Schinznach-Dorf
Den richtigen Riecher für den passenden Knall: Zu Besuch in der Tischbomben-Fabrik

In der einzigen Tischbombenfabrik der Schweiz in Schinznach-Dorf läuft die Produktion auf Hochtouren. «Tischbomben begeistern auch Erwachsene. Sie holen das Kind in einem wieder hervor», weiss der kreative Kopf hinter den Überaschungspaketen.

Janine Müller
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Einblick in die Produktion Es werden die unterschiedlichsten Tischbomben für verschiedenste Anlässe produziert.
16 Bilder
Einblick in die Produktion Eine Mitarbeiterin steht am Fliessband und füllt die Tischbombe.
Einblick in die Produktion Eine Mitarbeiterin steht am Fliessband und füllt die Tischbombe.
Einblick in die Produktion Mitarbeiterinnen stehen am Fliessband und füllt die Tischbombe.
Einblick in die Produktion Mitarbeiterinnen stehen am Fliessband und füllt die Tischbombe.
Tischbombenproduktion in Schinznach-Dorf
Einblick in die Produktion Mitarbeiterinnen stehen am Fliessband und füllt die Tischbombe.
Einblick in die Produktion Eine Mitarbeiterin steht am Fliessband und füllt die Tischbombe.
Einblick in die Produktion Maurice Regel ist der kreative Kopf hinter den Schinznacher Tischbomben.
Einblick in die Produktion Mit diesem Glitzerpapier werden die Tischbomben umwickelt.
Einblick in die Produktion Die Böden und Deckel für die Tischbomben werden in Schinznach-Dorf produziert.
Einblick in die Produktion Hier werden die Hülsen der Tischbomben fabriziert.
Einblick in die Produktion In der Lagerhalle warten die abgepackten Tischbomben darauf, abgeholt zu werden. Sie werden an Grossverteiler und Fachgeschäfte in der Schweiz, aber auch ins Ausland geliefert.
Einblick in die Produktion Die Tischbomben auf dem Fliessband.
Einblick in die Produktion Die Tischbombenproduktion ist unter anderem im neuen Gebäude der Firma Constri untergebracht.
Einblick in die Produktion Diese Tischbomben sind bereit für Silvester.

Einblick in die Produktion Es werden die unterschiedlichsten Tischbomben für verschiedenste Anlässe produziert.

Tischbomben gehören zu Silvester wie Feuerwerk und Champagner. Das weiss auch Maurice Regel (57) von der Firma Constri in Schinznach-Dorf. Er ist der kreative Kopf hinter den Schinznacher Tischbomben. Im Sitzungszimmer präsentiert er die Tischbomben-Kreationen aus früheren Jahren. Darunter natürlich die klassischen für Silvester. Da gibts aber auch die «Pirates-of-Carribean»-Tischbombe, die «Party and Games», eine für Mädchen-Partys und eine für Halloween. «Man muss ein Auge für Trends entwickeln», sagt Maurice Regel. Die Trends sollten aber über längere Zeit anhalten. «Darum verzichten wir jetzt beispielsweise auf eine Pokémon-Tischbombe. Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser Hype länger anhält.»

Inspiration holt er sich in der Filmindustrie, im Internet, auf den Mode-Laufstegen, aber auch in Blumengeschäften oder auf Reisen. Gerne holt er sich zwischen Weihnachten und Neujahr, dann, wenn die Tischbomben in den Läden heiss begehrte Ware sind, das direkte Feedback von Kunden. «Ich stelle mich dann jeweils in den Laden und frage die Kunden, warum sie gerade diese Tischbombe gekauft haben», sagt Regel. «Das hilft uns, unser Produkt noch besser zu machen.» Immer wieder hat er verrückte Ideen, die den Produktionschef die Haare raufen lassen. So wollte er beispielsweise ausgestopfte Socken, denen mit Filz Gesichter aufgeklebt wurden, auf die Tischbombe setzen. «Unmöglich», hiess es. Dann aber kam die Idee, Handpuppen auf die Tischbombe zu montieren. Die Tischbombe kann dann nach Gebrauch auch als Sparbüchse verwendet werden.

