«Wir sind schon sehr privilegiert», sagt Gemeinderat Heinz Dätwyler im provisorischen Sitzungszimmer des Gemeinderats im Schulhaus zur Lage des Ortsteils Oberbözberg. Dätwyler hat die Bözberg-Fusion persönlich schon vor Jahren vollzogen. Der gebürtige Unterbözberger heiratete eine Oberbözbergerin.

Der Ortsteil Oberbözberg liegt fern ab der Bözbergstrasse, zuoberst auf dem Hochplateau, eingebettet zwischen den Gemeinden Remigen, Mönthal, Riniken und Effingen sowie dem Ortsteil Unterbözberg. «Es ist der kompakteste Ortsteil und ein typisches Strassendorf mit rund 500 Einwohnern», so Dätwyler. Dennoch sind die Grenzen schwer auszumachen.

Mit Heinz Dätwyler im Waldhaus Ebni im Ortsteil Oberbözberg.

Mit Heinz Dätwyler im Waldhaus Ebni im Ortsteil Oberbözberg.

Dorfladen läuft schlecht

Die meisten Bauernhäuser wurden in den letzten Jahren umgebaut. Der Landgasthof Güggeli-Sternen gehört heute ebenso zum Ortsbild wie der Denner-Satellit-Laden. Die Zukunft des einzigen Lebensmittelladens in der neuen Gemeinde Bözberg ist ungewiss. «Der Laden läuft nicht gut. Die Leute sollten vermehrt hier einkaufen», sagt der Gemeinderat. Noch im vergangenen Jahr hat die Ortsbürgergemeinde der Ladengenossenschaft ein grösseres Darlehen erlassen.

Um das beschauliche Ballungszentrum herum sind die Weiler Überthal, Adlisberg und Riedacher verteilt. Das Tobel entlang dem Itele-Bach ist mit 402 Metern über Meer nicht nur der tiefste Punkt der Fusionsgemeinde; es ist auch nur von der Gemeinde Remigen her zugänglich. Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten 40 Jahren fast verdoppelt. Im Jahr 1972 hatte die Gemeinde 284 Einwohner, bei der Fusion Ende 2012 waren es 508. Der Ortsteil verfügt noch über 1,9 Hektaren Bauland. Viele Neuzuzüger haben ein Eigenheim erworben oder ein altes Bauernhaus umgebaut und geniessen die Ruhe im Dorf. Mietwohnungen gibt es praktisch keine.«Die Oberbözberger sind meistens ruhig und zufrieden», charakterisiert Dätwyler die Bevölkerung und präzisiert: «Sobald aber ein Anlass organisiert wird, machen die Leute engagiert mit.» Bisher war Oberbözberg der einzige Ortsteil, in dem der 1.August gefeiert wurde. Den Nationalfeiertag will die Bevölkerung auch weiterhin feiern.

Bis auf die beiden Schützenvereine gab es auf dem Bözberg pro Sparte nur einen Verein. Der Turnverein und die Damenriege Bözberg sind besonders erfolgreich unterwegs, spielen doch beide in der Nationalliga B Korbball.

Verwaltungsstandort entsteht

Im Jahr 1990 gab es in Oberbözberg etwa 80 Schulkinder. Diese Zahl nahm in den letzten Jahren kontinuierlich ab, zudem wurde auch noch die Realschule geschlossen. Aktuell gehen zwar alle Primarschüler vom Bözberg in Oberbözberg zu Schule. Das Schulhaus am definitiven Schulstandort in Unterbözberg wird zurzeit renoviert. Nach den Frühlingsferien ist es bezugsbereit.

Danach werden die Schulhäuser in Oberbözberg umgebaut. Im Herbst werden in den umgebauten Gebäuden alle Verwaltungseinheiten und die Archive zusammengeführt.

Gute Kontakte zu den Nachbarn

«Wir sind heiratsfähig in die Fusion gegangen», fasst Dätwyler die Mitgift seines Ortsteils zusammen. «Wir bringen 1 Million Franken aus der Abwasserkasse sowie 1,29 Million Franken Eigenkapital mit.» Die umfassende Sanierung der Dorfstrasse wurde im vergangenen Sommer abgeschlossen. «Oberbözberg wird künftig eine zentrale Verwaltungsrolle spielen», erzählt Dätwyler. «Die Gemeindeversammlungen sollen nun immer hier stattfinden. Dafür wird in der Turnhalle die Infrastruktur entsprechend angepasst.» Früher seien die Ortsteile über die Kirche oder die Wasserversorgung bloss miteinander «verwandt» gewesen, schildert Dätwyler den Weg zur – für ihn notwendigen – Fusion. «Wir leben alle auf diesem Hochplateau und gehören doch zusammen», betont er und ergänzt: «Idealere Voraussetzungen für eine Fusion hat fast niemand.» Mit der Fusion ist die regionale Zusammenarbeit für Dätwyler aber nicht abgeschlossen. «Wir pflegen gute Kontakte zu unseren Nachbargemeinden», so der Gemeinderat.

«Privilegierte Lage

Oberhalb des Dorfs – einen Steinwurf von der Turnerlinde entfernt – steht das Waldhaus Ebni. Das Holzhaus am Waldrand gehört nun allen Ortsbürgern auf dem Bözberg und kann gemietet werden. Von dort sieht man an Föhntagen die ganze Alpenkette inklusive Titlis. «Die Aussicht ist traumhaft. Aufgrund dieser privilegierten Lage würden wir lieber Kurtaxe als Steuern bezahlen», sagt Heinz Dätwyler und schmunzelt.