«So etwas habe ich selten gesehen», enerviert sich Pilzkontrolleur Hans Peter Hartmann. Seit rund 30 Jahren schon kontrolliert der Riniker während der Saison die Pilze der Region. Schlichtweg katastrophal sei die Pilzsaison gestartet, einzig der Herbst nach dem Rekord-Sommer im Jahr 2003 sei annähernd schlecht gewesen. «Die letzten beiden Jahre waren schon eher schlecht, doch für diese Saison sehe ich schwarz.»

Boden viel zu trocken

Der Ursprung allen Übels ist dabei schnell gefunden: Der diesjährige Hitzesommer trocknete den Boden dermassen stark aus, dass keine Pilze wachsen können. Dabei benötigen die Pilze Wärme und vor allem Feuchtigkeit: «Nebel ist ideal. Da fühlen sie sich wohl. Eine Bise dagegen ist Gift für das Wachstum», erklärt der bald 60-Jährige.

Letzten Sonntag war Hartmann auf Pilzsuche und konnte sich vom schlechten Saisonstart gleich selbst ein Bild machen: «Erstaunlicherweise haben wir nicht einmal einen Röhrling gefunden.»

Hartmann ist zudem aufgefallen, dass die Pilzsaison in den letzten Jahren stets etwas später begonnen hat. «Ich kann mir das absolut nicht erklären», zeigt sich der Brugger Pilzkontrolleur ratlos. Für einige Pilzarten ist das durchaus problematisch, da sie somit je nach Monat aufgrund der einsetzenden Kälte vom bevorstehenden Winter gar nie richtig zum Wachsen kommen.

Das kann weitaus verheerendere Folgen haben, als sich das manch einer vorstellen kann: «Was man an der Oberfläche sieht, ist ja nur der Fruchtkörper des Pilzes. Die Basis liegt unter der Erde.» Diese ist vor allem für diverse Bäume essenziell, da sie von den Pilzen Nährstoffe aufnehmen. «Das ist ein ständiges Geben und Nehmen beider Parteien. Ohne den Pilz können einige Bäume nicht überleben – und ohne den Baum überleben auch einige Pilze nicht.» Dennoch ist die Situation für die jeweiligen Bäume bisher noch nicht so prekär wie für die Pilze. Laut Hartmann sähen diese nämlich noch gut aus.

Für die Pilzliebhaber sieht es diesen Herbst also denkbar schlecht aus. So glaubt der erfahrene Pilzkenner nicht mehr daran, dass die Saison noch zu retten sei: «Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich die Basis noch rechtzeitig entwickelt. Ein üppiges Wachstum ist kaum mehr möglich, aber ich kann mich ja auch irren.»

Pilzausstellung findet statt

Nichtsdestotrotz findet am 26. und 27. September in der alten Dorfturnhalle Windisch die alljährliche Pilzausstellung wie geplant statt. «Wenn wir in der Region zu wenig finden, dann holen wir die Pilze eben aus den Bergen», verspricht Hartmann. Betroffen von der Pilz-Flaute ist nämlich vorwiegend das Mittelland, währendem in den Bergregionen weitaus mehr spriesst.

Pilzausstellung 26. und 27. September, in der alten Dorfsporthalle in Windisch.