Schinznach-Dorf
Der 2000-Tonnen-Koloss ist bereit zum Steineknacken für den Bözbertunnel-Neubau

In den nächsten drei Wochen soll die Tunnelbormaschine bis zu ihrem Startpunkt ins Innere des Tunnels geschoben. Am 12. Juni kommt sie schliesslich zum Einsatz.

Carolin Frei (Text und Foto)
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Die 90 Meter lange Bohrmaschine wird sich ab Juni jeden Tag um etwa 22 Meter vorarbeiten.

Die 90 Meter lange Bohrmaschine wird sich ab Juni jeden Tag um etwa 22 Meter vorarbeiten.

Carolin Frei

Am Samstag luden die SBB zur Besichtigung des Bözbergtunnel-Neubaus am südlichen Portal bei Schinznach-Dorf. Um 9 Uhr, der offiziellen Begehung für die Presse, war es neblig und bitterkalt. Als kurz vor 10 Uhr die ersten Besucher in Scharen zur Baustelle strömten, lachte bereits die Sonne vom Himmel. «Mit so vielen Besuchern zu so früher Stunde hätte ich nicht gerechnet», sagte SBB-Projektleiter Thomas Zieger überrascht und erfreut. Einen Augenschein auf das grösste Einzelprojekt des 4-Meter-Korridors auf der Gotthard-Achse zu nehmen, wollten sich unzählige grosse und kleine Besucher eben nicht entgehen lassen.

«Die nächsten drei Wochen wird die Tunnelbohrmaschine Stück um Stück ins Innere des Tunnels geschoben – bis zu ihrem Startpunkt», sagte Zieger anlässlich der Begehung. Am 12. Juni kommt die mit den Nachläufern 90 Meter lange und 1920 Tonnen schwere S1012, wie sie nüchtern heisst, dann zum Einsatz.

Alleine das Schneiderad ganz vorne am Bohrkopf ist 282 Tonnen schwer. Die Bohrmaschine wird sich jeden Tag um etwa 22 Meter vorarbeiten – im 3-Schicht-Betrieb. Alle zwei Meter wird ein Ring aus Tübbing-Steinen eingebaut, die mit Spezialfahrzeugen durch die S1012 hindurch angeliefert werden. Ein Tübbing bringt stolze 18 Tonnen auf die Waage, der komplette Ring wiegt 74 Tonnen. Die Ringe werden mit Mörtel/Perlkies abgedichtet.

Das Ausbruchmaterial – gut 570 000 Tonnen – wird über ein Förderband auf die Zwischendeponie Elbis transportiert. Ab Frühjahr 2018 wird der Tunnelausbruch mittels Bahnverlad ab dem Südportal in Schinznach nach Wildegg zur Deponie Oberegg der Jura Cement Werke gebracht. «Mit LKWs wären 56 000 Fahrten nötig gewesen», unterstrich Zieger den ökologischen Vorteil des Bahnverlads. Voraussichtlich um den Jahreswechsel 2017/18 soll der Durchstich am Nordportal bei Effingen erfolgen.

12 Personen auf der Maschine

Auf der Bohrmaschine arbeiten 12 Personen. Um für Notfälle wie etwa ein Brand auf der Maschine oder Gasalarm gewappnet zu sein, wurde eine Fluchtkammer eingerichtet. Sie bietet Platz für 24 Personen und verfügt über einen autarken Luftkreislauf während 35 Stunden. Ebenfalls für Schutz für die Mitarbeitenden und der Umwelt sorgt das Entstaubungsgerät, das den entstehenden Staub mit Wasserpartikeln bindet. Angst vor Erschütterungen braucht die Bevölkerung nicht zu haben, betonte der Projektleiter, befindet sich die Baustelle doch weitab von bewohntem Gebiet. Auch für Brandfälle ist man gerüstet, mit Hydranten sowie einem Lösch- und Rettungszug.

Der Tunnelneubau drängte sich auf, weil der bestehende zweispurige Bözbergtunnel nicht 4-Meter-tauglich ist. Deshalb wird nun parallel dazu eine neue 2,7 Kilometer lange Doppelspur-Röhre gebaut. Der alte Tunnel wird künftig als Dienst- und Rettungsstollen genutzt. Fünf Notausgänge führen über Querverbindungen vom neuen zum alten Tunnel. Kostenpunkt des Bözberg-Tunnel-Projekts: 350 Mio. Franken. Die ersten Züge werden ab Ende 2020 fahrplanmässig durch die neue Röhre fahren. Bis 2022 wird dann der alte Tunnel für seine neue Aufgabe umgebaut.