehen, sagt Scheiwiler.

Empörung über «Behauptungen»

Nach verschiedenen geharnischten Reaktionen auf die Bachelor-Arbeit «Standortmarketing» hatte der Gemeinderat in Absprache mit dem Einwohnerrat erst beschlossen, die Kommunikation einzustellen. Die Debatte habe inzwischen schon kantonale Instanzen erreicht, man wolle nach diesem Wirbel nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer giessen, so Scheiwiler.

Die Kommentare des Gemeinderats zu dieser notabene eigens in Auftrag gegebenen 70 Seiten starken Analyse mit Empfehlungen fielen anfangs eher knapp aus. Jetzt sprechen der Gemeindeammann und die Gemeinderätin Heidi Ammon als Kopf der auftraggebenden Arbeitsgruppe in deutlicher Offenheit und gestehen weitgehend ungünstiges Vorgehen ein. «Die Präsentation würde ich nach dieser Erfahrung jedenfalls heute anders machen», sagt Ammon in der Überzeugung, Misserfolge offen kommunizieren zu dürfen.

Für eine fundierte Analyse fehlte das Geld

Andererseits dürfe man die Resultate aber auch nicht zu hoch bewerten. «Wir sprechen hier über eine Diplomarbeit zweier Studenten.» Warum haben die Windischer Behörden nicht ein professionelles Beraterbüro engagiert? «Für eine wissenschaftlich fundierte Analyse fehlt das Geld. Ausserdem ist nicht alles schlecht in dieser Schrift. Es gibt auch berechtigte Punkte, die sich durchaus in künftige Strategien einbauen lassen», erklärt die Gemeinderätin.

Findet also das vorliegende Dokument trotzdem Verwendung in den Plänen zum Standortmarketing in Windisch? Heidi Ammon schätzt das Thema als enorm wichtig ein. «Wir werden sehen. Ganz wichtig ist es jetzt für die Gemeinde, Wege zu finden, um neue Steuerzahler anzuziehen. Diese Erkenntnis ist nicht neu.»

«Vindonissa» mache unattraktiv

Alteingesessene Windischer hatten sich insbesondere über den Grundtenor in der Studie empört, welcher «die Attraktivität der Gemeinde durch die Römer-Vergangenheit und die Begriffe Vindonissa und Königsfelden stark gemindert sieht». Windisch sei gut beraten, sich von seiner Vergangenheit zu lösen und gegenwärtige Trümpfe herauszustreichen. Die Studie verlangt ausserdem, die Gemeinde müsse bei der Organisation und Finanzierung von Freizeitaktivitäten mithelfen.

Einwohnerrat Bernhard Stüssi und alt Gemeinderat Robert Kühnis hatten in einer Eingabe Schwachstellen aufgelistet und dem Gemeinderat empfohlen, die Schrift über Standortmarketing als Muster ohne Wert aus der Diskussion zu ziehen.