Der Bauboom im oberen Fricktal hält an und die regionalen Deponien für sauberes Aushubmaterial füllen sich allmählich. Wo soll der Aushub also mittel- und langfristig hingebracht werden, ohne dass man dafür durch die halbe Schweiz fahren muss? Als die Vertreter des Regionalplanungsverbands Fricktal Regio im März 2015 ihr Ziel bekannt gaben, mindestens einen oder idealerweise zwei bis vier Deponiestandorte im kantonalen Richtplan festsetzen zu wollen, hagelte es Kritik.

In einer ersten Etappe sollten das Gebiet Buech in Herznach sowie der Standort Breiti in Hornussen als mögliche Deponien für die Aufnahme in den kantonalen Richtplan beantragt werden. Als mittel- bis langfristige Standorte könnten die Gebiete Förlig in Bözen und Hersberg in Wegenstetten im Richtplan als Vororientierung bezeichnet werden. Vor wenigen Tagen wandte sich die IG Attraktiver Standort Bözberg-West per Communiqué an die Öffentlichkeit (die az berichtete). Die IG befürchtet, dass die Deponie «Förlig» in Bözen nicht erst ab 2040 Realität wird, sondern schon viel früher, aufgrund des heftigen Widerstands in Herznach-Ueken und Hornussen. Die Medienberichterstattung gebe Anlass zu Spekulationen, hiess es nach der Publikation postwendend vonseiten Kanton und Gemeinde.

Robert Schmid, Sie sind Gemeinde-ammann von Bözen. In der Gerüchteküche brodelt es schon lange. Trotzdem hat die Gemeinde Bözen noch nie öffentlich über die Deponie-Pläne informiert. Warum nicht?

Robert Schmid: Die Evaluation für geeignete Standorte ist ein langwieriger, komplexer Prozess. Nach wie vor ist vieles unklar. Klar ist aber, dass es noch keinen Eintrag im Richtplan gibt und das Volk über das Vorhaben entscheiden kann.

Und wann darf das Volk erfahren, worum es eigentlich geht?

Wir haben an der Sommergmeind versprochen, eine Informationsveranstaltung zu organisieren. Diese findet nun am Donnerstag, 8. September, statt. An der letzten Wintergmeind wurde ein Überweisungsantrag, der eine Infoveranstaltung forderte, übrigens vom Stimmvolk abgelehnt, nachdem der Gemeinderat erklärt hatte, dass kaum Details bekannt sind.

Hätten Sie die Bevölkerung nicht besser früher aufgeklärt?

Ja. Wenn man sieht, was jetzt alles spekuliert wird, so war es ein Fehler, so lange zu warten. Einerseits wollten wir zuerst selbst mehr über das konkrete Projekt wissen. Andererseits merken wir nun, dass es nötig ist, über den bisherigen Prozess zu informieren, auch wenn über das Projekt noch nicht viel gesagt werden kann.

Können Sie nachvollziehen, dass nun viele Einwohner meinen, sie würden vor vollendete Tatsachen gestellt?

Nein, denn diese Angst ist völlig unbegründet. Es bringt doch nichts, wenn man von Anfang an eine Abwehrhaltung einnimmt. Ich erachte es als zentrale Aufgabe der Behörde, Bedingungen zu definieren und alle Fakten zu kennen, bevor wir ein Geschäft der Bevölkerung vorlegen. Wenn man weiss, wie der Prozess aufgebaut ist, sieht man, dass sich das Volk mehrmals auf kantonaler und kommunaler Ebene einbringen kann.

Eine allfällige Deponie bringt vor allem Zusatzverkehr und Immissionen.

Das kommt auf die Verhandlungen an. Die grössten Immissionen in Bözen stammen von der Autobahn. Hätte diese deshalb nicht gebaut werden sollen? Wir alle nutzen sie doch.

Vermissen Sie in der Bevölkerung die Bereitschaft, gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu lösen?

Ja, auf dem Land wollen fast alle ein eigenes Haus. Was dann mit dem Aushub passiert, ist vielen Bauherren egal. Aushubmaterial ist wohl unbestritten einer der unproblematischten Stoffe. Also könnte eine Deponie auch eine Chance für eine kleine Gemeinde sein.

Sie kann Bedingungen stellen.

Ja. Es geht doch darum, herauszufinden, was uns als Gemeinde weiterbringen könnte. Beispielsweise einen besseren Lärmschutz oder einen Autobahn-Vollanschluss in Effingen. Wir möchten auf jeden Fall verhindern, dass der Verkehr auf der Kantonsstrasse im Dorf massiv zunimmt. Der Schwerverkehr gehört auf die Nationalstrasse – das gilt auch für die Zufahrt zu einer allfälligen Deponie.

Werden Sie sich am Infoabend in die Karten blicken lassen, wie der Stand der Evaluation ist?

Wir werden auf jeden Fall aufzeigen, wie es überhaupt aus etwa 100 möglichen Standorten zu dieser Vorauswahl gekommen ist, was die Haltung des Gemeinderats ist und wie der Prozess nun weitergeht, respektive welche Möglichkeiten der einzelne Stimmbürger hat.

Sind auch Interessierte aus den Nachbargemeinden willkommen?

Ja, warum nicht? Wir haben nichts zu verheimlichen.

Infoveranstaltung zur möglichen Aushubdeponie «Förlig» Donnerstag, 8. September, 19.30 Uhr, Gemeindesaal Bözen.