Villnachern

Der Bahnlärm stört: Was kann die Gemeinde dagegen tun?

Eine Lärmschutzwand – wie hier im Raum Baden – bringt gemässGemeinderat Villnachern eine sofortige Verbesserung.Archiv/Wal

Eine Lärmschutzwand – wie hier im Raum Baden – bringt gemässGemeinderat Villnachern eine sofortige Verbesserung.Archiv/Wal

Der Bahnlärm sorgt in Villnachern seit längerem für Gesprächsstoff in der Bevölkerung. Laut Kanton werden die Grenzwerte aber eingehalten. Wie geht es weiter?

Noch ist das Thema Eisenbahnlärm nicht vom Tisch in Villnachern. «Abwarten», heisst die Devise – zumindest vorläufig. Oder wie es Gemeinderat Donat Gubler ausdrückt: «Wir haben getan, was möglich war. Wir konnten ein Zeichen setzen und unsere Anliegen bei den zuständigen Stellen deponieren. Dort ist jetzt bekannt, dass wir zu kämpfen haben. Mehr ist im Moment nicht möglich.»

Spitzenwerte sind problematisch

Rückblick: Der Bahnlärm sorgt in Villnachern seit längerem für Gesprächsstoff. «In unserem Gemeindegebiet, vor allem im westlichen Dorfteil, sind weite Teile betroffen», verdeutlicht Gubler. Während der öffentlichen Auflage der Projektunterlagen für die Sanierung der Gleise-Infrastruktur, die inzwischen abgeschlossen ist, bildete sich eine Gruppierung. Diese setzte sich gegen die Lärmimmissionen ein und lancierte im Jahr 2011 eine Unterschriftensammlung. Knapp 400 Einwohner nahmen daran teil. Der Gemeinderat wurde beauftragt, aktiv zu werden. «Es handelt sich um ein breit abgestütztes Begehren, das nicht einfach ignoriert werden darf», weist Gubler auf die Bedeutung hin.

Lärmmessungen, die der Kanton im Jahr 2012 durchführte, ergaben allerdings, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte gemäss Lärmschutzverordnung eingehalten werden und somit keine zusätzlichen baulichen Massnahmen zur Verbesserung notwendig seien geschweige denn erzwungen werden können. Eine Zwängerei, so stellt Gemeinderat Gubler fest, sei sowieso nie im Sinne des Gemeinderates gewesen.

Aber: «Der Lärm wird ganz unterschiedlich wahrgenommen.» Einen grossen Einfluss habe die Windrichtung, die sich stark – und vor allem hörbar – auswirke. «Dieser Aspekt kommt bei der Berechnung und Beurteilung der Lärmimmissionen kaum zum Tragen. Es wird von optimalen Bedingungen, von Windstille ausgegangen», erklärt Gubler. Seiner Ansicht nach werden vor allem die Spitzenwerte bei den Berechnungen ausgeblendet. «Berücksichtigt wird die Anzahl Zugsdurchfahrten in einer gewissen Zeitspanne, wobei die Lärmimmission durch die Bildung eines Mittelwertes berechnet wird. Es kann bei uns allerdings praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit vorkommen, dass ein einzelner, sehr lauter Güterzug durchfährt – und die vorgegebenen Grenzwerte im Mittel trotzdem eingehalten werden.» Fazit: «Diese Situation kann zu Unzufriedenheit führen.»

Trotz Abweisung des Bundesamts für Verkehr erreichten die Villnacherer, dass der Kanton Aargau ihr Lärmschutzbegehren unterstützt. Konkret verlangt die Kantonsregierung, dass mit der Realisierung des 4-Meter-Korridors (az vom 31. Dez.) beim Tunnelbau die bestehende Lärmschutzwand bis zum Tunnelportal verlängert wird, um diese Lücke zu schliessen und das Dorf wirksam vor Lärm zu schützen.

Kosten «durchaus verkraftbar»

Anders gesagt: Mit dem geplanten Ausbau des 4-Meter-Korridors werde die Lärmsituation in Villnachern neu beurteilt, so Gubler. Bis es so weit ist, voraussichtlich ab 2016, will man deshalb abwarten – und mit dem Eisenbahnlärm leben. «Wir zählen aber auf den Kanton und rechnen fest damit, dass die bestehende Lücke dann geschlossen wird», sagt Gubler. Die Kosten für eine Lärmschutzwand erachtet er im Vergleich zum Gesamtprojekt «4-Meter-Korridor» als bescheiden und deshalb als durchaus verkraftbar.

Und was denkt der Gemeinderat über die 500 Millionen Franken, die das Schweizerische Parlament für die Förderung lärmarmer Technologien einsetzen will? Gubler glaubt nicht, dass diese Technologien kurz- oder mittelfristig wirksam werden. Deshalb setze er ganz klar auf eine Lärmschutzwand. «Eine solche bringt eine sofortige Verbesserung.»

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