Windisch/Brugg

Der doppelte Briner: Einwohnerratskandidat schreibt unter Pseudonym

«Hans Peter Briner»?! SVP-Einwohnerratskandidat Frederik Briner (rechts) schreibt Leserbriefe unter dem Pseudonym Hans Peter Schär (Montage links).

«Hans Peter Briner»?! SVP-Einwohnerratskandidat Frederik Briner (rechts) schreibt Leserbriefe unter dem Pseudonym Hans Peter Schär (Montage links).

Frederik Briner war mal SP-Grossrat, jetzt ist er Windischer SVP-Einwohnerratskandidat. Manchmal ist er aber auch Hans Peter Schär und schreibt Leserbriefe. Für die SVP ist Briners Doppelrolle kein Problem.

Frederik Briner kandidiert auf der Liste der SVP für den Einwohnerrat Windisch. Erstaunlich: In den 70er-Jahren sass er vier Jahre für die SP im Grossen Rat.

Briner ist in der Region nicht nur als Psychologe, sondern auch als langjähriger Hochseeskipper, vor allem aber als Leserbriefschreiber bekannt. Leserbriefe und Reaktionen auf Onlineartikel publiziert er regelmässig, zu verschiedensten Themen. Recherchen der az zeigen nun: Viele davon veröffentlichte Briner nicht unter seinem Namen, sondern unterschrieb sie mit «Hans Peter Schär, Brugg».

Irrungen und Wirrungen

Unter diesem Pseudonym – in Brugg wohnt kein Hans Peter Schär – kritisierte Briner den Brugger Stadtrat, die Kosten für den Campussaal, Regierungsrätin Susanne Hochuli, das Kreiselbuch von alt Regierungsrat Peter C. Beyeler oder die Raiffeisenbank Wasserschloss. Dazu hielt er unter anderem fest: «Meine Erfahrung ist, dass ich als Genossenschafter zu den wesentlichen Entscheidungen gar nichts zu melden habe» – auch damals unter falschem Namen. Bei der Bank rätselte man, wer den Leserbrief verfasst haben könnte – denn einen Genossenschafter namens Hans Peter Schär gibt es offensichtlich nicht.

Briner oder Schär am Telefon

Auf die Leserbriefe unter falschem Namen angesprochen, behauptet Frederik Briner: «Hans Peter Schär ist mein Cousin, der in Brugg wohnt.» Dass Briner und Schär ein- und dieselbe Person sind, lässt sich aber leicht feststellen. Wer ihn auf seinem Handy anruft, hört ein «Hallo». Mehr ist ihm nicht zu entlocken. Auf die Frage des Anrufers: «Spreche ich mit Herrn Schär?», lautet die Antwort: «Ja, ich bin Hans Peter Schär.»

Wer dagegen fragt: «Spreche ich mit Herrn Briner?», der telefoniert von diesem Moment an mit Frederik Briner. Geht das Gespräch dann in die Details, erfährt man von Briner oder Schär: «Manchmal benutze ich das Handy meines Cousins, ich habe auch schon Leserbriefe von seinem Computer aus gesandt.»

Eines fällt jedoch auf: Briner und Schär nutzen dieselben Handys und Computer: Telefonnummern und IP-Adressen sind identisch. Dies zeigte sich, als Frederik Briner und Hans Peter Schär kurz nacheinander denselben Online-Artikel auf aargauerzeitung.ch kommentierten.

«Kein Problem» für die SVP

Bernhard Stüssi, der für die SVP den Wahlkampf in Windisch koordiniert, wusste bisher nichts davon, dass Briner Leserbriefe unter falschem Namen schreibt. Von der az darauf angesprochen, erklärt Stüssi: «Das ist seine Sache, solange dies nicht im Namen der Partei passiert.» Der SVP-Wahlleiter ergänzt mit Blick auf Briner: «Jeder muss seine Tätigkeit selber verantworten.»

Auch der Wechsel von Frederik Briner von der SP zur SVP ist für Bernhard Stüssi kein Problem: «Jeder Mensch kann seine Meinung zum Besseren ändern.»

Briner bei der az gesperrt

Seit die az von Briners Vorgehen weiss, wurde er gesperrt. az-Brugg-Ressortleiterin Claudia Meier sagt: «Inhaltlich waren die Leserbriefe in Ordnung, er griff Themen auf, die in der Region diskutiert werden.» Leserbriefe unter falschem Namen werden in der az jedoch nicht akzeptiert. Online-Kommentare mit Pseudonym sind möglich, wenn sie keine rassistischen Aussagen, Beleidigungen oder Drohungen enthalten. Bevor ein Kommentar auf der Website erscheint, muss er von der Online-Redaktion geprüft und freigeschaltet werden.

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