Brugg-Windisch

Der Campusbrand bei der FHNW hat ein juristisches Nachspiel

25 Millionen Franken kosten die Folgen des Feuers im Neubau des Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Gebäudeversicherung will nicht alles bezahlen. Jetzt müssen die Richter entscheiden.

Um 22.08 geht die Meldung ein: Im Neubau des Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ist am 10. April 2013 ein Brand ausgebrochen. 178 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. Der Schaden ist riesig: 25 Millionen Franken. Der grösste Brandschaden in der Geschichte der Aargauischen Gebäudeversicherung AGV.

Ursprünglich ging auch die Gebäudeversicherung davon aus, den Schaden selbst übernehmen zu müssen. Jetzt zeigt sich aber: Der Fall ist bis heute nicht abgeschlossen und beschäftigt nun die Justiz. Im Sommer kommt es vor dem Spezialverwaltungsgericht zur Verhandlung im Rechtsstreit zwischen der Gebäudeversicherung und dem Bauunternehmen HRS Real Estate.

Das Gericht muss beurteilen, ob die von der AGV vorgenommene Kürzung der Versicherungsleistung rechtens ist. «Wir haben bisher nicht den vollen Betrag bezahlt», bestätigt Peter Schiller. Zahlen will der AGV-Abteilungsleiter mit Verweis auf das laufende Verfahren keine nennen. Fest steht: Von den 25 Millionen Franken muss die Gebäudeversicherung nur einen Teil übernehmen. Zwei Drittel der Schadenssumme übernimmt der Interkantonale Rückversicherungsverband.

Gekürzte Versicherungsleistung

«Wir müssen grundsätzlich immer prüfen, inwiefern die Eigentümer eine Mitverantwortung am Schaden tragen. Das sind wir den Versicherten schuldig, davon profitieren letztlich alle», sagt Peter Schiller. 2014 schrieb Jürg Walti, Leiter im Rechtsdienst der Gebäudeversicherung, in einer Beilage des Geschäftsberichts: «Nur wenn eine vernünftige Aussicht auf Erfolg besteht, prozessiert die AGV gegen den Verantwortlichen für einen Brand.» In rund 30 von 1000 Schuldfällen werde eine Klage eingereicht.

Aufgrund einer externen Rechtsabklärung entschloss sich die Gebäudeversicherung, im Fall des Campus-Brands die Versicherungsleistungen zu kürzen. Gegen diesen Entscheid wehrte sich die HRS Real Estate mit Beschwerde beim Spezialverwaltungsgericht. Das Bauunternehmen will angesichts des laufenden Verfahrens keine Stellung nehmen.

Ungeklärte Brandursache

Trotz zweier Gutachten wurde die Brandursache nie zweifelsfrei geklärt. Ausgeschlossen werden konnte lediglich eine technische Ursache. Wahrscheinlichstes Szenario: Selbstentzündung. Demnach haben ölgetränkte Lappen, die für Parkettarbeiten verwendet wurden, den Brand ausgelöst, indem sie sich selbst entzündeten. Im November 2013 sistierte die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie Sprecherin Elisabeth Strebel auf Anfrage bestätigt. Eine Verletzung der Sorgfaltspflicht konnte trotz zahlreicher Einvernahmen niemandem nachgewiesen werden. Sollte es neue Erkenntnisse geben, kann die Untersuchung jederzeit wieder aufgenommen werden. Verjährt ist der Fall erst nach spätestens 15 Jahren; definitiv eingestellt wird das Verfahren somit 2028.

Für den Kanton Aargau hatte der Brand des Campus bislang keine finanziellen Folgen. Und dies dürfte nach Einschätzung des kantonalen Finanzdepartements auch so bleiben – unabhängig vom Ausgang des anstehenden Gerichtsverfahrens. Das Risiko, dass ein Teil des Schadens an den Kanton weiterverrechnet werde, erachte Immobilien Aargau als gering, sagt Claudia Penta, Sprecherin des Finanzdepartements. Der Grund: Die Liegenschaft war zum Zeitpunkt des Brandes im Eigentum der HRS Real Estate. «Vorbehältlich des Gerichtsentscheids ist das Finanzdepartement klar der Meinung, dass keine Kosten auf den Kanton zukommen.»

Reaktionen zum Brand im Campus

Reaktionen zum Brand im Campus. (Archiv)

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Autor

Manuel Bühlmann

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