Erwachsene werden zu Kindern

Obwohl das Silvester-Geschäft noch immer 85 Prozent der Produktion ausmacht, werden Tischbomben je länger je mehr auch unter dem Jahr gut verkauft. Sei es für Geburtstage, spezielle Tage wie Halloween oder für Hochzeiten. «Tischbomben begeistern auch Erwachsene. Sie holen das Kind in einem wieder hervor», ist Maurice Regel überzeugt.

Die Kreativität und vor allem das Swiss-made-Siegel (70 bis 75 Prozent der Tischbomben-Bestandteile stammen aus Schweizer Produktion) macht die Firma Constri so erfolgreich. Sie ist im Übrigen die einzige Schweizer Tischbomben-Fabrik. Soeben hat die Firma die Produktion in den Neubau in Schinznach-Dorf verlegt. Ende Jahr sollen die letzten Arbeiten am Gebäude fertig sein. Doch bis dann kann mit der Tischbomben-Produktion nicht gewartet werden. Zwischen März und November wird jeweils produziert. Rund 15 Mitarbeiter kümmern sich darum, dass es an Silvester korrekt «Peng» und dann «plobb, plobb, plobb» macht.

Die Tischbomben-Produktion beginnt im älteren Gebäude. Hier produziert ein Roboter mit Granulat farbige Böden und Deckel für die Tischbomben. Im neuen Gebäude läuft die Maschine, die die Hülsen produziert. Hier wird die Hülle der Tischbombe gefertigt und mit buntem Papier beklebt. Der Hit übrigens für die Silvesterparty 2016: «Wir werden noch vermehrt mit Hologrammen arbeiten», sagt Maurice Regel.

Die Firma Constri beliefert grosse Detailhändler in der Schweiz: Migros, Coop und Manor. Dazu kommen viele Fachhändler. Zudem sind die Schweizer Tischbomben beliebt im Ausland. Exportiert wird nach Deutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, Österreich und Grossbritannien. Gerade werden die Silvester-Tischbomben für die Migros produziert. Auf violett-rotem Hintergrund mit Feuerwerk prangt die Skyline einer Stadt, hervorgehoben durch silberne Hologramme. Darüber steht, ebenfalls silbrig glänzend, «Happy New Year».

In einem abgeschlossenen Raum daneben werden die Zündschnüre und die Schiessbaumwolle – diese sorgt für den Knalleffekt und den typischen Geruch – auf dem Boden der Tischbombe befestigt. Fotos und Videoaufnahmen sind hier nicht erlaubt. Handys dürfen auch aus Sicherheitsgründen nicht mitgenommen werden. Einen Raum weiter stehen Frauen am Fliessband. Sie füllen das, was in eine Tischbombe gehört, ab: Hütchen, Karton-Schnäuze, Luftschlangen, Tröten, Clownnasen und – selbstverständlich – die Papierkügeli, mit denen man wunderbar Mitmenschen bewerfen kann. Gleich vor Ort werden die fertigen Tischbomben in Kartonkisten verpackt und versandfertig gemacht.

Testlabor für die Tischbomben

Zwischendurch testet der Produktionsleiter die Tischbomben. Im extra dafür eingerichteten Testlabor riecht es penetrant nach Schwefel. Hier wird das Produkt begutachtet und getestet, ob die Tischbombe die richtige Höhe erreicht.

Maurice Regel übrigens hat schon lange nicht mehr selber Silvester gefeiert. Er fungiert als Pyrotechniker und ist in dieser Funktion verantwortlich dafür, dass das Feuerwerk der Höhepunkt beim Jahreswechsel ist. Aber: «An meine Einsätze nehme ich immer zwei, drei Tischbomben mit», gibt er augenzwinkernd zu.