Brugg
Der erste Schweizer Barbecue-Wettbewerb erweitert den Grillhorizont

Am «Smoke by the River» im Brugger Schachen grillten internationale Teams gegeneinander. Im Halbstundentakt mussten sie ihre Grillware einer Jury vorlegen. Nach klaren Regeln wurden diese dann beurteilt. Für die Schweizer gibt es noch Aufholbedarf.

Samuel Frey
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Erster Schweizer Barbecue-Wettbewerb in Brugg
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Trotz des anhaltenden Regens haben viele ans Smoke by the River geschafft
Scott Lane vom Team Miss Piggy's gewann den EBCC letztes Jahr und das Smoke by the River in Brugg
Mit dem Barbecue kommt auch der Wilde Westen nach Brugg
Die Juroren essen konzentriert, um das Fleisch fair zu bewerten
Der Regen schreckte viele Barbecue-Fans nicht ab
Die Pork Ribs werden geschnitten bevor sie auf ihrem grünen Bett landen

Erster Schweizer Barbecue-Wettbewerb in Brugg

zvg / Wendel Hilti

«Wenn der Grillhorizont nur bis zur Bratwurst geht, ist das hier eine super Gelegenheit, ihn zu erweitern», sagt David Reiss. Er besuchte zusammen mit Freunden am verregneten Sonntagnachmittag den KCBS-Barbecue-Wettbewerb «Smoke by the River» im Brugger Schachen. KCBS steht für «Kansas City BBQ Society». BBQ ist die Kurzform von Barbecue und verrät damit, dass sich bei diesem Verein alles um Fleisch und heisse Kohlen dreht. Aber es ist nicht irgendein Grillverein, sondern einer der grössten weltweit, obwohl einige der internationalen Teams, das was sie machen, nicht grillen nennen wollen. Das Team «Good Old BBQ» aus der Schweiz bringt es so auf den Punkt, dass, wenn grillen Minigolf sei, Barbecue Golf ist.

Klare und faire Regeln

«Der grosse Vorteil vom KCBS ist, dass es klare Regeln gibt und dass diese auf der ganzen Welt gleich angewendet werden», sagt Okker Cuiper, OK-Präsident. Wenn er morgen in die USA fahren würde, sähen dort der Ablauf und die Regeln ganz genau gleich aus wie hier in Brugg. Cuiper hat nun zum ersten Mal einen solchen Wettbewerb in die Schweiz geholt. «Damit in einem Land ein KCBS-Wettbewerb stattfinden kann, müssen in diesem Land mindestens 15 Teams registriert sein», erklärt er weiter. Diese Form des Wettkampfs habe in den letzen Jahren in Europa grossen Anklang gefunden. «So ist es nicht verwunderlich, dass es in der Schweiz weit mehr als fünfzehn Teams gibt», sagt Cuiper.

Engländer nehmen Sieg nach Hause

Er selbst hat 1997 angefangen ̈, BBQ-Zubehör – von der Sauce bis zu verschiedenen Kohlen – in die Schweiz zu importieren. Es sind aber längst nicht alle so lange dabei wie Cuiper. «Wir sind das erste Mal an einem solchen Event. Wir haben zufällig im Südtirol einen Barbecue-Wettbewerb gesehen. Das, was wir da sahen und assen, hat uns so gut gefallen, dass wir selbst ein Team gegründet haben», sagt Urs Dössegger aus dem Team Rinderwahn aus Dürrenäsch. So wie ihm ist es vielen anderen Teilnehmern aus ganz Europa ergangen. «Mein Mann und ich haben einen Smoker gekauft und kurz darauf waren wir total begeistert. Unsere Leidenschaft war geweckt», sagt Lyndsey Lane, die zusammen mit ihrem Mann Scott das Team Miss Piggy’s bildet. Die beiden Briten haben den «European BBQ Challenge Cup» (EBCC) letztes Jahr gewonnen. «Im Moment sind wir ganz oben, aber das kann sich in einem Augenblick wieder ändern», sagt Lane. Diese Befürchtung bewahrheitet sich aber nicht, denn das Ehepaar kann den Gesamtsieg am «Smoke by the River» mit nach Hause nehmen.

Neuer europäischer Wettbewerb

«Der grosse Erfolg des Barbecues in Europa hat dazu geführt, dass ein eigener Wettbewerb für Europa gegründet wurde: der EBCC», erklärt Cuiper. Das «Smoke by the River» zählt als Wettkampf zum EBCC. Der europäische Wettbewerb folgt den Regeln des KCBS. So müssen die Teams um 12 Uhr Ortszeit den Juroren als Erstes das Chicken vorlegen. Dazu dürfen sie keine Beilagen anrichten, nur ein grünes Bett etwa aus Salat oder Petersilie ist erlaubt. Anschliessend werden die Grilladen der anderen drei Kategorien – Pork Ribs, Pork Shoulder und Beef Brisket – den Juroren exakt im Halbstundentakt vorgelegt.

20 Stunden Garzeit beim Beef Brisket

Bevor das Fleisch auf den heissen Grill darf, muss es aber kontrolliert werden. «Schweizer Metzger schneiden das Fleisch so, wie es in der Schweiz üblich ist. Aber für den Wettbewerb müssen die Teams Fleischstücke nach amerikanischem Schnitt vorlegen», erklärt der Organisator. Das sei vor einigen Jahren ein Problem gewesen, aber heute seien immer mehr Metzger bereit dazu. Wenn mit dem Fleisch alles in Ordnung ist, dürfen die Teams ihre Grille anwerfen, aber nur mit Holzkohle oder Briketts. Nach bis zu 20 Stunden Garzeit etwa beim Beef Brisket – ein Teil der Schulter des Rinds – wird das Fleisch der Jury in anonymen Boxen serviert, um zu verhindern, dass sie das Fleisch den Teams zuordnen kann.

Die Teams grillen nicht nur für die Juroren: Die Besucher können bei jedem Team das gegrillte Fleisch probieren. «Man kann überall probieren und nirgends schmeckt es gleich. Das ist einfach genial», so Mario Schödler, ein Besucher des «Smoke by the River».

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