Um den Standort für die Besucherparkplätze beim Schloss Wildenstein wird seit Jahren gestritten in Veltheim. Etliche Gespräche wurden geführt zwischen Gemeinde und Kanton, diverse Abklärungen vorgenommen. Es kam zu Ablehnungen, Überarbeitungen und Wiedererwägungen.

Der Kanton beurteilte einzig den Standort auf der nördlich der Schlossanlage gelegenen Parzelle 509 als positiv, nur dieser sei genehmigungsfähig. Die Bevölkerung dagegen kämpfte für einen Parkplatz am Südfuss des Schlosshügels.

Der Kanton, hiess es an der Gemeindeversammlung am 9. Juni, verhinderte die beste Lösung und missachte den Willen der Gemeinde. Die Stimmberechtigten wiesen das Geschäft zurück – mit dem Auftrag, der Gemeinderat habe eine Alternative zu suchen.

Gemeinderat kommt ins Zweifeln

Nach der lebhaften und langen Gemeindeversammlung meldete sich unverhofft der kantonale Denkmalpfleger Reto Nussbaumer zu Wort. Es sei klar, dass die Denkmalpflege als Verhinderer dargestellt werde, sagte er gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF. Das stimme aber nicht. Denn es gebe sehr wohl Orte für einen Parkplatz unterhalb des Schlosses – auf den Wiesen, die heute schon provisorisch als Parkplatzmöglichkeit genutzt werden bei grossen Anlässen. Über diese Flächen werde derzeit aber gar nicht diskutiert. «Es gibt immer Lösungen, wenn man miteinander spricht», sagte Nussbaumer.

Schloss Wildenstein liegt rund anderthalb Kilometer südlich des Dorfkerns und ist das Wahrzeichen von Veltheim.

Schloss Wildenstein liegt rund anderthalb Kilometer südlich des Dorfkerns und ist das Wahrzeichen von Veltheim.

Diese Aussagen haben den Gemeinderat Veltheim nicht nur überrascht, sondern auch geärgert. «Wir fühlten uns wie vor den Kopf gestossen», gibt Gemeindeammann Ulrich Salm zu. «Ich habe das Interview persönlich im Auto gehört und traute meinen Ohren nicht.» Beim Satz, dass es immer Lösungen gebe, wenn man miteinander spreche, könne man ins Zweifeln oder gar Verzweifeln kommen, stellt Salm fest.

Denn genau die Parzelle, auf der heute provisorisch Parkplätze zur Verfügung gestellt werden, habe der Gemeinderat in der Vorprüfungsanfrage 2013 als Parkplatz beantragt. «Die Vorprüfung ging durch alle beteiligten Fachstellen, auch durch die Denkmalpflege», führt Salm aus. «In der fachlichen Stellungnahme des Kantons zur Vorprüfungsanfrage wurde diese Parzelle in aller Deutlichkeit abgelehnt; begründet wurde die Ablehnung mit der Inanspruchnahme von wertvollen Fruchtfolgeflächen.»

«Der Gemeinderat setzt sich nach wie vor mit Vehemenz dafür ein, dass das Schloss Wildenstein der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden kann.»

Gemeindeammann Ulrich Salm:

«Der Gemeinderat setzt sich nach wie vor mit Vehemenz dafür ein, dass das Schloss Wildenstein der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden kann.»

Die falsche Aussage ist geklärt

Immerhin: Der Gemeinderat habe nach der umgehenden Reaktion ein gutes, konstruktives Gespräch führen können mit Denkmalpfleger Reto Nussbaumer sowie mit Michael Umbricht, dem Generalsekretär des kantonalen Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS). Nach der Klärung der falschen Aussage, so Salm, sei es wichtig, die Parkplatz-Evaluation positiv mit dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) sowie dem BKS angehen zu können. Der Gemeinderat werde in Rücksprache mit Schlossbesitzer Samuel Wehrli und seiner Familie mit den beiden involvierten Departementen die Parkplatz-Alternativen besprechen und auf die Grundstückeigentümer zugehen. Gemeindeammann Salm macht keinen Hehl daraus: «Ich hätte mir selbstverständlich gewünscht, dass man vonseiten des Kantons den Varianten unten am Schloss schon früher das entsprechende Verständnis entgegengebracht hätte.»

Trotz der massiven Enttäuschung seien die Eigentümer des Schlosses offen für weitere Abklärungen, bevor sie definitiv über die Zukunft der Anlage entscheiden, fügt Salm an. Zur Erinnerung: Nach der Gemeindeversammlung schlossen sie auch einen Verkauf von Wildenstein nicht aus. «Der Gemeinderat setzt sich nach wie vor mit Vehemenz dafür ein, dass das Schloss Wildenstein der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden kann und wir Vältner so auch wirklich von ‹unserem› Schloss sprechen können», betont der Gemeindeammann. Er erhofft sich von allen betroffenen Parteien, dass sie sich konstruktiv an der Lösung beteiligen.

Aargauer Schlösser in Bildern: