Sie haben sich entschieden, Ursula (60) und Fritz (65) Amsler. Sie wollen ihren geliebten Gasthof Bären in Schinznach-Dorf verkaufen, nachdem sie jetzt ins 38. Jahr als Wirtepaar gestiegen sind und das Restaurant in vierter Generation führen. Das Alter macht sich langsam bemerkbar, ein neuer Lebensabschnitt ruft.

Mit diesem Schritt haben sie sich schwergetan. Lange haben die beiden noch darauf gehofft, dass einer der beiden Söhne, die ebenfalls in der Gastronomie tätig sind, zurück nach Schinznach-Dorf kommt und den Betrieb übernimmt. Im letzten Jahr mussten sich Amslers aber eingestehen, dass das nicht klappen wird. Und so entschieden sie sich Ende 2016 dazu, die Liegenschaft zu verkaufen. Für 1,425 Millionen Franken ist der «Bären» ausgeschrieben. Ein fairer Preis und realistisch dazu, findet das Wirtepaar. Interessenten gab es bisher ein paar, ein konkretes Angebot liegt aber noch nicht vor. «Ein Interessent hat dann abgeblockt, weil er nur an den Zimmern und nicht auch noch am Restaurant interessiert war», sagt Fritz Amsler. Er betont, dass die beiden Geschäftsbereiche – also die Hotellerie mit den Zimmern sowie das Restaurant – sich gut ergänzen. Es brauche diese beiden Standbeine, um wirtschaftlich überleben zu können.

Zukunft ist Herzensangelegenheit

Dass der «Bären» so weitergeführt wird wie bisher, ist dem Wirtepaar eine Herzensangelegenheit. Das Restaurant soll weiterbestehen. Darin einmischen, welche Küche dereinst angeboten werden soll, wollen sich Amslers allerdings nicht. «In der heutigen Zeit kann man keine Ansprüche und Bedingungen stellen», gibt Ursula Amsler zu bedenken. Wichtig ist ihnen, dass den Schinznachern das Dorf-Restaurant erhalten bleibt. Denn die Rückmeldungen aus der Bevölkerung hätten ihnen gezeigt, dass sich die Menschen Sorgen um die Zukunft der Gastroszene in Schinznach machen.

Auch der Schinznacher Gemeinderat interessiert sich für die Zukunft des «Bären». Aus diesem Grund hat er das Wirtepaar am letzten Montag an seine Sitzung eingeladen. Hintergrund: Zurzeit laufen in Schinznach Abklärungen, wie das Dorf in zehn Jahren aussehen soll. Entsprechend wichtig zu wissen ist es für die Behörden, wie sich die Infrastruktur künftig präsentieren wird.

Amslers wollen ihrem Nachfolger einen funktionierenden Gastrobetrieb hinterlassen. Auch darum werden sie den Gasthof bis zum Verkauf normal weiterbetreiben. Ihre Gäste informieren sie offen darüber, dass die Zukunft des Gasthofs unklar ist. Beispielsweise dann, wenn jemand ein Geburtstagsessen lange im Voraus anmeldet.

Für Fritz Amsler ist klar, dass der Gastrobetrieb in seinem Elternhaus auch in Zukunft Potenzial hat. «Wir haben genügend Parkplätze, die Infrastruktur ist gut, das Haus in gutem Zustand», sagt er. «Zudem könnte man mit dem Saal noch einiges mehr anstellen, als wir es gemacht haben.» Aus Ressourcengründen haben Amslers in den letzten Jahren auf spezielle Anlässe im «Bären»-Saal verzichtet.

Reisen stehen auf Wunschliste

Auf die Zeit nach der Ära «Bären» freuen sich Ursula und Fritz Amsler – obwohl mit dem Verkauf auch viel Wehmut verbunden ist. Klar ist für die beiden auch, dass sie aus der Wohnung, die sie zurzeit im «Bären» bewohnen, ausziehen werden. «Etwas Neues hat auch seinen Reiz», sagen sie. Gerne würden sie in Schinznach-Dorf wohnen bleiben. Eines aber wollen sie nach der Pensionierung unbedingt machen: reisen. Der eine Sohn wohnt in Australien. Ein Besuch in Down Under steht genauso auf der Wunschliste wie eine Reise ins Weinbaugebiet Bordeaux. «Vor allem wollen wir eines: die Freizeit geniessen», sagt Fritz Amsler. Und seine Frau Ursula ergänzt: «Wir freuen uns darauf, einfach so in die Ferien zu gehen, ohne uns um die Organisation des Betriebs kümmern zu müssen.» Die Freunde und Verwandten, vor allem auch die Enkelin in St. Moritz, sollen künftig mehr zum Zug kommen.

Ein Jahr gibt sich das Wirtepaar Amsler, um den «Bären» zu verkaufen. Gelingt es in dieser Zeit nicht, müsse man weiterschauen. Möglich ist, dass sie dann den Betrieb noch etwas länger führen, allerdings reduziert.