Windisch
Der Ernst hinter der Komik führt zum Lachen

Der bekannte und beliebte Clown Gaston ist noch heute und morgen mit dem Zirkus Nock zu Gast in Windisch. Was braucht es, um das Handwerk des Clowns so zu beherrschen, wie er?

Rosmarie Mehlin
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«Wir müssen sehr präzise sein»: Gaston über seine Arbeit. rme

«Wir müssen sehr präzise sein»: Gaston über seine Arbeit. rme

Gaston – das ist ein magisches Wort. Kaum gelesen oder ausgesprochen, schon zaubert es ein Lächeln auf die Gesichter unzähliger Menschen. «Das Schönste an meiner Arbeit ist, die Resonanz des Publikums zu spüren, zu erleben, wie der Funke überspringt und als Lachen zurückkommt.» Gaston wurde sozusagen als Clown geboren. Jedenfalls war ihm die Leidenschaft für den Zirkus in die Wiege gelegt. Das komische Talent hatte er von seiner Mutter geerbt und auch sein Vater war nebst seinem Können am Flugtrapez unter anderem bekannt für seine Charlie Chaplin-Parodie.

Musikgehör und Beweglichkeit

Aber was braucht es, um das Handwerk des Clowns so zu beherrschen, wie er? «Gutes Musikgehör und Beweglichkeit.» Gaston spielt mindestens fünf Musikinstrumente, darunter Dudelsack, singende Säge, Konzertina und Saxophon. «Hinein ins Scheinwerferlicht und lustig sein – das funktioniert nicht. Wir müssen sehr präzise sein und unsere Arbeit sehr ernst nehmen, was viele Leute nicht verstehen.» Und wie entstehen die Nummern? «Zuerst steht eine Idee als Gerüst und dazu gesellen sich dann kleine Gags, die sich im Verlaufe einer Saison verändern – sozusagen in Zusammenarbeit mit dem Publikum.»

Als Kind habe er zwar davon geträumt, Schiffskapitän zu werden und Häfen faszinieren ihn nach wie vor sehr, aber er ist dem Zirkus treu geblieben – mit kleinen Abstechern. Zum Beispiel auf den Bildschirm etwa zu «Verstehen Sie Spass» und «Teleboy» oder auf die Kinoleinwand, unter anderem im Streifen «Die Schokoladenschnüffler» und auf die Theaterbühne. 1984 inszenierte Jiri Menzel mit ihm, Pipo, Rolf Knie und Valentina das Spektakel «Wir machen Spass», das im Zürcher Schauspielhaus Première hatte und dann auf weiteren Bühnen viel Erfolg.

«Wir verstehen uns ausgezeichnet»

Sein künstlerischer Mittelpunkt aber ist die Zirkusmanege. Nach der Schulzeit, die er in Zürich absolvierte, war er als 14-Jähriger erstmals mit der familieneigenen «Arena Orealis» durch die Schweiz getingelt – also noch ohne Chapiteau in einer Openair-Manege. 1968 und 1969 waren seine ersten Saisons im Aargauer Circus Nock, damals zusammen mit seiner Mutter. 1988 und 1989 dann hatte das Duo Gaston und Pipo das Nock-Publikum zum Lachen gebracht und in dieser Saison ist Gaston zum dritten Mal Gast beim «Nock». Seit zwölf Jahren steht er nun mit Roli in der Manege: «Ein wunderbarer Partner. Wir verstehen uns ausgezeichnet.» Nach unter anderem im Welschland – wo Gaston im April seinen 60. Geburtstag feierte – im Bündnerland und Tessin hat der «Nock» sein Chapiteau noch heute und morgen in Windisch stehen.

Lob fürs Schweizer Publikum

Am 1. November wird in Luzern die Dernière sein. Die zwei Wochen bis zum Probenbeginn für den Circus Conelli, von dem er und Roli seit vielen Jahren fester und sehr beliebter Bestandteil sind, verbringen Gaston und seine Lebenspartnerin Evelyne an ihrem festen Wohnsitz in Arbon. «Und im Januar machen wir Ferien – zum ersten Mal seit einem Dutzend Jahren. Wir fahren nach Thailand – Sonne, Meer, gutes Essen, Elefantenreiten.» Gastons Augen hinter den Brillengläsern glänzen vor lauter Vorfreude. Sie glänzen aber auch, wenn er vom Schweizer Publikum schwärmt: «Es sind feinfühlige Connaisseurs.» Eine Beschreibung, die auch auf Gaston zutrifft, ist er doch einer der die Komik auf subtile Art beherrscht, der sensibel auf sein Publikum reagiert und der bei aller Beliebt- und Bekanntheit sich selber treu, sympathisch und bescheiden geblieben ist.

Weitere Infos auf www.nock.ch

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