Rekrutierungszentrum Windisch

Der Biskuitzähler wird Befehlshaber – bei der Kommandoübergabe gab es etwas zum Schmunzeln

Markus Elsener, der Chef des Rekrutierungszentrums in Windisch, hat am Dienstag das Kommando seinem Nachfolger übergeben. Der sorgte für einige Lacher.

Militärische Kommandoübergaben folgen einem strikten Ablauf. Vereinfacht in Kurzform: Anmelden, Fahnenübergabe, Abmelden. Mit Fahnenmarsch und Nationalhymne. Gestaltungsraum bleibt allerdings dazwischen – dort, wo gesprochen wird. Und das wurde gestern in Windisch, in der Sporthalle des Rekrutierungszentrums, ausgenutzt.

Eingeladen hatte Oberst Markus Elsener, der das Kommando nach drei Jahren übergab, um in Bern eine neue Aufgabe anzunehmen: Bereits seit 1. Dezember wirkt Elsener im Personalbereich Verteidigung als Leiter Vorgaben und Laufbahnplanung Berufsmilitär.

Disziplin und Gelassenheit

Der Abschied aus dem Aargau fiel ihm dennoch schwer, wie er vor den rund 100 geladenen Gästen betonte: «Für mich war die Führung des Rekrutierungszentrums eine edle, verpflichtende und befriedigende Aufgabe.» 46'000 Stellungspflichtige absolvierten von 2014 bis 2017 die Aushebung unter dem Kommando Elseners. Das habe «Geduld, Durchhaltefähigkeit, Disziplin und manchmal auch etwas Gelassenheit gebraucht». Man erinnerte sich etwa an den Studenten Severin Hallauer, der 2015 als «unbekleidete und ungeschlechtliche» Kunstfigur, von Kopf bis Fuss weiss bemalt, die Genitalien mit Latex und Schminke verdeckt und unkenntlich gemacht, zur Rekrutierung angetreten war. Hallauer erreichte sein Ziel, eine Diskussion über die Geschlechterrollen anzuregen, absolvierte gleichzeitig die Tests erfolgreich und wurde als zivildiensttauglich eingestuft.

Seinem Nachfolger, Oberst Jörg Hauri, wünschte Elsener alles Gute und viel Erfolg: «Du darfst dich auf deine neue Tätigkeit freuen!», versprach er. Die Aargauer Militärdirektorin Franziska Roth lobte die Arbeit Elseners. Er sei die ideale Besetzung und ein stets verlässlicher Partner gewesen: «Wir lassen Sie ungern ziehen», sagte Roth. Und die Adresse von Nachfolger Hauri: «Wir kennen Sie noch nicht, aber wir haben schon sehr viel Gutes gehört.» Es sei der gemeinsame Auftrag der acht Kantone, die das Rekrutierungszentrum Windisch tragen, und des Bundes, «die besten Leute für die Armee gewinnen zu können». Sie sage bewusst «gewinnen» und nicht «rekrutieren», denn es müsse gelingen, die Jungen wieder vermehrt für den Militärdienst zu motivieren und zu begeistern.

Seit 30 Jahren bei der Armee

Jörg Hauri, 54-jährig, aufgewachsen in Egerkingen, ist seit 30 Jahren als Berufsmilitär angestellt. Er hatte die verschiedensten Kommandos inne, zuletzt leitete er die Rekrutenschule in Dailly VD. Heute schliesse sich für ihn der Kreis: «Jetzt stehe ich wieder ganz am Anfang, bei der Rekrutierung.» Er erinnerte sich sogleich an seine eigene Aushebung, damals in Balsthal. Hauri wäre am liebsten Grenadier geworden, doch der Wunsch blieb ihm wegen einer auf Röntgenbildern dokumentierten Verletzung verwehrt. Schliesslich wurde er als Magazinsoldat den Versorgungstruppen zugeteilt. «Da könne ich Biskuits zählen, haben sie gesagt. Ich habe mich geschämt!» Heute sei er jenem Aushebungsoffizier aber von Herzen dankbar, dass er ihm überhaupt eine Funktion in der Schweizer Armee übertragen habe. Und manchmal denke er: «Wenn der wüsste, dass jetzt ein Biskuitzähler an seiner Stelle steht – er hätte sicher seine Freude!» Im Saal holte Hauri damit viele Lacher und Sympathien.

Im Mai wird das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau zügeln. Es sei alles «ziemlich gut vorbereitet», versicherte der neue Kommandant.

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