Es begann offenbar alles mit einem Autounfall: Vor 13 Jahren fuhr der Kroate Zeljko (alle Namen geändert) betrunken in ein anderes Fahrzeug, seinem Versicherer schuldet er deshalb noch 100'000 Franken. Um die Rechnung zu zahlen, kam er auf die Idee, Zigaretten in die Schweiz zu schmuggeln und hier teurer zu verkaufen. 2000 Stangen hat das Zollamt insgesamt beschlagnahmen können, 72'000 Franken schuldet er diesem nun. Statt dem sich häufenden Schuldenberg auf legalem Weg zu stellen, wählte Zeljko – der stets Vollzeit arbeiten ging – wieder das Delikt: Warum nicht Drogen weiterverkaufen, um schneller an Geld zu kommen?

Dass auch diese Idee keine gute war, zeigte sich spätestens jetzt: Zeljko musste sich diese Woche vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten. Angeklagt wurde er wegen Drogenhandels und Verstoss gegen das Waffengesetz. Von Juni bis Oktober 2017 verkaufte er total 324,7 Gramm Kokaingemisch, 175,3 Gramm fand die Polizei zusätzlich in seinem Keller sowie im Luxusauto, das im Namen seiner Ex-Frau registriert ist. Gekauft hatte er das Kokain offenbar in Zürich. In Birr erwarb Zeljko noch 500 Gramm Marihuana, um es weiterzuverkaufen. Dazu half er seinem bereits wegen Drogenhandels verurteilten Sohn, eine Indoor-Hanf-Plantage zu errichten. Zudem hat er ohne Waffenschein eine Pistole besessen und man fand bei ihm zwölf Schlagringe, die er ohne Bewilligung in die Schweiz gebracht hatte.

Nicht legal aus der Krise gekommen

Die Staatsanwaltschaft forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 34 Monaten sowie zehn Jahre Landesverweis. 1990 war der Kroate als 23-Jähriger in die Schweiz gekommen. Sein Deutsch ist so schlecht, dass ein Dolmetscher zur Verhandlung beigezogen wurde. Vor dem Gesamtgericht zeigte sich der Beschuldigte wortkarg, gefasst und geständig. Er habe aus der finanziellen Krise rauswollen, legal wäre das nicht gegangen, sagte er.

Sein Anwalt versuchte noch, ihn als «nicht notorischen Verbrecher» darzustellen, sondern «als einen Depp», der sich zu idiotischen Taten verleiten liess, weil er für seine Familie und seinen anderen, behinderten Sohn etwas tun wollte. Ein Landesverweis sei zudem kontraproduktiv, denn ohne Schweizer Lohn würde er seine Schulden kaum abzahlen können.

Die Argumentation überzeugte das Gericht nicht: Es entschied mehrheitlich für 32 Monate Freiheitsstrafe, davon die Hälfte bedingt während fünf Jahren. Alle Kosten gehen zulasten von Zeljko und er darf für ebenfalls fünf Jahre die Schweiz und sogar den ganzen Schengen-Raum nicht betreten, solange Kroatien noch nicht dazugehört. Da Zeljko aus seinen früheren Verfehlungen nichts lernte, sollen die 16 Monate im Gefängnis «gewisse Überlegungen bei ihm auslösen», so das Gericht.

Kroate muss raus, Italiener nicht

Anders als Zeljko, der laut eigenen Angaben nie Drogen konsumierte, hat der um acht Jahre jüngere Paolo Kokain an Bekannte vermittelt, um seine Sucht zu finanzieren. Da Paolo und Zeljko zusammen auf Verkaufstour gingen, wurden beide Fälle gemeinsam behandelt. Paolo hat offenbar 30 Gramm weitergegeben und 40 Gramm selber geschnupft. Er wurde weiter angeklagt wegen Einbruchs und Diebstahls in einem Keller in Wettingen, Zugfahren ohne Billett und Aufbewahren eines ohne Bewilligung aufgenommenen Gesprächs. Ein Bekannter hatte ihm eine selbst gemachte Tonaufnahme seines Verhörs vor der Polizei ungefragt zugeschickt. Dieser wollte offenbar zeigen, wie «cool» er sich da verhalten habe, sagte Paolo. Weil er die Audiodatei aber nicht löschte, machte er sich strafbar.

Am meisten diskutiert wurde der Fall eines Velos, das Paolo gemäss seinen Angaben einem Bekannten für 80 Franken abgekauft hatte. Dasselbe Velo war aber zuvor aus einem Keller geklaut worden, in dem man Blutspuren von Paolo fand. Vor Gericht bestand er darauf, nie etwas gestohlen zu haben. Er habe aber einmal geholfen, gebundene Kartonschachteln in diesen Keller hinunterzutragen, und sich dabei geschnitten – daher das Blut. Die Polizei hat aber am Tag eines Einbruchalarms die frischen Blutspuren am Boden gefunden. Für einen Schuldspruch bezüglich des Velo-Diebstahls reichte die Beweislage dem Gericht nicht aus. Paolo wurde aber einstimmig schuldig gesprochen wegen Hehlerei und eines späteren Einbruchs mit Sachbeschädigung in besagtem Keller, von dem er aber nichts klaute. Auch bezüglich der illegalen Audiodatei, des Schwarzfahrens und der Drogendelikte kannte das Gericht kein Pardon.

Seine Strafe: 14 Monate Gefängnis und 200 Tagessätze à 50 Franken, bedingt während fünf Jahren. Drei Viertel der entstandenen Kosten muss er zahlen. Er erhält keinen Landesverweis, was grosse Erleichterung bei ihm auslöste. Paolo, der in der Schweiz geboren und als Kind offenbar sexuell missbraucht und geschlagen wurde, hat sich in eine stationäre Therapie begeben. Er hat zudem einen Arbeitsvertrag ab Juni, will dieses Jahr heiraten und hat noch eine Herzoperation vor sich. Das Gericht wollte ihm bei seinem eingeschlagenen, positiven Weg keine Steine in den Weg legen. Die bedingte Strafe solle aber wie ein Damoklesschwert über ihm hängen, damit er auf diesem Weg bleibt.