Hausen
Der «Böse Onkel»-Regisseur arbeitet am nächsten Grossprojekt

Regisseur Urs Odermatt will mit dem No-Budget-Film «Kora» die Zuschauer so richtig herausfordern. Und einen Gegenpol zum Mainstream setzen. Zurzeit sucht er für den Film Drehplätze.

Ursula Burgherr
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Machen innovative Spielfilme jenseits des Mainstreams – Regisseur Urs Odermatt und Produzentin Jasmin Morgan.

Machen innovative Spielfilme jenseits des Mainstreams – Regisseur Urs Odermatt und Produzentin Jasmin Morgan.

zvg

An Urs Odermatts Spielfilm «Der böse Onkel» über einen Sportlehrer, der sich an seinen Schülerinnen vergreift, schieden sich die Geister. Nun geht der Regisseur mit einem neuen Streifen in die Startlöcher: «Kora» erzählt die Geschichte einer verschlissenen Theatertruppe in einem maroden Schauspielhaus und pendelt zwischen armseligem Kleinstadt-Alltag und episch in Szene gesetzten Tagträumen der Akteure hin und her. Noch temporeicher, stilistisch unkonventioneller und frecher soll das Werk werden als sein Vorgänger. Und den Zuschauer vor echte Herausforderungen stellen.

Das neue Produktionsbüro des Vereins Kulturwerkstatt Nordwest, der für den Film «Kora» verantwortlich zeichnet, liegt in einer leerstehenden Liegenschaft in Hausen. Beim Besuch der Journalistin wertet Odermatt gerade die Castings aus, die kürzlich im FHNW-Campus Brugg-Windisch und im Europäischen Theaterinstitut Berlin stattfanden.

2500 Bewerbungen für den Film

Rund 2500 Bewerbungen von Schauspielerinnen und Schauspieler aus dem deutschen Sprachraum trafen dazu ein. «Vielen, die vorgeladen wurden, zitterten ganz schön die Knie», erzählt Produzentin Jasmin Morgan. Denn die Anforderungen vom «Kora»-Regisseur und -Drehbuchschreiber Odermatt sind hoch – er ist ein kompromissloser Perfektionist.

«Sämtliche Beteiligten arbeiten ohne Entgelt. Es steckt also kein Kalkül oder Kommerzdenken hinter unserer Produktion, sondern nur pure Leidenschaft. Unser einziger Lohn ist der perfekte Film», sagt der in Windisch wohnhafte Odermatt zum No-Budget-Projekt.

Schon «Der böse Onkel» wurde nach diesem Konzept produziert. «Uns gelang es, einen Kinofilm zu machen, der nach einem 4-Millionen-Etat aussieht, effektiv aber nur 68'000 Franken kostete», schildert der mehrfach preisgekrönte Cineast und fügt hinzu: «Das hat uns in der Filmbranche viel Neid eingebracht.»

Er zeigt sich selbstbewusst, dieses Husarenstück ein zweites Mal zu schaffen. Man darf also gespannt sein, ob der Aufwand im geschätzten Gegenwert von 2 Millionen Franken, den Morgan im Briefing veranschlagt, wiederum durch das Commitment von Freiwilligen, Sponsoren und Gönner gedeckt werden kann.

Drei Filme in einem

Zurzeit werden für «Kora» Drehplätze gesucht. Während «Der böse Onkel» vorwiegend im Aargau spielte, weitet sich jetzt der Radius auf ganz Europa aus. Einerseits für das von der Abrissbirne bedrohte Theater, in dem die Schauspielercrew mit ihrem letzten Stück «Kora» verzweifelt auf die lebensrettende Chance hofft; und andererseits für die Tagträume von Ruhm und grossem Kino, die in den Köpfen der erfolglosen Darsteller ablaufen.

Eine dritte Ebene des Films bezeichnen Morgan und Odermatt als «Klugscheissereien»: Eingespielt werden reale und fingierte Interviews, Debatten und Streitereien zur geplanten Theaterschliessung nach dem Motto: «Ich habs schon immer gewusst».

Mit «Kora» setzt Urs Odermatt einmal mehr einen Gegenpol zum Mainstream. Er zielt nicht auf Zuschauer-Gefälligkeit hin. «Ich arbeite aus meiner tiefen inneren Überzeugung heraus», verkündet er mit einem Schuss Künstlerarroganz. Die Premiere von «Kora» ist auf Ende 2016 vorgesehen.

Mehr Infos zum geplanten Film «Kora» finden Sie hier.