Man kann es drehen und wenden, wie man will: Dass sich die Betriebsbeiträge für den Campussaal von 300'000 Franken auf total 600'000 Franken verdoppeln, ist unschön. Aus ihrem Ärger machten die Einwohnerräte in Brugg und Windisch denn auch keinen Hehl. Trotzdem genehmigten sie die Zusatzkredite für die nächsten fünf Jahre (Brugg maximal 190'000 Franken; Windisch maximal 110'000 Franken) - zähneknirschend zwar, aber mit überwältigendem Mehr.

Die Einwohnerräte haben richtig entschieden. Denn der Campussaal ist gebaut. «Was will man machen?», fragte ein Anwesender am Rand der öffentlichen Informationsveranstaltung Ende Januar. «Bei einem Nein kann man die Campussaal-Türen gleich zunageln. Macht das Sinn?» Sicher nicht. Niemandem nützt ein Campussaal, der nicht starten kann und dessen Betrieb ohne die höheren Beiträge von Beginn weg ungenügend finanziert ist. Die Hypothekarschuld muss sowieso verzinst und amortisiert werden. Im Nachhinein ist man immer klüger. Natürlich wäre es besser gewesen, die Abschreibungen gleich von Anfang an korrekt zu verbuchen. Dann wäre ein Urnengang kein Thema.

Trotz allem: Der Campussaal verdient eine Chance am 3. März. Er wird er für die Region Brugg-Windisch ein Gewinn sein: Er befindet sich gut erschlossen an einer geografisch exzellenten Lage im Herzen der Schweiz zwischen Baden und Aarau, zwischen Zürich und Basel. Mit seiner mobilen Raumtrennung und einer Saalgrösse für bis zu 600 Personen sowie mit einer modernen Ausstattung und einer massvollen Preispolitik kann er mit klugen Inhalten gefüllt werden. Er kann sich positionieren, auch wenn die Konkurrenz der arrivierten Häuser gross ist, man denke an das Trafo in Baden oder an das Kultur- und Kongresshaus in Aarau. Für Unternehmen, Verbände sowie Organisatoren von kulturellen Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen bietet der Campussaal in der Region Brugg-Windisch neue Möglichkeiten.

Werden die Betriebsbeiträge für fünf Jahre genehmigt, entsteht eine solide Basis und es können erste Erfahrungen gesammelt werden. Gleichzeitig bleibt es möglich, den Betreibern genau auf die Finger zu schauen. Denn klar besteht ein unternehmerisches Risiko, klar gibt es Unsicherheiten. Nicht alle Details sind bekannt, nicht die hinterste und letzte Zahl liegt vor. Selbstverständlich muss es gelingen, die Region einzubinden. Aber erst nach den ersten Betriebsjahren wird klar sein, welche Kulisse der Campussaal bietet und was die Betreiber leisten können.

Fest steht: Mit dem Campus erhält Brugg-Windisch eine einmalige, eine historische Chance. Im neuen Hochschulquartier mit den Fachhochschulen Technik, Wirtschaft und Pädagogik werden schon bald um die 3000 Studierenden ein und aus gehen, ebenso Seminar- und Weiterbildungsbesucher sowie Mitarbeiter. Dieser grosse und stolze Hochschulstandort wird die Region massgebend prägen, wird die Namen Brugg und Windisch weit hinaustragen und wird für zahllose Impulse sorgen. Zum attraktiven, prosperierenden Bildungsplatz gehört - mittendrin - der Campussaal. Trotz einiger offener Fragen verdient die Vorlage ein Ja. Es gilt die Chancen zu sehen, nicht nur die Risiken und Kosten - damit ein Bildungs-, Tagungs- und Kulturzentrum mit Ausstrahlung entstehen und am 19. Oktober dieses Jahres eröffnet werden kann.