Umiken
Der Fusionsarchitekt weiss, wie es geht

Werner Fässler, alt Gemeindeammann von Umiken, sagt, warum die Gemeinden zuerst die heiklen Themen, wie die Feuerwehr, anpacken sollten.

Claudia Meier
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Werner Fässler, alt Gemeindeammann von Umiken

Werner Fässler, alt Gemeindeammann von Umiken

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Werner Fässler hatte sich bewusst sehr weit aus dem Fenster gelehnt, als er schrieb, dass der Bezirk Brugg in Zukunft nur noch maximal fünf Gemeinde-Unionen verkrafte – Verbünde mehrerer Gemeinden oder auch «Fusion light» genannt. Das war 2001, zwei Jahre bevor der Kanton Aargau seinen 200. Geburtstag feierte. Als damaliger Präsident des Regionalplanungsverbands (Repla) Brugg machte er seine Gedanken auf einer Meinungsseite in der Aargauer Zeitung publik. Er sei überzeugt, dass eine engere Zusammenarbeit im ländlichen Raum die grösste Chance haben könnte.

Konkret stellte sich Fässler folgende fünf Verbünde vor: das Zentrum, das Eigenamt, das Schenkenbergertal, Bözberg-West und Bözberg-Ost (Geissbergregion). Diese Meinung vertritt er auch heute noch. Damals war er Ammann in der 1000-Seelen-Gemeinde Umiken – mit einer Fläche von 80 Hektaren war sie die zweitkleinste des Kantons. Die enge Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde mündete nach 14 Jahren in einen Zusammenschluss. Seit 2010 ist Umiken mit der Stadt Brugg fusioniert.

Wie geht es den Umikern heute?

Welches sind überhaupt die Voraussetzungen, damit eine Fusion gelingt? Die az hat sich mit Werner Fässler in seinem Garten zu einem Gespräch getroffen. Der Fusions-Architekt war während 16 Jahren Mitglied des Gemeinderats Umiken, davon 8 Jahre als Ammann (1997–2005). «Mittlerweile haben glaub alle Umiker gemerkt, dass sie weniger Steuern bezahlen müssen als früher», sagt der 67-Jährige. Es gehe aber nicht nur um Finanzen. «Das wäre zu billig», betont Fässler. Die Verwaltung, der Strassenunterhalt und die Betreuung der Kläranlage seien seit der Fusion professioneller und effizienter geworden.

Der Ortsteil verfügt nach wie vor über eine Schule. «Das bedeutet für Familien mit Kindern ein riesiges Plus in Sachen Wohnqualität. Sollte die Schulschliessung eines Tages ein Thema werden, würde ich sofort auf die Barrikaden steigen», sagt Fässler mit einem scharfen Unterton.

Der ehemalige Gemeindeammann ist überzeugt, dass man mit mehr Behördenpräsenz den Umikern noch besser zu verstehen geben könnte, dass sie auch zu Brugg gehören. «Man könnte doch mal eine Einwohnerratssitzung im Mehrzweckraum abhalten», lautet ein Vorschlag. Natürlich mit Besuch der Bevölkerung. Manchmal würden die umliegenden Fusionsmitglieder Lauffohr, Altenburg und Umiken nämlich stiefmütterlich behandelt, so Fässler. Mittlerweile werden aber sogar am 1. August die Flaggen in Umiken gehisst.

Apropos Stadtzentrum: «Die Brugger Altstadt ist nicht der Ballenberg des Mittellands», sagt Fässler und fordert, dass künftig mehr Postautos aus Umiken kommend durch die Altstadt – mit Halt beim Eisi – fahren, weil die Casino-Brücke zu Spitzenzeiten oft verstopft ist und die Pendler dann die Anschlusszüge verpassen. Brugg als Bezirkshauptort habe auch eine Zentrumsaufgabe zu erfüllen.

Dass Umiken «nach 10 Jahren Kür- und 4 Jahren Pflichtanteil» mit der Stadt Brugg fusionierte, ist nicht zuletzt auf die gute Beziehung zwischen Fässler und dem damaligen Stadtammann sowie dem Repla-Vizepräsidenten, Rolf Alder, zurückzuführen. «Die Stilnote in der Kür ist besonders wichtig», betont Fässler. In sogenannten Vierlinden-Gesprächen wurde bei einem Mittagessen jeweils die Zusammenarbeit besprochen. Eine Fusion war am Anfang noch kein Thema. «Wenn sich zwei aber gut verstehen, dann wirkt sich dies automatisch auf die restlichen Ratsmitglieder und die Verwaltung aus», schildert Fässler seine Erfahrung.

Verhandlungen auf Augenhöhe

Eine Fusion müsse sorgfältig erarbeitet und könne nicht fremdbestimmt werden. Es geht laut Fässler um eine saubere Auslegeordnung der eigenen Stärken und Schwächen. Dabei müsse man sich nicht kleiner machen, als man ist, sondern auf Augenhöhe miteinander verhandeln, klar Position beziehen und vielleicht auch mal schlitzohrig agieren. «Um eine attraktive Braut zu sein, haben wir viel in die Schule, das Gemeindehaus, die Kanalisationen und den Strassenbau investiert.»

Es lohne sich, die schwierigsten Themen – wie die Feuerwehr – zuerst anzugehen. «Wir brachten bei der Fusion über 20 Feuerwehrleute nach Brugg», räumt Fässler ein. Gegner gelte es von Anfang an ernst zu nehmen. Solche Projekte packe man schliesslich primär für die künftigen Generationen an und nicht für die aktuelle Behörde.

«Wer einen Mediator braucht, ist selber nicht von der Fusion überzeugt», so Fässler weiter. Fühlt er sich bald fünf Jahre nach der Fusion nun eigentlich als Brugger oder Umiker? «Ich bin ein Brumiker», sagt er wie aus der Kanone geschossen und lacht. «Wir dürfen stolz sein auf das Erreichte. Seit die Brugger wie die Umiker ticken, geht es uns allen besser.»

Neuer Anlauf für Brugg-Windisch

Und wie könnte es nun im Zentrum des Bezirks Brugg weitergehen? «Wir müssen endlich aufhören mit diesem kleinkarierten Denken. Es geht nicht um Visionen, sondern um konkrete Ziele und Projekte. Ein Weg der kleinen Schritte, der das Ziel in einem überschaubaren Zeitpunkt beinhaltet.» Mit der angelaufenen Amtsperiode und der neuen Zusammensetzung in den Exekutiven sei der Zeitpunkt ideal, um sich individuell zur Zukunft einbringen zu können.

Dies gelte insbesondere für Brugg und Windisch. Die beiden Zentrumsgemeinden verbinde mehr als der Campus der Fachhochschule und der Bahnhof miteinander. «Ich hoffe, dass sie einen neuen Anlauf nehmen. Auf diesem Weg sollten sie aber eine Taschenlampe mitnehmen, damit sie sich im langen Tunnel nicht verirren. Und eines ist bereits klar: Windisch muss sich gegenüber Brugg nicht verstecken», sagt Fässler zur neuen Ausgangslage.

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