Mit Meinrad Henzmann und Therese Brändli interessieren sich in Bözberg gleich zwei Kandidaten für das Amt des Gemeindeammanns und somit für die Nachfolge von Peter Plüss, der sich bei den Gesamterneuerungswahlen vom 24. September nicht mehr zur Wahl stellt.

Und obwohl beide Kandidaten im kleinen Ortsteil Linn wohnen, kennen sie sich nicht persönlich, gesteht Henzmann. Der 62-Jährige lebt seit 2001 in Linn und gehörte zuerst der Schulpflege sowie von 2004 bis 2008 – fünf Jahre vor der Bözberger Fusion – dem Gemeinderat an. Weil mit Beginn der Finanzkrise 2008 intensiver Einsatz am Arbeitsplatz gefordert war und die Zeit für ein politisches Mandat fehlte – er hätte sich bei jeder zweiten Sitzung entschuldigen lassen müssen –, trat er zurück.

«Wir haben ein kleines Dorf als Wohnort gewählt und da muss man einfach mitmachen», sagte Henzmann vor vier Jahren gegenüber der AZ. Damals kandidierte er als Sprengkandidat für den Gemeinderat. Vakanzen gab es keine. Der Adressen-Streit tobte. Bei einem absoluten Mehr von 246 Stimmen erreichte Henzmann 153 Stimmen.

Heute sagt er zu seiner damaligen Kandidatur: «Es gab ein paar Leute, die sich von der Gemeinde übergangen fühlten. Ich wurde zur Kandidatur ermuntert. Aus der Distanz betrachtet muss man sagen, dass man sich vor der Fusion etwas mehr hätte engagieren und gewisse Themen hinterfragen sollen.» Eine Gemeindefusion sei kein Geschenk, das einem auf dem Silbertablett präsentiert werde. «Durch den Zusammenschluss wurde das Leben aber auch nicht etwa schlechter», betont er.

Mit dem Job fiel der Druck weg

Meinrad Henzmann sitzt bei einem Glas Wasser am Stubentisch. Er spricht ruhig und mit feiner Stimme. In der Ecke liegt der belgische Schäferhund Arno. Er sei schon 12 Jahre alt und könne nicht mehr so weit wie früher laufen, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Der Ammann-Kandidat ist in Olten aufgewachsen und absolvierte eine Lehre in der Maschinenindustrie in Zürich. Später arbeitete er während 25 Jahren in der Informatik bei einer Grossbank im Kanton Waadt, wo er auch seine Frau kennenlernte und eine Familie gründete. Im Rahmen einer Umstrukturierung wurde sein Arbeitsplatz ab 2001 nach Zürich verlegt.

Henzmanns suchten einen neuen Wohnort in der Natur, von wo man in einer halben Stunde nach Zürich gelangt. In Linn wurden sie fündig und bauten ein Haus. Die Kinder hatten einen kurzen Schulweg. Da seine Frau aus der Westschweiz stammt, wird im Hause Henzmann noch immer viel französisch gesprochen. Nach einer weiteren Reorganisation mit Stellenabbau – seine Kernaufgaben wurde nach Indien ausgelagert – wurde Meinrad Henzmann von der Grossbank 2013 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. «Dadurch ist bei mir viel Druck weggefallen», sagt der 62-Jährige.

Seither kümmert er sich mit Leidenschaft um Haus und Garten sowie ums Kochen. Sohn David führt in Würenlingen ein Geschäft, das multimediale Dienstleistungen anbietet. Über seinen Vater, der ihn im administrativen Bereich unterstützt, sagt der Junior: «Für Tipps und Tricks war mein Vater immer zu haben. Er warf immer ein Auge auf meine Geschäfte, damit gewisse Fehltritte verhindert werden konnten.»

Der Dorfcharakter muss bleiben

In Linn engagiert sich Henzmann als Aktuar im Dorfverein und als Rechnungsrevisor im Verein Pro Linn. Er würde es begrüssen, wenn die Bevölkerung noch mehr miteinander macht und sich die anderen aktiven Vereine in der Gemeinde gegenseitig einladen.

Für das Amt als Gemeindeammann bringt Henzmann viel Zeit, Führungserfahrung sowie analytische Fähigkeiten mit. Die Gemeinde sei gut aufgestellt, die Finanzen in Ordnung, es gehe lediglich ums Feinjustieren, sagt er. Der familienfreundliche Dorfcharakter von Bözberg müsse unbedingt erhalten bleiben, die Gemeinde langsam wachsen. Dies gelte es bei der Revision der Bau- und Nutzungsordnung zu berücksichtigen. Den Gewerbetreibenden – und dazu gehören für Henzmann auch die Landwirte – müsse man Sorge tragen und sich für gute Rahmenbedingungen einsetzen.

Fühlt sich ungerechnet behandelt

Gemeindeammann Peter Plüss wird zudem sein Amt als Co-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost niederlegen. Henzmann betont die Wichtigkeit, dass die Gemeinde in diesem Gremium engagiert bleibt. «Plüss hinterlässt mit seinem Abgang hier eine grosse Lücke, die man nicht von einem Tag auf den anderen ausfüllen kann.»

Als Ammann-Kandidat hatte Henzmann auch bei der Findungskommission vorgesprochen. Diese habe aber über seine Kandidatur nicht entschieden, sagt er. Als er dann sah, dass im amtlichen Mitteilungsblatt eine Wahlempfehlung für Therese Brändli und für Thomas Obrist (als Vizeammann) abgegeben wird, fühlte sich der Parteilose ungerecht behandelt.

«Ich habe mit wenigen Klicks im Internet herausgefunden, dass diese Art von Propaganda durch die Gemeinde nicht erlaubt ist. Warum das die Kommission nicht realisierte, in der sich viele ehemalige Behördenträger engagierten, ist mir ein Rätsel», so Henzmann. Er reichte daraufhin beim Kanton eine Beschwerde ein und erhielt teilweise recht. Zwar werden die Wahlen nicht verschoben, aber der Kanton rügte die Gemeinde.