Brugg
Der Ex-CEO der Suhner Holding AG zeigt, auf was es ankommt

Unternehmer Otto H. Suhner erklärt, was bei nicht börsenkotierten Firmen wichtig ist. Für ihn gehören zur unternehmerischen Verantwortung in erster Linie die Mitarbeiter.

Claudia Meier
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VCU-Präsident Max Zeier (links) von der Regionalgruppe AG/SO begrüsst Unternehmer Otto H. Suhner zum Referat.

VCU-Präsident Max Zeier (links) von der Regionalgruppe AG/SO begrüsst Unternehmer Otto H. Suhner zum Referat.

Claudia Meier (cm)

Eingeladen zum Business-Lunch im Flex-Gebäude an der Industriestrasse in Brugg hatte für gestern Donnerstagmittag Max Zeier, Präsident Regionalgruppe AG/SO der Vereinigung Christlicher Unternehmer der Schweiz (VCU). Gekommen sind nicht nur Otto H. Suhner als Hauptreferent und weitere Wirtschaftsvertreter als Zuhörer, sondern auch eine KV-Berufsmaturklasse des im Flex-Gebäude beheimateten Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) Brugg.

Für die jungen Erwachsenen war es eine willkommene Abwechslung zum normalen Schulunterricht. Einzig für die Diskussion blieb nach dem kurzweiligen Referat kaum Zeit. Suhner bot den Schülern deshalb spontan an, sich bei Interesse an einem anderen Tag mit ihnen an den Tisch zu setzen und sich mit Fragen löchern zu lassen.

Sohn ist in die Fussstapfen getreten

Mit der Erwähnung der wichtigsten Meilensteine zeigte Otto H. Suhner die bewegte Geschichte der Suhner Holding AG und der Kabelwerke Brugg Holding AG auf. Letztere wurde im vorletzten Jahrhundert von seinem Urgrossvater gegründet. Mittlerweile vertritt der 73-jährige ETH-Maschineningenieur die vierte Generation bei den Kabelwerken und die dritte bei Suhner Holding AG noch als Verwaltungsratspräsident. Sohn Jürg E. Suhner (40) ist in Ottos Fussstapfen getreten und steht für die nächste Generation. Die beiden Unternehmensgruppen verzeichnen per 2017 einen Umsatz von 730 Millionen Franken, erarbeitet von über 2500 Mitarbeitenden in zehn Ländern.

Otto H. Suhner kann auf 46 Jahre Erfahrung als Unternehmer zurückblicken. «Ein Unternehmer ist das Gegenteil von einem Unterlasser», sagte er. «Er trägt eine grosse Verantwortung als Kapitalgeber, in der Führung und im Abwägen der Risiken.» Um das Erschaffene nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterzuführen, wurde regelmässig in neue Produkte und Märkte investiert. Dazu gehörten bei Suhner ab 1968 beispielsweise auch Skibindungen. Da es sich bei diesen um ein Konsumgut handelte, das im Gegensatz zu den Industriegütern ein anderes Marketing erforderte, wurde die Produktion 1980 aufgegeben.

Es sei dieses ständige Kräftespiel zwischen Markt und Produkten, das den Unternehmer unbedingt faszinieren sollte, so Suhner. Dazu gehöre auch, dass man damit umgehen könne, dass die Zahlungsfristen in Italien oder Übersee 90 bis 120 Tage betragen und nicht 30 wie in der Schweiz. «Wenn Sie da nicht gut aufpassen, frisst das schnell viel Geld weg», warnte der Unternehmer.

Verantwortung als Lebensaufgabe

Zur unternehmerischen Verantwortung gehören für Otto H. Suhner, der in diesem Zusammenhang von einer Lebensaufgabe spricht, in erster Linie die Mitarbeiter, aber auch die Beziehungen zu den Kunden, den Aktionären und den Lieferanten sowie das Verständnis für die Gemeinschaft, die Tradition, die Vorfahren, die nächste Generation, die Politik sowie der Umgang mit Natur und Umwelt und sich selber. «Wir beschäftigen in der Region Brugg rund 1000 Mitarbeiter», so Suhner, der dafür appellierte, dass die genannten Punkte möglichst gut im Gleichgewicht stehen.

Um die anspruchsvollen Aufgaben zu meistern, müsse der Unternehmer bereit sein, viel Verantwortung zu übernehmen und mit einer intensiven Arbeitsbelastung umgehen können. Gegenüber börsenkotierten Unternehmen stehe bei unternehmerisch geführten die langfristige Überlebensfähigkeit im Vordergrund und nicht die Gewinnmaximierung um jeden Preis. Das habe zur Folge, dass Fachwissen länger im Unternehmen erhalten bleibe, gegenseitiges Vertrauen aufgebaut und Netzwerke gepflegt werden können.

Otto H. Suhner, der nach eigenen Angaben sein Arbeitspensum mittlerweile von 150 auf 120 Prozent reduziert hat, will sich auch künftig noch mit seinen Geschäftspartnern in China oder Indien persönlich treffen und vor Ort erfahren, was man optimieren muss. Zudem engagiert sich der profilierte Unternehmer als Verwaltungsratspräsident des Medizinischen Zentrums Brugg.

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